Republikaner Ted Cruz Texas im Schneechaos – und der Senator in der Sonne
Nach einem privaten Trip an die mexikanische Karibikküste wird der Republikaner Ted Cruz aktuell scharf kritisiert.
Nach einem privaten Trip an die mexikanische Karibikküste wird der Republikaner Ted Cruz aktuell scharf kritisiert.
Washington - Texas hat es kalt erwischt. Eine arktische Kältewelle, die ungewöhnlich weit nach Süden schwappte, hat Schnee und Eis in Städte wie Houston gebracht, für die Schnee und Eis eine absolute Seltenheit sind. In manchen Ecken des „Lone Star State“ sanken die Temperaturen auf minus 18 Grad Celsius. Flächendeckend fiel der Strom aus, weil die Leitungen, in den USA nur in Ausnahmefällen unter der Erde verlegt, unter der Last schwerer Eiszapfen rissen. Am Mittwoch waren es vier Millionen Haushalte, die in dem US-Bundesstaat keinen Strom hatten. Wasserrohre froren ein und platzten, zeitweise mussten sieben Millionen Texaner ihr Wasser abkochen, weil es durch den Druckabfall in den Leitungen womöglich verunreinigt wurde.
Wer konnte, flüchtete in Hotels, die über Stromgeneratoren verfügten. Auch Ted Cruz, einer der beiden Senatoren, die Texas in Washington vertreten, trat die Flucht an, um nicht in seiner Villa in Houston in der Kälte zittern zu müssen. Nur eben die Flucht nach Mexiko. Mit seiner Frau Heidi und den zwei Töchtern, zehn und zwölf, flog der ranghohe Republikaner kurzerhand auf die Halbinsel Yucatán. Nach Cancún, in die Wärme.
Das hat, zurückhaltend formuliert, in Texas Erstaunen ausgelöst. In einer Krise erwartet man von einem Senator, dass er sich mit ums Krisenmanagement kümmert. Beto O’Rourke etwa, der nur knapp daran scheiterte, in den Senat einzuziehen, als er 2018 das Duell gegen Cruz verlor, organisiert Freiwillige, die Senioren durch die Kältekrise helfen. Was auch immer Cruz konkret hätte tun können, zumindest erwartete man, dass er nicht in den Urlaub in tropische Gefilde fährt. Von ihm umso mehr, weil er zum Beispiel den Bürgermeister von Austin, einen Demokraten namens Steve Adler, eines Badeurlaubs wegen als zutiefst scheinheilig kritisiert hatte. Adler legte den Bewohnern seiner Stadt ans Herz, aufs Reisen zu verzichten – um dann selbst, im November, die mexikanische Pazifikküste anzusteuern.
Noch am Montag also bat Ted Cruz die Menschen zwischen Dallas und Houston, mit Blick auf den Wintereinbruch einfach zu Hause zu bleiben, statt unnötige Risiken einzugehen. Im Übrigen stellt er gern seinen Lokalpatriotismus heraus, sein Mund-Nasen-Schutz, rot, weiß, blau mit einem Stern, ist eine Miniaturausgabe der texanischen Flagge. Am Mittwochabend dann stieg er mit Heidi und den Töchtern in eine Maschine nach Cancún, wobei Polizisten zum Flughafen abkommandiert werden mussten, um das Quartett zu beschützen. Da ihn andere Passagiere beim Boarding fotografierten und die Bilder prompt ins Netz stellten, dauerte es nicht lange, bis eine Welle der Empörung durch Texas rollte. Cruz versuchte, der Kritik die Spitze zu nehmen, indem er argumentierte, er habe lediglich seine Töchter begleiten wollen, um am nächsten Tag zurückzukommen. Er wolle ein guter Vater sein.
Das machte es nur noch schlimmer, denn es stimmte nicht. Tatsächlich war die Rückkehr erst am Wochenende geplant, wenn in Houston, der größten Stadt in Texas, die kaputten Stromleitungen geflickt sein würden. Das ist kein Geheimnis mehr, seit Freunde oder auch Nachbarn der Familie an die „New York Times“ weitergaben, was sie von Heidi Cruz an Textnachrichten bekamen.
Es sei kalt im Haus, man wolle bis Sonntag nach Mexiko, ob jemand mitkomme, hatte die Investmentbankerin in ihrem Umfeld angefragt. Sie empfahl das Ritz-Carlton in Cancún, nannte den Zimmerpreis (309 Dollar pro Nacht) und lobte die Sicherheit des Hotels. Ihr Mann blieb dann nur für eine Nacht. Am nächsten Tag flog er zurück, unplanmäßig, allein wegen des aufziehenden Sturms der Entrüstung. Kaum gelandet, schrieb er im Ton lokalpatriotischen Mitgefühls, dies sei eine höchst ärgerliche Woche für Texas gewesen: „Der großartigste Staat im großartigsten Land der Welt ohne Strom“. Worauf Gilberto Hinojosa, der Parteichef der Demokraten in Texas, von einem Muster an Scheinheiligkeit sprach. In Wahrheit, wetterte er, interessiere sich der Mann nur für sich selbst.