Restaurant-Test: Aria im Bülow Skyline Tower Ein frisches Lüftchen weht am Pragsattel

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Von der Calwer Straße auf die Höhe: Das Da Maurizio ist umgezogen und heißt jetzt Aria. Giuseppe Livornese und sein Team wollen ein „Sonett für den Gaumen“ bieten.

Patron Giuseppe Livornese (rechts) undStefano Arrighi im Aria Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Patron Giuseppe Livornese (rechts) undStefano Arrighi im Aria Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Das Da Maurizio in der Calwer Straße ist eine Institution in der Stadt gewesen. Ende vorigen Jahres hat der Patron Giuseppe Livornese sein Restaurant nach 21 Jahren für immer abgeschlossen und ist mit seiner Mannschaft auf den Pragsattel gezogen. Am Valentinstag hat er das Aria im neuen Bülow Skyline Tower eröffnet. Wer nun übersetzt: „Aria gleich Luft und Skyline gleich Aussicht“, der wird enttäuscht sein. Das Restaurant liegt im Erdgeschoss des Hochhauses. Und man kann abends zwar in der Garage der Daimler-Bank parken, aber das wollen auch die Besucher des Theaterhauses und des Friedrichsbau-Varietés. Das Restaurant ist wunderschön geworden. Bodentiefe Fenster lassen reichlich Licht in den Raum. Zum nachtblauen Samt auf Bänken und Stühlen kon­trastiert die helle Holzvertäfelung. Hinter der Bar leuchtet eine edle Wand aus Onyx.

Wir werden herzlich empfangen, der Service ist zuvorkommend. Der Laden brummt, an diesem Samstagabend ist das Lokal voll besetzt, der Lärmpegel hoch. Im dritten Anlauf gelingt es, einen Weißwein des gewünschten Jahrgangs zu bekommen. Der Lugana von Berlotti, der (noch) nicht auf der Karte steht, ist ein frischer Trebbiano mit angenehmer Säure und wie alle anderen Flaschenweine mit 32 Euro fair kalkuliert.

Hochwertige Produkte, frisch gekocht

Die Küche des Aria, was auch mit Arie übersetzt werden kann, möchte „ein Sonett für den Gaumen“ bieten, mit hochwertigen Produkten, frisch gekocht. Die Vorspeisen des Hauses bieten einen schön angerichteten Einstieg: Probierhäppchen von Klassikern wie Caprese mit Büffelmozzarella, Vitello Tonnato, gegrilltes Gemüse, lauwarmer Oktopus – am besten hat uns das Lachstatar gefallen mit Maracuja als fruchtigem Topping (15 Euro). Die Focaccia (4,50 Euro) ist den einen zu trocken, die anderen finden den Fladen „schön würzig“.

Zu den dicken Paccheri-Nudeln passt der satte Geschmack des Tomatensugos mit Pesto, Pinienkernen, Rucola und Parmesan. Die dünn geschnittenen Rinderfiletspitzen sind aber trocken (14,50 Euro). Das zartrosa US-Rumpsteak der Bistecca di manzo begleiten knackige Urkarotten und frittierte Rosmarinkartoffeln (29,50 Euro). Das alles ist qualitativ wie geschmacklich im oberen Drittel verglichen mit anderen Italienern der Stadt, aber ein bisschen mehr „Sonett“ dürfte ruhig sein.

Bei der Fischvariation auf einem Bett aus Ochsentomaten und zwei Mini-Artischocken ist die saftige Garnele eine Wucht, die gegrillten Filetstücke vom Lachs, Seeteufel und Wolfsbarsch bleiben dagegen fad (29,50 Euro). Nächstes Mal schauen wir auf die Tafel neben der offenen Küche, wo Livorneses „Highlights“ stehen. Für dieses Mal bleibt uns nur der sehnsüchtige Blick zum Nachbartisch, wo der Kellner den Wolfsbarsch aus dem Salzmantel schält und mit flitzenden Gabeln filetiert.

Adresse und Bewertung

Aria Ristorante Enoteca, Stresemannstraße 87, S-Nord, Telefon 07 11 / 38 04 94 55, www.aria.restaurant; geöffnet von Montag bis Samstag von 11 bis 24 Uhr.

Die Bewertung:

Küche dreieinhalb von fünf Sternen

Service dreieinhalb Sterne

Ambiente vier Sterne

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