Restaurant bei Jerusalem Ohne Handy kostet es die Hälfte

Von AP 

In seinem Restaurant bei Jerusalem gibt Lottomillionär Dschaudat Ibrahim 50 Prozent Rabatt, wenn seine Gäste das Handy ausgeschaltet lassen. Auf lange Sicht soll sich das für alle lohnen.

Als Lottomillionär kann sich Dschaudat Ibrahim 50 Prozent Rabatt leisten. Foto: AP
Als Lottomillionär kann sich Dschaudat Ibrahim 50 Prozent Rabatt leisten. Foto: AP

Jerusalem - Ein Restaurantbesitzer in einem arabischen Dorf bei Jerusalem will die Tischkultur retten und macht seinen Gästen dafür ein einfaches Angebot: Wer das Mobiltelefon abschaltet, bekommt 50 Prozent Rabatt. Denn Smartphones zerstören nach Ansicht von Dschaudat Ibrahim die Atmosphäre eines gepflegten Essens. Er hofft, mit dem großzügigen Rabatt dazu beizutragen, dass – wie früher – Geselligkeit, Gespräche und der Genuss der Speisen wieder im Mittelpunkt eines Restaurantbesuchs stehen.

„Ich verändere etwas. Es ist vielleicht nur eine Kleinigkeit, aber vielleicht werde ich in geringer Weise die Kultur des Speisens verändern“, sagt der 49-jährige Ibrahim. Ihm gehört das Restaurant Abu Gosch im gleichnamigen Ort zehn Kilometer vor den Toren Jerusalems. Auf der Speisekarte stehen Gerichte wie die orientalische Spezialität Hummus aus Kichererbsen und Sesam oder gegrilltes Fleisch, und zu seinen Gästen zählen sowohl Araber als auch Juden. Ibrahim eröffnete sein Lokal 1993 vom Erlös eines Lottogewinns.

Mit den Smartphones sei es schlimmer geworden

Auch früher seien Handygespräche am Tisch geführt worden, doch seit dem Siegeszug der Smartphones sei es schlimmer geworden, sagt er. Ihn störe es, wenn eine Gruppe von Freunden oder Ehepaare sich schweigend gegenüber säßen, dabei auf den Handybildschirm starrten und ihn schließlich bäten, das Essen noch einmal aufzuwärmen. „Technik ist sehr gut. Aber wenn du isst, besonders, wenn du mit deiner Familie und deinen Freunden zusammen bist, kannst du einfach eine halbe Stunde warten und das Essen und die Gesellschaft genießen“, erklärt der Restaurantbesitzer.

Er kann es sich leisten, Rabatt zu geben: In den 80er Jahren lebte er in den USA, und dort gewann er in einer Lotterie 23 Millionen Dollar (17 Millionen Euro). Seit der Rückkehr in seine Heimat setzt er sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Arabern und Juden ein. Und auch werbewirksame Auftritte sind ihm nicht fremd. 2010 hielt sein ­Lokal kurzzeitig den Guinness-Weltrekord für den größten Teller mit Hummus, vier Tonnen schwer und auf einer Satellitenschüssel serviert. Den Eingang zu seinem Restaurant zieren zahlreiche Artikel über Ibrahim. Zu sehen ist auch ein eingerahmter Brief des früheren Bürgermeisters von Chicago, Richard Daley, in dem dieser sich für ein Essen bei Ibrahim während eines ­Israelbesuchs bedankt.

Ibrahim ist nicht der erste Restaurantbesitzer, der sich dem Trend der ständigen Erreichbarkeit widersetzt. Weltweit gibt es bereits viele Lokale, die Gästen für deren Verzicht auf die Smartphone-Nutzung Rabatt geben – wenn auch meist in deutlich geringerer Höhe als Ibrahim. In einigen Restaurants ist die Nutzung von Mobiltelefonen sogar grundsätzlich verboten.

Viele neue Kunden nutzen das Angebot

Ibrahim räumt ein, dass ihn sein großzügiges Angebot kurzfristig teuer zu stehen kommt. Doch er glaubt, dass sich der Schritt langfristig auszahlt, indem er neue Kunden gewinnt. Hagit Netzer, eine ­63-jährige Touristin aus Nordisrael, besuchte das Restaurant vor einigen Tagen. „Ich wollte sehen, ob das wirklich stimmt.“ Ihre Tochter rief erst einmal ihren Mann an, um ihm zu sagen, dass sie nun für einige Zeit nicht erreichbar sein werde. Als die Rechnung kam, war darauf der ursprüngliche Preis, 158 Schekel (33 Euro), ausgestrichen. Daneben stand die Summe von 79 Schekel. „Ich frage mich, was sie davon haben. Ich kann nicht glauben, dass sie es wirklich für 50 Prozent machen“, wunderte sich Netzer.

Ibrahim sagt, praktisch jeder Kunde habe das Angebot seit Beginn der Aktion genutzt. Die einzige Ausnahme war ein Mitarbeiter des Fernsehens, der sein Telefon dienstlich brauchte. „Ich habe viele neue Kunden“, sagt er. „Die Leute kommen aus Jerusalem oder aus Tel Aviv, und sie haben alle eines gemeinsam: Dieses Telefon ist nicht gut für mich, während ich esse.“