Restaurant-Test: Schlosskeller in Herrenberg Gute Aussichten für ein Traditionslokal

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Die Geschwister Dieter und Andrea Illmann haben den Schlosskeller übernommen – und damit den Herrenbergern einen Herzenswunsch erfüllt. An der Aussicht vom Schlossberg kann man sich nämlich nicht satt sehen.

Dieter und Andrea Illmann haben den Schlosskeller wiederbelebt. Foto: factum/Weise
Dieter und Andrea Illmann haben den Schlosskeller wiederbelebt. Foto: factum/Weise

Herrenberg - Fast jeder gibt beim Hinsetzen einen Seufzer von sich. „Ach, ist es schön hier“, sagt die ältere Dame, als sie die Aussicht auf das gesamte Gäu bewundert. Der Herrenberger Schlosskeller hat eine herausragende Lage: Vom Schönbuchrand reicht der Blick bis nach Nagold und zur Schwäbischen Alb. „Es freut mich, dass man hier oben wieder sitzen kann“, sagt die Seniorin zu ihren Bekannten. Dieter und Andrea Illmann haben mit der Übernahme des Traditionslokals auf dem Schlossberg oberhalb der Altstadt und mit regelmäßigen Öffnungszeiten den Herrenbergern einen Herzenswunsch erfüllt. Zuletzt standen Wanderer, Ausflügler und Radfahrer meist vor geschlossenen Türen.

Eine wunderschöne Location

„Einfach ist die Location nicht, aber wunderschön“, sagt Dieter Illmann. Ein Gewölbekeller, ein kleiner Anbau mit großen Fenstern und eine Terrasse mit 170 Sitzplätzen gehören dazu – und der steile Aufstieg vom 350 Meter entfernten Marktplatz. Die Geschwister decken ein breites Spektrum ab: von der klassischen Biergartenkarte über Kaffee und Kuchen bis hin zu Livemusik und einer Partyreihe namens Basement Sessions. „Wir wollen die jungen Leute wieder hochziehen“, sagt der 38-jährige Ingenieur. Er ist in der Gastronomie Quereinsteiger – wie seine Schwester, die von Beruf Erzieherin ist. Ihr neues Geschäft haben sie beim Aufbau des Lokals Hinz und Kunz gelernt, das der Schwager Marco Borsellino in Herrenberg betreibt.

Grundsolide ist die Karte mit Schnitzel und Pommes für 8,70 Euro oder Maultaschen mit Kartoffelsalat für 7,60 Euro. Eine Halbe kostet 3,50 und das Apfelsaftschorle (0,4 Liter) 3,80 Euro. Eindeutig hausgemacht sind die die Brokkoli-Couscous-Bälle mit Dip und Salat (7,20 Euro). „Solche Gerichte wollte ich eigentlich nicht auf meiner Karte haben“, verrät Dieter Illmann. Aber seine Schwester hat sie gekocht – und ihm hat es dann doch geschmeckt. In der Tat: sie munden, die außen knusprigen und innen weichen Kugeln. Überhaupt ist den Gerichten anzumerken, dass Autodidakten am Werk sind. Die Gerichte sind nicht perfekt, aber haben eine besondere Note: zum Beispiel Spätzle, die fast so lang sind wie Spaghetti und dick wie Maccaroni. In den Linsen dazu finden sich Kartoffeln wie bei einem Eintopf aus der Dose (mit einer Saitenwurst für 6,90 Euro), nach Konserve schmeckt es allerdings nicht. Und dem Salatteller mit kross gebratenen Maultaschen täte etwas mehr Soße gut (9,50 Euro). Die Kuchen kommen in großen Stücken vom Bäcker Zander (Birne-Rahm für 3 Euro), eine große Tasse Kaffee gibt es aus der Thermoskanne für 2,50 Euro dazu.

Ein einladendes Ambiente

Kulinarische Höhenfluge sind an dieser Stelle auch gar nicht nötig. Dieter und Andrea Illmann haben für ein einladendes Ambiente gesorgt – mit nettem Service und gemütlichen Biergartengarnituren. Das ist das Wichtigste, denn an der Aussicht kann man sich niemals satt sehen.

Die Bewertung:

Küche: drei von fünf Sternen

Service: vier von fünf Sternen

Ambiente fünf von fünf Sternen

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