Repaircafé in Zuffenhausen Der „Vampyr“ hat seine Saugkraft wieder

Von Bernd Zeyer 

Wer defekte Sachen hat, der muss sie nicht gleich wegwerfen: Im Repaircafé der Awo an der Lothringerstraße 13A bringen Experten Staubsauger, Stereoanlagen, Uhren und allerlei andere Geräte wieder in Gang – kostenlos.

Wäre doch gelacht: Die Bastler im Repaircafé bringen alles mögliche wieder zum Laufen. Foto: /Bernd Zeyer
Wäre doch gelacht: Die Bastler im Repaircafé bringen alles mögliche wieder zum Laufen. Foto: /Bernd Zeyer

Zuffenhausen - Der „Vampyr“ will nicht mehr. Jahrelang hatte er mir treue Dienste geleistet, nun ist es vorbei. Nur noch ein leises Röcheln ist zu hören, von echter Saugkraft keine Spur. Dabei hat er früher alles geschluckt, was seinen Weg kreuzte: Neben Staub und Dreck fraß er auch gerne Nägel, Socken oder kleine Teppiche. So stark war er, der „Vampyr 502“ der Firma AEG. Wann er gebaut wurde, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen, er dürfte aber bestimmt zwei Jahrzehnte auf dem knallroten Buckel haben. Ein neuer Staubsauger kostet über 100 Euro, das muss nicht sein. Lieber reparieren lassen, das ist schonender für den Geldbeutel und die Umwelt.

Findige Bastler zeigen ihr Können

Nur gut, dass es in Zuffenhausen das „Repaircafé“ der Awo (Arbeiterwohlfahrt) gibt. Im Gebäude an der Lothringer Straße 13A warten an jedem vierten Mittwoch im Monat findige Techniker darauf, ihr Können zu zeigen. „Das ist gut für die Nachhaltigkeit und schafft soziale Kontakte“, erzählt Bianca Jahnke, die das Begegnungs- und Servicezentrum der Awo leitet. Vor allem jüngere Leute würden immer mehr dazu tendieren, defekte Sachen einfach wegzuwerfen. Ältere hingegen wüssten die Gegenstände noch zu schätzen. Vor allem Elektrogeräte, aber auch Uhren, Fahrräder und Stühle werden im Repaircafé wieder fit gemacht – kostenlos, gegen eine freiwillige Spende. Vor ziemlich genau einem Jahr startete das Projekt, mittlerweile wurden mehr als 100 Gegenstände in Gang gebracht. „Das Angebot kommt gut an, es kommen immer mehr Leute“, sagt Jahnke. Zusätzliche Reparateure seien hochwillkommen.

Meines Staubsaugers nimmt sich Metin Çetin an. Der 50-Jährige ist schon ziemlich weit herumgekommen: In Kasachstan hat er Englisch studiert und für zwei Jahre als Lehrer gearbeitet, dann ging es weiter in den Irak und nach Mazedonien, wo er den Menschen ebenfalls Englisch beibrachte. Vor zweieinhalb Jahren kam er nach Deutschland und lebt nun in Schwieberdingen. „Es macht mir Freude, anderen Menschen zu helfen“, sagt er. Außerdem komme er auch her, um Deutsch zu sprechen und zu lernen. „In Deutschland werfen die Leute viel zu viele Dinge weg, die man noch reparieren könnte“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Kleine Ursache, große Wirkung

Sein Wissen hat Çetin vor allem aus Büchern, am liebsten repariert er Computer. Doch auch mit dem Vampyr weiß er Bescheid: „Das Potentiometer ist nicht okay“, sagt er nach ein paar Minuten. Wahrscheinlich sei Staub hineingekommen. Er besprüht den Drehregler, mit dem man die Saugstärke regeln kann, mit Druckluft und dann mit einem Kontaktspray. Und siehe da: Der Staubsauger röhrt wieder wie am ersten Tag, der Vampyr hat sozusagen seine Zähne wieder!

Am Nebentisch wird derweil an einer Grundig Stereo-Kompaktanlage geschraubt. Das Gerät aus den frühen 1980er Jahren frisst Kassettenbänder, außerdem muss die Nadel des Plattenspielers getauscht werden. Hier gibt es allerdings ein Problem: Statt des passenden Antriebsriemens für den Kassettenrekorder wurde einer für den Plattenspieler bestellt. Und der passt nicht. Werner Groß ärgert sich ein wenig, denn er hat das halbe Gerät zerlegt, nun muss es wieder stückweise zusammengesetzt werden. Wenn dann hoffentlich bald der richtige Riemen da ist, beginnt das Spiel wieder von vorne. „Beim Auseinderbauen müssen die Teile sorgfältig abgelegt werden“, erzählt der Elektromeister. Dann klappe es auch mit dem Zusammenbau.

Ältere Geräte sind stabiler gebaut

Viele Jahre hat er bei einer großen Firma gearbeitet, unter anderem in der Reparaturwerkstatt und im Kundendienst. „Mir geht es um den Spaß am Reparieren. Außerdem ist es schön zu sehen, wie die Leute sich freuen, wenn ihr Gerät wieder funktioniert“, erzählt der 76-Jährige. Oftmals liege es nur an Kleinigkeiten. Bis man diese allerdings finde, könne es schon ein paar Stunden dauern. Ältere Elektroartikel seien besser wieder in Ordnung zu bringen als neuere Modelle, ihre Mechanik sei einfach stabiler. Heutzutage werde bei der Produktion zu viel gespart.

Immerhin die Nadel des Plattenspielers kann Groß wechseln, da hier das richtige Ersatzteil bestellt worden war. Das Radio funktioniert auch. Das freut Birgit Ramlow, der die Stereoanlage gehört. Das Gerät hatte sie seinerzeit zusammen mit ihrem Mann beim damaligen Elektro Lener in Zuffenhausen gekauft. Als sie vor einigen Jahren eine Kassette abspielen wollte, wurde deren Band aufgeschlitzt. Seit damals stand die Anlage unbenutzt in der Wohnung, bis Ramlow dann in der Zeitung vom Repaircafé las. In einer Werkstatt hatte man ihr zuvor gesagt, das Gerät wäre nicht mehr in Ordnung zu bringen. „Ich hänge sehr daran und möchte nichts Neues kaufen“, sagt die ältere Dame und meint: „Ich hoffe, die Herren kriegen es hin.“ Wegwerfen möchte sie die Stereo-Anlage auf keinen Fall: „Ich stelle sie auf jeden Fall wieder an ihren alten Standort.“ Schließlich sei sie den Anblick seit vielen Jahren gewöhnt.

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