Im Schwanen in Kaltental wird im Verein gekocht – Maultaschen und Spätzle jedenfalls. Den Rest besorgt Jean-Charles Roth, der auch ein paar französische Akzente setzt.
Der Schwanen in Kaltental wird im Verein betrieben: Nicht nur die Organisation und den Service übernehmen Ehrenamtliche, auch teilweise das Kochen. Alle drei Wochen treffen sich ein paar Mitglieder, um 200 Maultaschen herzustellen – nach dem Rezept einer Oma. Die Füllung für die vegetarischen Maultaschen haben sie selbst entwickelt, vegetarisch gab’s bei den Omas noch nicht. Die Spätzle werden zweimal in der Woche von zwei Mitgliedern hausgemacht. Ansonsten ist Jean-Charles Roth der Chef in der Küche: Den 71-Jährigen kennt in Kaltental fast jeder, weil er in der legendären Gaststätte Zum Oberweiler tätig war, die längst verschwunden ist, wie so viele Kneipen in dem Stuttgarter Stadtteil, weshalb zahlreiche Bewohner für den Erhalt des Schwanen aktiv geworden sind.
Die Begeisterung springt auf die Gäste über
Ihre Begeisterung ist sofort beim Eintreten in das urige Lokal mit Kachelofen spürbar, der Service ist vielleicht nicht immer professionell, aber stets sehr herzlich. Die Speisekarte ist ziemlich strikt schwäbisch mit Flädlessuppe (4,50 Euro), Saiten (6,50 Euro) oder Wurstsalat (mit Käse 11,40 Euro und ohne 10,80 Euro), Käsespätzle (12,80 Euro) und Linsen (11,80 Euro). Der große Salat mit Hühnerbruststreifen oder Hirtenkäse (14,80 Euro) ist eine Alternative zur Heimatküche. Wobei Jean-Charles Roth, der aus der Normandie stammt, gerne französische Akzente setzt mit Tagesessen wie Bœuf Bourguignon. Seine vegane Ratatouille mit Reis (12,80 Euro) ist ebenso fest im Angebot verankert wie Crème Brûlée (5 Euro) und das Apfelsorbet Trou norman (4,50 Euro).
Immer Sommer wird auch draußen im Hof aufgetischt, demnächst dürfen auf dem Gehweg an der Straße Tische aufgestellt werden. Foto: Lichtgut
Die Maultaschen schmecken dann tatsächlich nach Kindheit. Das Verhältnis zwischen Fleisch und Spinat in der Füllung ist genau richtig, der Teig dünn genug, die Würzung angenehm zurückhaltend. Die etwas überdimensionierte Größe macht den Unterschied zur massenproduzierten Maultasche noch deutlicher. Die geschmälzten Zwiebeln entsprechen auch dem Original, und dass der etwas zu säuerliche Kartoffelsalat in Bratensoße badet, lässt das Herz des Schwaben vor Freude hüpfen. Der Zwiebelrostbraten (24,80 Euro), der eher wie ein Steak anmutet, ist wie bestellt medium gebraten, grundsolide, mit reichlich Zwiebeln garniert. Dass die schönen Spätzle in der Schüssel gleich mit ordentlich Soße darüber serviert werden, mag von so manchem Gast als übergriffig empfunden werden.
Zu trinken gibt es Württemberger, einen guten Weißburgunder etwa (5,60 Euro) oder Bier von Dinkelacker (vom Fass 4,60 für 0,5 Liter). Mit Aktionen wie einem Sonntagsbrunch sorgt der Verein für zusätzliche Abwechslung. Im Sommer wird draußen aufgetischt, demnächst auch auf dem Gehweg, was Kaltental noch mehr beleben wird.