Renovierung in Maichingen Altbau sanft in die Moderne überführt

Mit einen Anbau wurde das Haus auf heutige Bedürfnisse angepasst. Foto: Stefanie Schlecht

Eigentlich wollte ein Paar aus Maichingen nur das elterliche Haus erhalten. Herausgekommen ist eine Renovierung, die einen begehrten Architekturpreis bekommen hat.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

„Wenn Sie in Japan in einem Holzhaus leben, das älter als 40 Jahre ist, dann riskieren Sie Ihr Leben“, sagt Atsushi Kamiyama, „wegen der vielen Erdbeben.“ Nun wohnt er mit seiner Frau Yumiko und seinen Kindern in Maichingen – in einem viel älteren, aber soliden Gebäude auf solidem Grund. Vor einiger Zeit hat das Haus den begehrten Architektur-Preis „Beispielhaftes Bauen“ der Architektenkammer Baden-Württemberg erhalten.

 

Für den Japaner ist es etwas ganz Besonderes, in einem Gebäude zu leben, das fast 100 Jahre alt ist. Das eine historische Holztreppe hat und einen richtigen Keller; in dem es einen Dachboden gibt und eine Erweiterung nach Süden, die durch verschraubte Stahlträger gesichert, eine klar gegliederte Fensterfront ermöglicht und Blicke auf Gärten und einen Pflaumenbaum.

Atsushi, Honoka, Kosei und Yumiko Kamiyama genießen die besondere Atmosphäre des preisgekrönten Hauses – und der Stoff-Tapir ebenso. Foto: Stefanie Schlecht

Die beiden Zwillinge Honoka und Kosei gehen in Sindelfingen auf die Internationale Schule, Atshushi Kamiyama arbeitet als EDV-Spezialist bei Konica-Minolta, die früher für Kameras bekannt war, heute für Kopierer. Er war etliche Jahre in den USA, und als er nach Deutschland kam, fand er eine Maklerin, die auf japanische Kunden spezialisiert war und den japanischen Geschmack kannte. Sie vermittelte das bereits preisgekrönte Haus, dessen Eigner in Helsinki leben und in den Umbau viel Herzblut und Geld gesteckt haben. Die Eigentümer wollten das elterliche Haus auf alle Fälle erhalten und auf moderne Bedürfnisse überarbeiten.

Das war auch der Grund für die Architektenkammer Stuttgart, den Umbau zu prämieren, den der Stuttgarter Architekt Wolfgang Roth entworfen hat. „Das sanierte Einfamilienhaus aus den 30er-Jahren überzeugt durch seinen sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz“, heißt es in der Begründung der Jury. „Ein Anbau setzt sich klar und dennoch zurückhaltend vom bestehenden Baukörper ab. Im Erdgeschoss entstand ein gemeinsamer Wohn- und Essbereich entsprechend den heutigen Raumbedürfnissen, ohne jedoch den Charakter und die Atmosphäre dieser Epoche zu verändern.“

Im Obergeschoss blieb die Raumkonfiguration unverändert, was den Bewohnern Kompromissbereitschaft abverlangt. Saniert worden sei nur dort, wo das aus Gründen des Substanzerhalts erforderlich war. Die Kammer bilanziert: „Ein herausragendes Beispiel für respektvollem und gelungenem Umgang mit bestehender Substanz.“

„Ich mag es zu reisen“

An einem der Stahlträger hängen bunte Magnetsticker von den Orten, wo die Familie schon überall war. Eine Reihe von Farbtupfern, die bald den Boden erreicht haben wird. Die Familie Kamiyama hat die Möbel von den Vorbesitzern übernommen, die farblich und formal mit der Architektur korrespondieren . Und obwohl die Familie vermutlich nur ein paar Jahre in Deutschland sein wird, tragen die Kinder das Leben der Eltern entspannt mit: „Ich mag es zu reisen“, sagt Kosei. Stolz zeigt er später seinen Plüsch-Tapir, der alle Reisen der Familie mitgemacht hat und vielleicht bald wieder auf Wanderschaft geht.

Beispielhaftes Bauen

Auszeichnung
Um das Bewusstsein für die Baukultur im Alltag zu schärfen, lobt die Architektenkammer Baden-Württemberg seit Jahren die Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen“ aus. Ziel ist es, beispielhafte Architektur im konkreten Lebenszusammenhang aufzuspüren und Architekten, Stadtplaner und Bauherren für ihr gemeinsames Engagement auszuzeichnen.

Online
Mehr Informationen sowie die Datenbank „Beispielhaftes Bauen“ gibt es unter https://www.akbw.de/baukultur/beispielhaftes-bauen im Netz.

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