Restaurant El Greco in Hemmingen Urlaubsfeeling bei Pizza und Souvlaki
Ioannis Melissopoulos führt mit seinem Bruder seit bald 30 Jahren das Restaurant El Greco in Hemmingen. Um dorthin zu finden, brauchte der Gastronom eine Straßenkarte.
Ioannis Melissopoulos führt mit seinem Bruder seit bald 30 Jahren das Restaurant El Greco in Hemmingen. Um dorthin zu finden, brauchte der Gastronom eine Straßenkarte.
Wo um alles in der Welt liegt Hemmingen? Die Freude von Ioannis Melissopoulos darüber, dass die Gemeinde einen Gastronomen sucht, war so groß wie seine Ratlosigkeit angesichts der Lage des Orts. Der Blick in die Karte – in Papierform, wir sind in den Neunzigerjahren – verrät ihm: Hemmingen ist mitnichten wie ins Blaue geraten 100 Kilometer entfernt von Stuttgart, wo er zu dem Zeitpunkt lebt und arbeitet. Sondern im Strohgäu, das Ioannis Melissopoulos kennt, war er doch schon in Hemmingens Nachbarorten.
Der 67-Jährige lacht, wenn er zurückdenkt. Auf die Zeitungsannonce hin hat er sich bei der Gemeindeverwaltung beworben – und den Zuschlag bekommen. Heute führt Ioannis Melissopoulos mit seinem Bruder Panagiotis seit mehr als 26 Jahren das El Greco in der Friedenstraße. Im Februar 1999 öffnete der Familienbetrieb, auch die Ehefrauen gehören fest zum Team. Die Kinder haben sich für Berufe abseits der Gastronomie entschieden.
Speisen und Getränke serviert Ioannis Melissopoulos im Lokal mit Biergarten, Zelt und Kegelbahn sowie nebenan in der Gemeinschaftshalle bei Veranstaltungen. Das Restaurant zuvor hatte deutsche Küche. Die bietet Ioannis Melissopoulos ebenfalls an, neben Italienisch – und Griechisch, natürlich. Der 67-Jährige ist im Norden Griechenlands aufgewachsen, direkt am Meer, in Kavala. „Die griechische Küche ist sehr vielfältig“, sagt Ioannis Melissopoulos. Außer den Klassikern Gyros und Souvlaki gebe es zum Beispiel viele Gerichte mit Lamm und Fisch. Trotzdem, der Wirt setzt auf „international“, wie er sagt. Viele Ältere etwa würden Griechisch mögen, „aber nicht nur, sie wollen auch Schwäbisch“. Und schon 1999 sei die Nachfrage nach italienischem Essen groß gewesen. Nach Pizza, Pasta, Meeresfrüchten. Die Gäste würden eine breite Auswahl schätzen. Zudem, wenn man auf ihre Wünsche eingehe.
Ioannis Melissopoulos kannte die Gastroszene schon vor der Eröffnung des El Greco. Nach dem Elektronik-Studium in den Siebzigerjahren merkte er, dass die Branche auf Dauer nichts für ihn ist. Also stieg er in die Familienbetriebe in Stuttgart mit ein. Da war das Delphi in der Augustenstraße und das Pireus, anno 1955 in der Landeshauptstadt das erste griechische Restaurant. Inzwischen ist in der Hasenbergstraße, Ecke Rotebühlstraße, das Wirtshaus Troll.
Geblieben ist Ioannis Melissopoulos’ Leidenschaft für die Gastronomie. „Der Kontakt mit Menschen steht für mich an erster Stelle.“ Er liebe es zu plaudern, zu erzählen, wie es den Kindern geht, zu erfahren, was die anderen umtreibt. „Leider haben wir ein bisschen davon verloren.“
Eine Ausbildung zum Koch lag ihm damals am Herzen. Nachdem er sich beruflich umorientiert hatte, bekam er zudem tiefe Einblicke in die Welt des italienischen Essens. „Es ist wichtig zu wissen, was in der Küche läuft“, findet Ioannis Melissopoulos. Man müsse die Abläufe kennen, die Geheimnisse hinter den Kulissen. „Dann kannst du mitreden.“
So sehr Ioannis Melissopoulos seinen Job liebt – er sei auch anstrengend, stressig. Zwölf bis 14 Stunden Arbeit, spät Feierabend, wenig Freizeit. Ein Restaurant zu führen, bedeute viel organisieren und planen. Bei seinen Eltern habe es damals geheißen, man verdiene in Deutschland in der Gastronomie gutes Geld. Ioannis Melissopoulos zuckt die Schultern. „Man hat ihnen nicht gesagt, wie hoch der Arbeitseinsatz ist.“
Warme Küche gibt es im El Greco bis 22 Uhr, gekocht wird ab 17 Uhr. Als Ioannis Melissopoulos vom trubeligen Stuttgart ins beschauliche Hemmingen zog, musste er sich umstellen: In Stuttgart sei es ab 20 Uhr richtig losgegangen, „um Mitternacht war die Bude voll“. Bis in die frühen Morgenstunden wurde Essen aufgetischt. Jeder Ort habe seinen eigenen Rhythmus und seine eigene Mentalität.
In Griechenland hat Ioannis Melissopoulos keine Familie mehr. Ob er sich vorstellen kann, je wieder dort zu leben? Er schüttelt den Kopf. In Hemmingen seien sein ganzes Leben, seine Familie und Freunde. In Griechenland sieht er sich allein in einem Häuschen sitzen. Er sagt, die Situation beschäftige ihn. Ebenso, dass er hier der Grieche, der Ausländer sei und dort der Deutsche – zumindest kein „Original-Grieche“. Er selbst fühle sich deutsch und griechisch. Für ihn sei das ein schwieriges Thema.
Umso mehr freut ihn, dass er in Hemmingen seit bald 30 Jahren Wirt ist. Was gelinge, da die Familie zusammenhalte und Respekt voreinander habe. Am Abend lachend beieinandersitze und zufrieden sei, das Tagesziel erreicht zu haben: Alles für die Gäste vorbereiten, für sie kochen, sie bedienen. Zum Feierabend sei das Lokal aufgeräumt, die Küche sauber. Ioannis Melissopoulos grinst. „Ich habe noch Spaß.“