Restaurant-Test: Neckarstube in Stuttgart Frischzellenkur für Rostbraten und Co.

Von Bettina Hartmann 

Mahmoud Schlather setzt in seinem Lokal in der Neckarstraße im Stuttgarter Osten auf moderne schwäbische Küche; heißt: Die Kreationen dürfen auch mal etwas leichter sein.

Ein gutes Team: Wehbi Moghnie (li.) und sein Chef Mahmoud Schlather. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Ein gutes Team: Wehbi Moghnie (li.) und sein Chef Mahmoud Schlather. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Schwäbischer Kartoffelsalat muss schlonzig sein, er muss schmatzen – und er darf nicht zu kalt serviert werden. Sonst schmeckt er nicht. Doch muss er auch stets von der Mama nach einem überlieferten Familienrezept zubereitet sein? Bestimmt nicht. Mahmoud Schlather (55) jedenfalls hat nach eigenen Angaben „eine schmackhafte Version“ im Repertoire. Nach dem Genuss­ seiner Kochkunst nimmt man ihm das sofort ab. Dennoch hat sich der gebürtige Ägypter, der seit 1982 in Deutschland lebt und arbeitet, entschlossen, den Schwabenklassiker in seinem Restaurant Neckarstube aus dem Programm zu nehmen.

„Wir haben ein kleines, gekühltes Salatbüffet“, erzählt der Küchenmeister. Dort können sich die Gäste des kürzlich in der Stuttgarter Neckarstraße eröffneten Lokals­ bedienen. Doch: „Für den Kartoffelsalat war’s zu kalt.“ Also gibt es zum Zwiebelrostbraten (19,80 Euro) stattdessen saftigen Kraut-, Rettich- und Karottensalat sowie Gurken- und Tomatenscheiben samt grünem Salat und würziger Vinaigrette­. Auch gut! Zum Auftakt serviert der so freund­liche wie aufmerksame Kellner Wehbi Moghnie im gemütlichen Ambiente einen Gruß aus der Küche­: geröstetes Landbrot mit cremigem Champignonaufstrich und geschmolzenen Tomaten. So kann’s weitergehen.

Statt in Schmalz wird in Olivenöl gebraten

Da der Wirt, der in Böblingen jahrelang das Wirtshaus Wasen betrieb, auf Saisonales setzt, stehen derzeit mehrere Spargelgerichte auf der angenehm übersichtlich gehaltenen Karte. Etwa eine sämige Spargelsuppe mit ordentlich Einlage (4,50 Euro). Zum Zanderfilet, kross auf der Haut gebraten, mit Riesling­schaum und Petersilienkartoffeln (17,80 Euro) gibt’s eigentlich Blattspinat. Die Beilage wird aber auf Wunsch anstandlos und ohne Aufpreis auf Spargel geändert. Der hätte bissfester gegart sein können, so wie das heute üblich ist, auch wenn man ihn einst gern zuzelte. Davon mal abgesehen will Mahmoud Schlather Schwabenklassikern allerdings eine Art Frischzellenkur verpassen: „Ich biete eine moderne, eine leichtere und gesündere schwäbische Küche.“ So brät er statt mit Schmalz eher mit Olivenöl, kombiniert Spätzle mit Rucola, Pinienkernen und Parmesan oder packt in den Linseneintopf neben Saiten auch viel frisches Gemüse.

Letzteres gibt es – schön knackig – auch zum Tagesgericht, einem panierten, butterweichen, in der Pfanne gebratenen Schnitzel mit Spätzle (9,80 Euro), sowie zum mürben Rostbraten, auf dem geschmeltze, aber nicht vor Fett triefende Zwiebelringe thronen. Und zu dem auf Wunsch rösche Bratkartoffeln statt Spätzle gereicht werden. Der wechselnde Mittagstisch ist mit sechs bis zehn Euro sehr fair kalkuliert. Und wer weiß, vielleicht nimmt Mahmoud Schlather irgendwann auch wieder Kartoffelsalat auf die Karte. Das jedenfalls wäre ein weiterer Extrawunsch.

Neckarstube,
Neckarstraße 213, S-Ost, Telefon 07 11 / 50  44  01  38, https://neckarstube.metro.rest. Mo bis Fr 11.30 bis 14 und 17.30 bis 23 Uhr, Sa 17.30 bis 24 Uhr.

Die Bewertung:

Küche drei von fünf Sternen

Service vier Sterne

Ambiente drei Sterne

Sonderthemen