Reptilienzoo am Neckarufer Das Krokodil vom Neckarufer

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Ein Reptilienzoo mit 300 Tieren campt seit drei Monaten auf dem Hessigheimer Festplatz. Die Gemeinde will ihn loswerden, doch sie stößt auf Widerstände.

Willy Spindler hat 300 Reptilien – darunter auch einen Alligator Foto: factum/Granville
Willy Spindler hat 300 Reptilien – darunter auch einen Alligator Foto: factum/Granville

Hessigheim - Es sind exotische Neubürger, die sich im Weinort Hessigheim inzwischen offenbar heimisch fühlen: Krokodile, Alligatoren und Vogelspinnen, Warane und eine siebeneinhalb Meter lange Netzpython befinden sich unter den ungewöhnlichen Gästen. Rund 300 Tiere gehören zum Reptilienzoo Crocodile Brothers, den Willy Spindler zusammen mit seiner Frau und drei Kindern betreibt. Vor rund drei Monaten hat sich die Familie samt Tieren und 15 Fahrzeugen auf dem Festplatz am Neckar einquartiert – zum Leidwesen von Bürgermeister Günther Pilz.

Der Schultes ist ratlos. Seit ihrer Ankunft werde er von den Schaustellern hingehalten. Immer wieder habe man ihm versichert, dass die Truppe innerhalb der nächsten Woche wegziehe, aber nie sei etwas passiert. „Wir haben vergeblich versucht, näheren Kontakt zu den Leuten aufzunehmen“, berichtet Pilz. Zu einem Termin sei die Familie gar nicht erschienen, bei einem anderen gleich wieder verschwunden, bei Besuchen vor Ort sei der Zugang zu den Containern verwehrt worden. Als ihm jüngst eine Stromrechnung über 4000 Euro für den Anschluss am Neckarufer unterkam, reichte es ihm: Der Rathauschef begann, Druck zu machen. Doch selbst eine Verfügung der Gemeinde, dass der Platz bis zum vergangenen Sonntag geräumt und die 4000 Euro Stromkosten gezahlt werden müssten, sei ignoriert worden. „Erst als wir gedroht haben, den Strom abzustellen, kamen Reaktionen“, sagt Pilz. Allerdings nicht der gewünschte Wegzug.

Veterinäramt verweigert entscheidenden Stempel

Vielmehr wendet sich Willy Spindler nun an die Öffentlichkeit: „Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll“, sagt der 48-Jährige. Er behauptet, er habe seinerseits zig Mal vergeblich versucht,das Rathaus zu kontaktieren. Schließlich wolle er liebend gern von dannen ziehen, aber es fehle ihm an Sprit, Geld und einem Platz, wohin er gehen könne. Wenn die Gemeinde nun auch noch den Strom abschalte, mache das alles noch schlimmer: „Dann sind die Tiere die Leidtragenden“, so Spindler. Die seien schließlich auf Wärme- und UV-Lampen angewiesen. Und das alles nur, weil er vor vier Jahren schwer krank geworden sei. Leukämie und vier Herzinfarkte hätten ihn vom Arbeiten abgehalten. Und nun verweigere ihm das Veterinäramt den entscheidenden Stempel, den er für seine Ausstellungen vorweisen müsse. „Ich verstehe das nicht, meine Tiere werden doch vorbildlich gehalten“, empört sich der Zoo-Betreiber.

Das bestätigt Monika Spieck, Leiterin des Veterinäramtes im Ludwigsburger Landratsamt, sogar: „In den Terrarien ist alles sauber und makellos.“ Aber die tierschutzrechtliche Erlaubnis, die Spindler brauche, um seine Reptilien ausstellen zu dürfen, sei im September abgelaufen. Verlängert werden könne sie nur, wenn der Halter ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen könne – was bei Spindler nicht der Fall sei.

Die Stadt Leimen kennt das Problem

„Das ist doch ein Teufelskreis“, beschwert sich der Schausteller. Ohne Stempel vom Veterinäramt keine Arbeit, ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld kein Sprit für den Umzug. Ja, er habe zwar einen Eintrag im Führungszeugnis, „aber nur, weil ich eine Reisegewerbekarte beantragt, aber nicht genutzt habe, weil ich krank war“, behauptet Willy Spindler.

Bürgermeister Pilz hofft derweil, dass sich bald eine Lösung auftut. Er hat jedoch keine Idee, wie die aussehen soll. Der Schultes weiß nur, dass die Stadt Leimen bei Heidelberg im vergangenen Sommer das gleiche Problem mit den Crocodile Brothers hatte: „Die haben zwei Monate auf einem Parkplatz campiert“, berichtet Leimens Oberbürgermeister Wolfgang Ernst. Letztlich habe die Stadt sich nicht anders zu helfen gewusst, als den Schaustellern 2000 Euro für den Umzug zu zahlen: Die Hälfte sofort, die andere Hälfte 20 Kilometer vor der Stadt – nur um sicher zu gehen.




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