Restaurant-Test: Zeppelino’S in Stuttgart Hotelküche auf Höhenflug

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Der neue Küchenchef David Billen bietet im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin edle Steaks und feine internationale Küche – zu einem gewissen Preis.

Der service im Zeppelino’S ist besonders gutt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Der service im Zeppelino’S ist besonders gutt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Ganz grundsätzlich gebührt dem Steigenberger Graf Zeppelin ein Lob. Das Hotel sorgt neben dem Hotel am Schlossgarten mitten in der Innenstadt für wirklich gutes Essen. Neben dem Sternerestaurant Olivo mit Küchenchef Nico Burkhardt bietet das Haus bodenständigere Restaurants auf hohem Niveau. Im Oktober hat David Billen die Leitung der Hotelküchen übernommen: Er ist neben den Banketten auch für das schwäbische Zeppelinstüble und das internationale Zeppelino’S verantwortlich. Der 31-Jährige hat bei Christian Jürgens im Hotel Überfahrt gelernt, der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist, und das schmeckt man.

International ist die Karte im Zeppelino’S, wie es die Gäste eben auch sind. Das Restaurant ist auf den Fleischtrend aufgesprungen: US-Touristen aus Texas können sich für 49 Euro an einem 400 Gramm schweren Rib-Eye mehr als satt essen, für die Dame von Welt steht ein Filet vom Simmentaler Rind auf der Karte, 250 Gramm für 31 Euro. Der wahre Fleischfanatiker gibt sich aber das gealterte und entsprechend kräftig Rumpsteak (300 Gramm für 28 Euro). Sechs Nuancen von blutig bis durch bietet die Küche, weshalb es dann eine Enttäuschung ist, dass die Medium Rare-Bestellung im Kern gar nicht mehr roh sondern nur noch rosa ist.

Der Kürbis wird ganz groß in Szene gesetzt

Dafür ist die glasierte Wachtelbrust genau zum richtigen Moment aus dem Ofen geholt worden: Schön zart ist das Geflügel, das mit Gnocchi und Kürbis als Mus und gebacken für 21 Euro eine gelungene Kombination bildet. Überhaupt ist es eine Freude, wie David Billen den Kürbis in dieser Jahreszeit in allen Formen groß herauskommen lässt. Als Tiramisu das süße Gemüse einen gelungenen Auftritt (8,50 Euro), wobei der warme, schön schmelzig-schokoladige Brownie mit Quittensorbet für Süßmäuler wahrscheinlich das überzeugende Dessert zum gleichen Preis darstellt. Gebratener Lachs (19,50 Euro) oder eine rotes Asia Curry mit Pak Choi (18,50 Euro) wären fischige oder vegane Alternativen. Mit dem Steigen-Burger (18 Euro), einem Clubsandwisch, dem Caesar Salad und auch dem Wiener Schnitzel (24 Euro) können Geschäftsreisende ihren Hunger mit guten Bekannten stillen.

Leider orientieren sich nicht nur die Gerichte, sondern auch die Preise am weit gereisten Hotelgast, der zum Euro nicht den gleichen Bezug wie ein Einheimischer hat. Eine Flasche Wasser für 9,20 Euro trocknet den Geldbeutel schon arg aus., das Apfelschorle schlägt mit 4,50 Euro für 0,3 Liter zu Buche und für einen der Trollinger (Aldinger, Feldhase, 0,2 Liter) werden zehn Euro aufgerufen. Angenehm ist allerdings, dass der Service sein Geschäft versteht und gute Empfehlungen geben kann. Der Rotwein Bocchoris Negre vom mallorquinischen Weingut Bodega Tianna Negre (8 Euro)kommt mit dem Rumpsteak gut mit.

Die Bewertung:

Küche dreieinhalb von fünf Sternen

Service viereinhalb Sterne

Ambiente dreieinhalb Sterne