Krankenhaus Bad Cannstatt Hochresistenter Keim auf Intensivstation

Von Wenke Böhm 

Im Krankenhaus Bad Cannstatt sind hochresistente Keime nachgewiesen worden. Betroffen sind fünf Patienten. Das Bakterium soll Anfang Dezember von einem Patienten eingeschleppt worden sein.

Nachdenkliche Gesichter (von rechts): Chefhygieniker Matthias Trautmann mit Geschäftsführer Reinhard Schimandl und Neurologie-Direktor Hansjörg Bäzner Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Nachdenkliche Gesichter (von rechts): Chefhygieniker Matthias Trautmann mit Geschäftsführer Reinhard Schimandl und Neurologie-Direktor Hansjörg Bäzner Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Bei fünf Patienten der Intensivstation des Krankenhauses Bad Cannstatt ist ein hochresistenter Keim festgestellt worden. Das Alarmierende für die Verantwortlichen: der Keim mit dem Namen Acinetobacter baumannii hat es geschafft, sich auf der Station, die für weitere Aufnahmen geschlossen wurde, zu verbreiten, obwohl verschärfte Hygienemaßnahmen gegolten hatten. Und nicht nur der Chefhygieniker Matthias Trautmann fragt sich jetzt: Wie konnte das passieren?

Anfang Dezember, berichtet Trautmann, sei ein Patient, der intensivmedizinisch behandelt habe werden müssen, aufgenommen worden. Bei der routinemäßigen Kontrolle habe man den Keim Acinetobacter baumannii festgestellt. „Alle Hygienemaßnahmen“ seien ergriffen worden. Die Person wurde von Beginn an isoliert und von einem speziellen Pflegeteam betreut.

Nur Colistin hilft gegen den Keim

Bei den routinemäßigen Überprüfungen der übrigen Patienten auf der Intensivstation sei kurz vor dem Jahreswechsel der Keim bei zwei weiteren Patienten festgestellt worden, am Mittwoch dann war das Ergebnis bei zwei weiteren Patienten positiv. „Wo genau der Patient den Keim weitergeben konnte, wissen wir noch nicht“, sagt Trautmann. Er betont auf einer kurzfristig noch am gleichen Nachmittag anberaumten Pressekonferenz, dass „alle Patienten durch diesen Keim nicht erkrankt sind“. Ihr Körper sei von außen besiedelt. Lebensgefährlich könnte die Situation dann werden, sollte der Keim ins Körperinnere gelangen. Besonders gefährdet seien immungeschwächte Menschen. Der Keim kann im schlimmsten Fall an allen Organen Infektionen auslösen, zu einer Blutvergiftung oder Lungenentzündung führen. Indem die Betroffenen, zu denen das Klinikum keine Angaben macht, täglich mit Desinfektionsmitteln abgerieben werden und auch der Mund gesondert behandelt wird, will man verhindern, dass der Keim in den Körper gelangt.

Sollte der schlimmste Fall eintreten und das passieren, gäbe es noch eine Behandlungsmöglichkeit. Das Antibiotikum Colistin ist das einzige Antibiotikum, das gegen Acinetobacter baumannii, ein sogenannter 4MRGN-Erreger, noch wirkt. Die Zahl vier steht für die vier Antibiotika-Klassen, die nicht mehr gegen den Keim helfen. Eine Behandlung mit Colistin will man aber vermeiden. Je häufiger das Mittel zum Einsatz kommt, desto größer ist die Gefahr für eine weitere Resistenz.

Die Bereiche werden von verschiedenen Teams betreut

Insgesamt sind auf der Intensivstation laut Trautmann sieben Patienten. Man habe die Station geteilt, um die bisher nicht betroffenen zwei Personen zu schützen. Sobald sie nicht mehr auf der Intensivstation liegen müssen, sollen sie verlegt werden, aber „erst, wenn ganz sicher ist“, dass sie den Keim nicht tragen, so Trautmann. Die Bereiche würden von verschiedenen Teams betreut, weitere Aufnahmen fänden nicht mehr statt. Neben der Rettungsleitstelle ist auch das Gesundheitsamt über die Situation informiert, multiresistente Keime sind seit Mai 2016 meldepflichtig.

Beim Klinikum kann man momentan noch nicht abschätzen, wie lange es dauert, bis mithilfe der Methoden der Keim beseitigt werden kann. Im Anschluss ist klar, dass die Station gereinigt werden muss. Hierbei setze man Trautmann zufolge auf eine Feucht-Wisch-Desinfektion, „die alle Bereiche erreichen muss“. Ausgasungen, wie man sie vor 20 Jahren vorgenommen habe, seien heute nicht mehr üblich. Laut dem Ärztevertreter aus der Krankenhausleitung, Hansjörg Bäzner, müssten bisher trotz der Einschränkung keine Operationen abgesagt werden. Die Intensivstation des Krankenhauses Bad Cannstatt teilen sich verschiedene Abteilungen.

„Das ist schon alles sehr aufwendig und für uns kein kleines Problem“, sagt der Klinikumsgeschäftsführer Reinhard Schimandl zur aktuellen Situation.

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