Republica "Eure Sachen lesen immer nur dieselben zwölf Leute."

Was man von einigen Veranstaltungen der Republica ebenso behaupten kann. Sie werden nur von einem kleinen Kreis von Fachleuten besucht. "Jetzt kommen wir wieder keinen Schritt weiter", stöhnt eine Workshop-Teilnehmerin, als zum soundsovielten Male die Argumente zum Jugendmedienschutz ausgetauscht sind. Die breite Öffentlichkeit hat kaum wahrgenommen, dass die Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages 2010 gescheitert ist. Effektiv sind solche selbstreferenziellen Runden kaum, unterhaltsam schon gar nicht.

Sascha Lobo bringt es böse auf den Punkt: "Eure Sachen lesen immer nur dieselben zwölf Leute." Bei ihm ist das Thema egal. Er kann die Massen sogar mit seinen frei erfundenen "Jüngsten Erkenntnissen der Trollforschung" begeistern.

Alle stehen brav Schlange - nur um nebenbei SMS zu tippen

Ein Phänomen bei Lobo: Hunderte verfolgen seinen einstündigen Vortrag aufmerksam, nur wenige tippen dabei in ihre Smartphones, Laptops oder - dieses Jahr oft zu sehen - brandneuen iPads. Sie bleiben bei Lobos Vortrag ausnahmsweise in den Taschen. Dabei ist Multitasking das Markenzeichen der Republica. Irgendwie merkwürdig: Alle stehen brav Schlange, um in eine Veranstaltungen zu gelangen.

Und dann hockt und steht man dicht an dicht in stickigen Räumen, um nebenbei Tweets zu verfolgen und Mails oder SMS zu verschicken. Nur hin und wieder blicken die Multitasker hoch, um sich die Powerpoint-Präsentation des Referenten anzuschauen. Alle beschleicht das Gefühl, eine der sieben Parallelveranstaltungen könnte erkenntnisreicher sein als die andere. Da ist man fast schon beruhigt, wenn "nerdismus" über den Vortrag im Nachbargebäude twittert: "Öööde!" Aber bleibt am Ende überhaupt etwas hängen?