Reservisten auf den Fildern Wiedersehen bei Nationalhymne und Brezeln

Von Sabrina Höbel 

Von übermäßigem Nationalstolz ist beim Singen der Nationalhymne nicht viel zu erkennen. Keine Hand auf dem Herzen, kein überlautes Mitträllern, lediglich ein Kamerad salutiert zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Willkommen beim Treffen der Reservisten auf den Fildern.

Ob in Zivil oder in Uniform: Beim Jahresempfang der Reservisten wurden etliche Soldaten mit Urkunden geehrt. Foto: Sabrina Höbel
Ob in Zivil oder in Uniform: Beim Jahresempfang der Reservisten wurden etliche Soldaten mit Urkunden geehrt. Foto: Sabrina Höbel

Filder - Es ist der Höhepunkt der Veranstaltung. Zum Singen der Nationalhymne stehen die mehr als 100 Gäste in der Gemeindehalle in Sielmingen auf, wie es den Regeln der Bundeswehr entspricht. Vielleicht ist es noch der militärische Gehorsam, der hier durchdringt. Immerhin trägt die Mehrzahl der Anwesenden Uniform und eine ganze Menge Abzeichen auf der Brust. Fast alle von ihnen sind ehemalige Bundeswehrsoldaten.

Am vergangenen Wochenende hat sich die Kreisgruppe Mittlerer Neckar des Verbands der Reservisten der deutschen Bundeswehr zum Jahresempfang in der Gemeindehalle in Sielmingen getroffen. In dem im Jahr 1960 gegründeten Verband kommen ehemalige Bundeswehrangehörige zusammen, um den aktiven Soldaten bei ihren Aufgaben zu helfen; sie stehen also in der Reserve.

Kein übermäßiger Nationalstolz

Anders als bei Berufssoldaten ist dieses Engagement allerdings freiwillig. Nur wer will, kommt tatsächlich zum Einsatz. Ansonsten steht das Vereinsleben im Vordergrund. Regelmäßige Treffen, Familienausflüge, Weihnachtsfeiern – auch das gehört zum Reservistendasein.

Von übermäßigem Nationalstolz ist beim Singen der Nationalhymne nicht viel zu erkennen. Keine Hand auf dem Herzen, kein überlautes Mitträllern, lediglich ein Kamerad salutiert zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Möglicherweise sind die Gäste schon etwas müde von den zahlreichen Reden, die sie zuvor gehört haben.

Etwa anderthalb Stunden früher: Dieter Helm tritt auf die Bühne, wo er von einer großen Deutschlandfahne zur Rechten und der von Filderstadt zur Linken umrahmt wird. Auf dem Boden vor der Bühne steht das Wappen der Reservistenkameradschaft Filder, die Gastgeberin der heutigen Veranstaltung.

Oberstabsfeldwebel Helm ist Kreisvorsitzender des Verbands. Jeder Ehrengast wird einzeln begrüßt; das dauert eine Weile. Am Ende der Rede erheben sich die Anwesenden von ihren Stühlen und ehren mit einer Schweigeminute die gefallenen Soldaten.

Weniger Mitglieder seit weggefallener Wehrpflicht

„Die Reservistenkameradschaft Filder hat momentan 112 Mitglieder“, sagt Michael Leibing. Er ist der Vorsitzende der Kameradschaft und hat den Rang eines Oberleutnants. Im gesamten Kreis Mittlerer Neckar gibt es 1330 Kameraden in dem Verbund. Die Abschaffung der Wehrpflicht hat das Wachstum verringert, trotzdem könne man die Mitgliederzahlen halten. „Was uns fehlt, sind die jungen Leute unter 35 Jahren“, sagt Leibing.

Nach weiteren Grußworten folgt eine Rede von Rainer Arnold. Der SPD-Bundestagsabgeordnete ist Mitglied im Verteidigungsausschuss und redet über Sicherheitspolitik. Arnold lobt das Engagement der Reservisten und betont deren Wichtigkeit. „Man sollte die jungen Soldaten nicht aus dem Blick verlieren“, sagt er. Einige Zuhörer nicken immer wieder zustimmend.

Beim Triumphmarsch, den das Bläserquartett nach der Rede anstimmt, summen einige der Gäste mit. Nun folgen die Ehrungen. Rund 20 Vereinsmitglieder haben am Ende eine Urkunde in der Hand und strahlen in die Linse des Fotografen.

Wenn ein Einsatz ansteht, können sie sich freistellen lassen

Reservist zu sein, ist ein Ehrenamt. Die meisten der Mitglieder arbeiten nebenher. Wenn ein Einsatz ansteht, ist es aber möglich, sich freistellen zu lassen. Heinz Hertler hat das schon mehrmals getan. Der Stabsfeldwebel der Reserve war zwölf Jahre lang bei der Bundeswehr; direkt im Anschluss ging er zu den Reservisten. Hertler arbeitet heute im Regierungspräsidium Stuttgart und war in seiner Reservistenzeit schon sechsmal auf Auslandseinsatz. Unter anderen im Kosovo und in Afghanistan diente er erst als Sanitäter, später als Militärpfarrer. „Es ist schön, zu wissen, dass man helfen kann, aber natürlich gehört auch ein Stück Abenteuerlust dazu“, sagt Hertler.

Nach dem offiziellen Programm beginnt der Stehempfang. Es gibt Bier, Wein und Softgetränke. Dazu werden belegte Brote, Butterbrezeln und Kuchen gereicht. Kleine Teigwaren stehen auf den Tischen, die allesamt mit mit schwarz-rot-goldenen Servietten dekoriert sind. Die Reservisten nutzen die Zeit für Gespräche. Über das, was aktuell in der „gerade nicht ganz einfachen Welt“ vorgeht, über den nächsten Vereinsausflug und natürlich über die guten alten Zeiten.




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