Restauranttest: Rote Kapelle Eine Stuttgarter Institution entwickelt sich weiter

Drei in einem: Die Rote Kapelle ist   Restaurant, Bar und Kaffeehaus. Foto: Lg/Leif Piechowski
Drei in einem: Die Rote Kapelle ist Restaurant, Bar und Kaffeehaus. Foto: Lg/Leif Piechowski

Zwei italienische Wirte haben die Rote Kapelle im Stuttgarter Westen übernommen, die Karte aber ist international. Was ist in dieser Gastro-Institution anders geworden und was bleibt gleich? Unser Restauranttest am Feuersee.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Cappella Rossa – so hätte die Rote Kapelle am Feuersee nun heißen können. Die neuen Wirte sind Italiener, erfolgreich mit ihrem Riva und ihrer Tratoria Tabano. Ludovico Bellusci und Angelo D’Agostino hatten sich überlegt, ob sie ihrem dritten Standbein in Stuttgart einen italienischen Namen geben sollten. Am Ende entschieden sie sich dagegen. Die im Jahr 2000 eröffnete Rote Kapelle – so nannte man Gruppen, die Widerstand gegen die Nazis leisteten – sei schließlich eine Institution.

Der Name ist eine Marke – doch ist er auch ein Selbstläufer? Die neuen Chefs haben das Lokal im Sommer 2020 in harter Zeit übernommen. Erst keine Einnahmen im Lockdown, nur Kosten für die Sanierung, dann ein mittelmäßiger Sommer, weshalb der Eisverkauf nicht wie erhofft gebrummt hat – ein Start nach Maß ist’s nicht.

Hier hat das Café Schapmann Stadtgeschichte geschrieben

Die Rote Kapelle ist drei in einem, ein bewährter Mix aus Kaffeehaus, Restaurant und Cocktailbar – jetzt obendrein mit italienischer Lebensfreude. Weiterhin gibt es Frühstück wie auch Frischgezapftes von der Schönbuchbrauerei. Das selbst gemachte Eis heißt nun Gelato. Das frühere Aquarium wurde ausgebaut, ein Fischfreund hat alle Fische übernommen. Die neue Theke wird zum Schmuckstück am Ort einer gastronomischen Legende, die als Café Schapmann Stadtgeschichte geschrieben hat und sich fit für die Zukunft macht. Ein rein italienisches Restaurant ist’s nicht, sondern ein internationales. In der Küche steht kein Pizzaofen – die Wirte wollen ihrem Riva, das nicht weit entfernt ist, keine Konkurrenz machen.

Die Frühstückskarte ist umfangreich, die Tageskarte, auf der etwa Lasagne, Tagliatelle und Kalbsmedaillons stehen, ist überschaubar. Bei unserem ersten Besuch gibt es um 21.20 Uhr kein warmes Essen mehr. Der Koch sei früher gegangen, erfahren wir. Der Personalmangel in der Gastronomie zeigt sich auch hier. Umso genialer werden wir beim zweiten Besuch empfangen, der genussreich zum perfekten Abend wird – mit einem Kellner, der mehr kann als bedienen. Der junge Mann erweist sich als Hundeflüsterer mit Showtalent, was dem ganzen Lokal gefällt.

Der Ort wird weiter aufgewertet

Die Kürbiscremesuppe (6,50 Euro) ist perfekt sämig und mild gewürzt. Das Thunfischcarpaccio (18,50 Euro) mit Avocado schmeckt als gut abgestimmte Mischung aus Minze, Salz und Pfeffer sowie mit bestem Olivenöl und Limonensaft nach Urlaub in Italien. Das saftige Entrecôte vom Grill mit Kartoffeln und Gemüse (22,50 Euro) erinnert an Frankreich-Aufenthalte und ist punktgenau gebraten.

Die Rote Kapelle, fürwahr eine Institution, hat sich weiterentwickelt, ja, sie nutzt ihr Potenzial vielversprechend – und wertet damit einen Ort weiter auf, der nach Umgestaltung des Seeufers die Leute anzieht.

Service

Rote Kapelle, Feuerseeplatz 14, 70176 Stuttgart, Telefon 07 11 / 62 05 56 70, info@rotekapelle.de. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 1 Uhr, Samstag von 10 bis 2 Uhr, Sonntag 10 bis 1 Uhr. www.rotekapelle.de

Bewertung

Bewertung

Küche: 4 Sterne

Service: 4 Sterne

Ambiente: 3 Sterne

***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern

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