Republica Auch Blogger träumen von Macht

Auf der Republica in Berlin wünscht sich die Netzgemeinde mehr Einfluss. "Greenpeace" ist Vorbild für die Online-Bürgerrechtsbewegung.  

 Foto: dpa-Zentralbild
Foto: dpa-Zentralbild

Berlin - Auch wenn sich 3000 Netzaktivisten zu einem Kongress treffen, geht es zu wie in der realen Welt: Einige wenige haben das Sagen, andere ein Kommunikationsproblem. Einer der das Sagen hat ist Sascha Lobo. Da steht er also auf der Republica in Berlin als mediales Gesamtkunstwerk: roter Irokesenschnitt, dunkles Sakko, frecher Schnauzer. Die Bühne ist riesig, die Leinwand auch, der Saal im Friedrichstadtpalast voller Menschen.

Einige lieben Lobo wegen seiner Pointen, andere verachten ihn als "Heidi Klum des Internet-Business". Sehen wollen sie ihn alle. Womit Sascha Lobo schon beim Thema wäre. "Wer seid Ihr denn?", beschimpft er sein Publikum. "Ihr seid entweder zu doof oder zu leise für die mediale Welt. Euch kennt keiner." Ihn natürlich schon, obwohl er erst seit 2005 bloggt. Noch vor einem Jahr hätte es mehr aktive Kanufahrer als Twitterer in Deutschland gegeben, sagt der Experte für das Digitale. "Dass die Medien mich mit der komischen Frisur anrufen und nicht Euch, liegt nicht an meiner Güte, sondern an Eurer Schlechte."

Sascha Lobo - Trollforschung from Christian Cordes on Vimeo.

Das Publikum lacht, es hat das alles so gewollt. Lobo ließ seine Anhänger über Thema und Attitüde des Vortrags abstimmen - und die votierten für "pöbelnd-unterhaltsam". Und pöbeln und provozieren, manchmal grob, manchmal subtil, das kann der 35-Jährige. Doch so gern er selbstverliebt um sich selbst kreist, trifft er doch einen wahren Kern. Mit der medialen Kommunikation und Vermarktung ihrer Ideen haben viele Netzaktivisten im Gegensatz zu Lobo so ihre Probleme, auch auf der Republica. Das mag daran liegen, dass juristische Finessen des Urheberrechts oder Netzneutralität die Öffentlichkeit nicht gerade elektrisieren. Aber es hapert zugleich daran, dass sich die Blogger am liebsten unter ihresgleichen bewegen, zitieren und verlinken.

Dabei suchen immer mehr Republica-Teilnehmer vor allem eines: Orientierung. Aus dem einstigen "Klassentreffen der Blogger" ist längst eine Veranstaltung für diverse Interessengruppen geworden. "Wir wollen eine Strategie im Bereich soziale Medien entwickeln, deshalb bin ich hier", sagt etwa Daniel Bayer, der als Online-Redakteur beim Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen arbeitet. Öffentlichkeitsarbeit in der Wissenschaft, das sei kein leichtes Unterfangen. Bayer hofft auf Anregungen. "Die Wissenschaft ist ein ziemlich geschlossenes System."