Republica Was der Stuttgarter Mopsgate über die Republica verrät

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Vor drei Jahren war ein Mops aus Stein das beherrschende Thema im sommerlichen Stuttgart. Jetzt wurde #Mopsgate durch einen Republica-Vortrag geadelt.

Der Mops vom Eugensplatz – ein Gesprächsthema auf der Republica. Foto: Martin Stollberg
Der Mops vom Eugensplatz – ein Gesprächsthema auf der Republica. Foto: Martin Stollberg

Berlin - Sie erinnern sich noch? Sommer 2013. Das Jahr an dessen Ende vor dem Haus, in dem Vicco von Bülow zwei Jahre seiner Kindheit verbrachte, ein Säulen-Denkmal zu Loritos Ehren stand und relativ bald von einem goldenen Mops, den der Künstler nie vorgesehen hatte, komplettiert wurde. Der Mops verschwand von seinem Sockel, noch bevor das Bekennervideo online ging, ganz Stuttgart war aus dem Häuschen. Der Dieb wurde Medien-Deutschlandweit geächtet, der Künstler gestaltete Möpse, Oberbürgermeister Kuhn weihte das neue Denkmal ein, es gab Mops-Eis und Merchandising.

Drei Jahre später zieht die lokale Posse aus dem Schwabenland 50, 60 Zuhörer auf der Republica in ihren Bann. Thorsten Weh, Stuttgarter, Kreativchef der Agentur Pulsmacher und Mitbetreiber von Kessel TV, erklärt, wie aus einer spontanen Idee ein Medienphänomen wurde, das mit einer Enttäuschung für die Erfinder endete.

Die Eigendynamik des Mopses

„Wir haben uns ein virales Video erträumt, bekamen eine riesige PR-Kampagne, von der aber nichts hingen blieb“, so Weh. Die Aufmerksamkeit, ein Link von Spiegel-Online auf das Blog aus dem Kessel, aber dann ging es eigentlich nur noch um den verschwundenen Mops und den Ersatz-Mops anstatt um das Auftauchen eines Mopses. „Wäre es eine virale Kampagne für einen Kunden gewesen, hätten wir alles daran setzen müssen, dass wir die Geschichte weiter erzählen.“ So konnte man sich verwundert zurücklehnen und die Eigendynamik des Mopses bestaunen.

Vielleicht sind diese 15 Minuten auf der größten und wichtigsten Blogger- und Netzkonferenz Deutschlands eine kleine Entschädigung, sogar eine späte Genugtuung.

1000 Bewerbungen um Vortragsslot

Es ist eine kleine Ecke in der Netzwerk-Halle, ein Kommen und Gehen, das Stimmenwirrwarr kumuliert sich zu einem Brummen, das ohne Mikro nur schwer zu übertönen ist. Die Zuhörer sitzen auf Plastikstühlen und Podesten. Der Stuhlkreis hier – im Slang „Lightning Talk“ genannt – ist nicht die „Stage 1“, die dem Sportstudio gleicht, aber zehn Mal so viele Leute fasst. Und Thorsten Weh ist nicht Sascha Lobo, der pastoral von der Identitätskrise des Netzes predigte, oder Edward Snowden, der in einer Liveschalte nach Moskau über seine Zeit im Asyl klagte. Selbst Günther Oettinger hatte mehr Zuschauer, auch wenn die deutlich hämischer lachten als diese hier.

Tausend Bewerbungen gab es für einen Vortragsslot. Thorsten Weh hat einen bekommen. Um über #Mopsgate zu sprechen. Man könnte fragen, warum das neben Netzneutralität, Flüchtlingspolitik, Snapchat-Workshops und Karaoke-Abenden den Zuschlag bekam. Aber eben diese professionell improvisierten Sessions sind das, was die Republica ausmachen und den Grundgedanken der Konferenz bewahren: spontane Treffen zwischen Menschen, die sich nicht kennen oder nur aus ihren Twitter-Timelines, Wiedersehensfreude unter alten Kollegen. Man tauscht Erfahrungen und Anekdoten aus, trinkt zusammen Kaffee und probiert Virtual-Reality-Brillen aus und dabei entstehen neue Diskussionen, Kontakte und Ideen.

Die Moral von der Geschicht’

Dafür haben 8000 Menschen, die irgendwas mit diesem Internet machen, drei Tage Zeit, werden 17 Bühnen bespielt und nie gezählte Mate-Tee-Flaschen getrunken. Es ist das zehnte Treffen seiner Art. Angefangen mit 700 Teilnehmer sind es im zehnten Jahr ebensoviele Veranstaltungen. Viele Säle sind voll bevor das Programm begonnen hat. Oftmals bekommt man mehr von den Reden mit, wenn man sie im Livestream verfolgt oder die wichtigsten Zitate auf Twitter liest.

Für Thorsten Weh ist der Auftritt auf der Republica der Abschluss von Mopsgate. Jetzt hat er wieder die Themenhoheit und kann das entglittene Sommerloch-Thema wieder für sich nutzen. Er hat eine Geschichte, die er erzählen kann. Eine Geschichte, an der man die Unplanbarkeit und Verrücktheit des Netzes veranschaulichen kann, über die man schmunzeln, aber aus der man auch lernen kann. Die Initiatoren des Aufregers, die Gründer von kessel.tv, hatten nichts von der Mopsgate. Kaum mehr Klicks, kein Geld, ein Selfie mit dem Oberbürgermeister, aber davon – so Thorsten Weh – konnte man sich noch nicht mal das Mops-Eis kaufen. Auch für den Vortrag auf der Republica gibt es weder Geld noch Eis, aber das gute Gefühl, anderen eine Idee mit auf den Weg gegeben zu haben und eine entglittene Aktion doch noch zu etwas Gutem gedreht zu haben.

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