Restaurant Laufenmühle Welzheim Nach der Flut: Von der Angst, komplett abgeschnitten zu sein

Die Abbruchkante zwischen Eins & Alles und dem Bahnhof Laufenmühle ist in den Tagen nach der Katastrophe noch weiter abgebröckelt. Foto: Harald Beck

Direkt am Viadukt Laufenmühle bei Welzheim ist die Straße in die Schlucht gerutscht. Das Restaurant im Bahnhof Laufenmühle ist nur noch von Ebni aus über Schmalenberg erreichbar. Wirtin Maria Dolores Diz bietet trotzdem spanische Küche und will durchhalten.

Die gute Nachricht zuerst: Der Bahnhof Laufenmühle – die spanische Wirtschaft mit Biergarten auf dem historischen schwäbischen Bahnhofsareal an der Waldbahn zwischen Rudersberg und Welzheim – ist geöffnet. Und ganz wichtig: Sie ist notdürftig auch mit dem Auto erreichbar über die Nebenstrecke von Ebni aus über Schmalenberg. Ansonsten hat es die Kultgaststätte von Maria Dolores Diz verbindungstechnisch ganz böse erwischt.

 

An der 90-Grad-Kurve am Erfahrungsfeld der Sinne und quasi direkt unter dem erst vor wenigen Jahren komplett sanierten Waldbahn-Viadukt ist die aus Richtung Welzheim kommende Landesstraße fast komplett in die zehn Meter tiefe Schlucht abgerutscht. Unterm Gehweg verlegte Stromkabel hängen frei, wer es wagt, kann an den Absperrvorrichtungen entlang gerade mal so und auf eigene Gefahr die Stelle zu Fuß passieren. Bachabwärts in Richtung Klaffenbach ist an mehreren Stellen der Hang komplett über die Straße gerutscht. Auch dort gilt für längere Zeit: kein Durchkommen. Und zu allem Übel drückt auch noch der Hang direkt gegenüber dem alten Bahnhöfle seine Stützmauer immer weiter Richtung Straße. Auch dort ist bereits eine Fahrspur gesperrt.

Einzige Zufahrt führt über Schmalenberg

Nur ein kleines Waldsträßle verbindet das Restaurant Laufenmühle noch mit der Außenwelt. /Harald Beck

Es sei schlicht ein Albtraum gewesen, berichtet die Wirtin des auch über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Restaurants mit spanisch-schwäbischer Küche und einzigartigem Ambiente vom dramatischen Geschehen Anfang Juni. „Das war kein Regen, das war ein Tornado.“ Überall Wasser, abrutschende Erd- und Geröllmassen und nirgendwo mehr ein Durchkommen. Die Wirtin ist dann montags vom Rettungswagen abgeholt worden, der sich eben über jenen Verbindungsweg von Ebni oben auf der Höhe des Schwäbischen Waldes über Schmalenberg zum abgeschnittenen Bahnhof Laufenmühle durchkämpfte. Selbst hätte sie die Tour schlicht nicht geschafft, sagt die gebürtige Spanierin noch immer entsetzt. „Ich habe nur noch gezittert, weiß nicht mehr richtig, wie ich nach Hause gekommen bin.“

Direkte Schäden am Restaurant gab es nur im kleineren Rahmen. Stromkästen standen unter Wasser, und auch die Arbeiten an der Stromverbindung werden als private Leitungen wohl auf die Kappe des Restaurants gehen. Ansonsten aber greift die vorhandene Elementarschadenversicherung nicht: Auch, wenn kaum ein Gast das Wirtshaus erreicht, der Wirtschaftsbetrieb ist ja möglich. Und das Restaurant bleibe offen, sagt Diz, auch wenn momentan maximal zehn Prozent der Gäste im Vergleich zum Normalbetrieb kommen. „Ich kann ja nicht zumachen“, sagt die Spanierin mit Erfahrung im Umgang mit Naturkatastrophen. Erst vor rund sieben Jahren war das Restaurant eineinhalb Jahre lang – ebenfalls wegen Hangrutschungen – nur von der Welzheimer Seite aus erreichbar. „Da müsste ich ja putzen gehen.“ Und auch aus der verringerten Besucherzahl, die angesichts der massiven Straßenschäden wohl noch gut ein Jahr anhalten dürfte, zieht die 70-Jährige ihre eigenen Schlüsse: „Dann schaff’ ich halt bis 80.“

Die Angst vor kompletter Isolation bleibt

Kein Durchkommen zum alten Bahnhof /Harald Beck

Eine Angst bleibt aktuell im wildesten Teil des oberen Wieslauftals. Diejenige nämlich, dass die Laufenmühle womöglich auch ihre dritte Anbindung verlieren könnte. Das schmale Sträßle nach Schmalenberg ist zwar nicht so anfällig für Erdbewegungen. Aber einmal habe sie es mit dem Auto nicht hoch geschafft, berichtet Maria Dolores Diz: „Da kam einfach zu viel Wasser entgegen.“

Zusätzlich zu den zentralen Straßenverbindungen ist nach der Naturkatastrophe im Schwäbischen Wald und entlang des Wieslauftals eine weitere Anbindung längerfristig weggefallen. Die Schwäbische Waldbahn ruht bis auf Weiteres. Der Starkregen hat gleich mehrere Hangrutschungen ausgelöst, die nicht nur die Straße in Richtung Rudersberg an mehreren Stellen mit Schlamm und Geröll überdecken, sondern auch die Gleise der Waldbahn. Bei einer Begehung mit Fachleuten hat der Geschäftsführer der Schwäbischen Waldbahn, Reinhold Kasian, 13 teils auch größere Hangrutschungen festgestellt. Der Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme sei höchst ungewiss, heißt es dazu aus dem Welzheimer Rathaus. Zunächst steht die genaue Bestandsaufnahme über die Schäden an, und dann wird sich wohl recht massiv die Frage der Finanzierung einer Wiederherstellung der historischen Bahnstrecke stellen. Sämtliche Marketingmaßnahmen für die Schwäbische Waldbahn sind jedenfalls gestoppt. Der Betrieb ruht, und bereits verkaufte Fahrten sollen per Gutschein auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Das Viadukt steht sicher auf seinen Fundamenten

Zumindest das Viadukt Laufenmühle und die erst kürzlich sanierten Abschnitte sind derweil offenbar weitgehend unbeschädigt. Das Viadukt steht sicher auf seinen Fundamenten, auch das haben erste Begehungen ergeben. Dort wurden durch die Sturzfluten nur die Betonbewehrungen weitgehend mitgerissen. Ein rund sieben Tonnen schweres Betonteil liegt mittlerweile bei der Klingenmühle. Die Bewehrungen am Fuße der Viaduktfundamente, so heißt es, seien vergleichsweise leicht zu ersetzen.

Im Rems-Murr-Kreis belaufen sich nach aktuellen Schätzungen des Landratsamtes die Schäden auf rund 315 Millionen Euro, sagte derweil Landrat Richard Sigel bei einer Veranstaltung in Rudersberg.

Weitere Themen