Bundeswehreinsatz in Mali Wenig Interesse an Beseitigung dunkler Geschäfte

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Auf halbem Weg zwischen Bamako und Gao liegt Mopti – ein Umschlagplatz zwischen Nord und Süd für den regulären Handel, aber auch für Waffen- und Drogenhandel sowie Menschenschleuser. Mali ist ein Transitland für dunkle Geschäfte. Die Regierung macht wenig Anstalten, dort für Ordnung zu sorgen. Mit den Profiteuren will man es sich nicht verderben. Auch die Franzosen, die mit ihrer Operation „Barkhane“ eine Sonderrolle beanspruchen, ändern den Zustand eher nicht. Da wären die Vereinten Nationen gefordert. „Aus meiner Sicht müssten sie deutlich mehr tun, um auch in dieser Region Minusma-Kräfte zu stationieren und die Schritte des Friedensvertrags dort umzusetzen“, sagt Grübel.

60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, in Koulikoro, beteiligt sich die Bundeswehr an der EU-Trainingsmission. Grundlage ist ein weiteres Bundestagsmandat, das den Einsatz von bis zu 300 Soldaten erlaubt. Auf dem Gelände einer malischen Militärschule gibt der deutsche Kontingentführer Michael Andritzky eine düstere Einschätzung ab: „Die Sicherheitslage in Zentralmali verschlechtert sich“, sagt er. „Es entsteht ein Machtvakuum.“ Der Verfall staatlicher Strukturen mit Organisierter Kriminalität, Entführungen und Überfällen frisst sich demnach gen Bamako vor.

„Die Sicherheitslage in Zentralmali verschlechtert sich“

Immerhin will die 20 000-köpfige malische Armee 5000 statt 2500 Rekruten ausbilden. Die EU-Mission intensiviert daher ihr Training von Offizieren und Unteroffizieren, damit diese ihr Wissen rasch weitergeben. Die Malier zeigen sich hochmotiviert, doch die Offiziere müssen noch lernen, als Führer voranzugehen. Wenn ihnen gezeigt wird, wie Verwundete fachkundig versorgt werden, entfernen sie sich nicht mehr so oft vom Gefecht, so die Hoffnung. Dann wissen sie, dass sie als Haupternährer ihrer Familie überleben können.

Andritzky setzt darauf, bald einen Großverband in das zentralmalische Machtvakuum zu beordern. „Der kann den Unterschied ausmachen“, sagt er. „Der Feind rechnet nicht mit so gut trainierten Kräften.“ Auch Grübel sieht „echte Fortschritte bei der Ausbildung der malischen Streitkräfte“. Es sei ein „Mittel- oder Langstreckenlauf“, bis sie wirkungsvoll eingesetzt werden könnten. Aber „das Land sich selbst zu überlassen, ist keine Alternative“.

1200 Kilometer liegen zwischen Bamako und Gao. Großgerät muss in Schwerlastzügen gen Norden gebracht werden, weil Frachtmaschinen in Gao nicht landen können. Das dauert fünf Tage auf der schlaglochreichen Piste. Für die heikle Tour gibt es kaum zivile Fahrer, die die Gefahr auf sich nehmen. Zu oft werden sie überfallen. Für einen Großtransport zahlt die Bundeswehr dem deutschen Spediteur bis zu 100 000 US-Dollar, damit er die durch malische Soldaten gesicherte Tour abwickelt. Vier Fahrer habe die Firma schon verloren, sagt ein Bundeswehrangehöriger; deren Familien erhielten je 5000 Dollar. Auch so etwas kennt die Bundeswehr aus Afghanistan – es lässt für Mali nichts Gutes ahnen.