Rettungsaktion für die City Ludwigsburg stützt Handel und Gastronomie

So mancher wird bei diesem Anblick wehmütig: So sah es beim Kastanienbeutelfest 2018 in der Ludwigsburger Wilhelmstraße aus. Foto: factum//Andreas Weise

Ludwigsburg legt ein Aktionsprogramm zur Rettung von Handel und Gastronomie auf. Neben Darlehen für akute Notfälle sieht es den Aufbau eines virtuellen Schaufensters und eines Lieferservices vor. Luis bekommt mehr Geld.

Ludwigsburg - Die Ludwigsburger sind stolz auf ihre lebendige City mit vielen Inhaber geführten Läden und einer bunten Gastroszene. Doch seit die Innenstadt coronabedingt in Schockstarre verharrt, ist die Sorge groß: Werden Händler und Wirte die Krise überstehen, und wird die Stadt nach dem Lockdown wieder mit Leben gefüllt sein? Um nichts unversucht zu lassen, haben Verwaltung und Gemeinderat ein Aktionsprogramm auf den Weg gebracht. Die Angebote reichen von Überbrückungshilfen über den Aufbau von Lieferdiensten bis zu Einkaufsgutscheinen.

 

Den einen kommt das Konzept zu spät, die anderen halten es für zu detailliert und wieder andere befürchten, man schaffe damit „ein bürokratisches Monster“. Doch trotz vieler Einwände, einig sind sich die Stadträte, wenn es um das zentrale Anliegen geht: „Wir müssen die Innenstadt retten“, lautete die immer wiederkehrende Formel am Mittwochabend, als der Gemeinderat mehrheitlich für ein Programm votierte, womit die Stadt – trotz klammer Kasse – den Innenstadtakteuren unter die Arme greifen will.

Die City stabilisieren

„Es muss uns durchaus klar sein, dass ein Restrisiko bleibt“, sagte Stadtkämmerer Harald Kistler. Vielleicht gehe ein Teil des Geldes verloren. „Aber wir haben auch in normalen Jahren im städtischen Haushalt Ausfälle im sechsstelligen Bereich.“ Das sei nicht zu vermeiden. Die Stadt stellt für das Aktionsprogramm für die City 250 000 Euro zur Verfügung, von den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) kommen weitere 75 000 Euro. Dazu wird bis 2023 der Zuschuss für den Innenstadtverein Luis erhöht.

Fehler seien im Einzelfall gewiss nicht auszuschließen, räumte der Oberbürgermeister ein, der einen großen Stab von Mitarbeitern dazu aufgefordert hatte, sich Rettungsmaßnahmen für den Innenstadthandel auszudenken. „Und es gehört auch zur Transparenz dazu zu sagen, dass wir das zu einer Zeit beschließen, in der wir allen Sport- und Kulturvereinen die Zuschüsse um zehn Prozent gekürzt haben“, sagte Matthias Knecht. Dennoch sei dieser Aufwand gerechtfertigt, denn es gehe darum, die Innenstadt zu stabilisieren und sie zukunftsfest zu machen.

Schneller als der Onlinehandel?

Zur Ausrichtung auf die Zukunft gehört etwa ein Lieferdienst, den die Stadt gemeinsam mit den SWLB aufbauen möchte und den die Händler, die sich das nicht allein zuwege bringen können, dann in Anspruch nehmen dürfen. Das Ziel ist es, die Einkäufe noch am Tag des Kaufes zuzustellen, um so das Übernachtangebot von Onlinehändlern zu toppen. Außerdem will das Stadtmarketing gemeinsam mit dem Innenstadtverein Luis die Internetauftritte der Händler verbessern oder überhaupt erst welche aufbauen. In Sachen virtuelles Schaufenster gebe es viel Nachholbedarf, bestätigte Citymanager Markus Fischer: „Wir müssen da bis zu 80 Prozent der Händler an der Hand nehmen.“

Zu den mittelfristigen Maßnahmen im Konzept gehören Einkaufsgutscheine sowie Treueboni für Personen, die mit dem Rad oder dem ÖPNV in die Stadt kommen. Die Sozialdemokraten vermissten hier „eine soziale Komponente“: „Ein Hartz-IV-Empfänger wird nie in den Genuss dieser Treueboni kommen“, sagte Daniel O’Sullivan. Außerdem wird die Stadt zeitweise auf Parkgebühren verzichten und die Gebühren für die Außengastronomie erlassen. Auf längere Sicht sollen der Aufbau von Pop-up-Stores in der City besser unterstützt und diverse Marketingstrategien entwickelt werden.

Verlängerter Arm der Wirtschaftsförderung

Sah das Konzept bei einer ersten Präsentation vor zwei Wochen noch als eine Erste-Hilfe-Maßnahme für notleidende Unternehmen die Vergabe von Zuschüssen vor, die nicht zurückgezahlt werden mussten, so hat man davon mittlerweile Abstand genommen – diese Idee scheiterte daran, dass man sich nicht auf dafür geeignete Kriterien einigen konnte. Stattdessen wurde das Angebot für Darlehen zur Überbrückung von Engpässen von 200 000 Euro auf 250 000 Euro erhöht. Auch wenn Reinhardt Weiss auch davor gewarnt hatte: „Finger weg von Darlehen“, sagte der FW-Stadtrat, „die sind nicht effektiv, und sie kommen zu spät.“

Dem Innenstadtverein Luis, der bisher mit 180 000 Euro von der Stadt gefördert wird, wurde dieser jährliche Zuschuss auch bis 2024 zugesagt. „Luis ist für uns eine verlängerter Arm“, sagte der Wirtschaftsförderer Frank Steinert. „Wenn der Verein nicht leisten würde, was er tut, müssten wir es in der Stadt machen.“ Die Kosten wären mindestens ebenso hoch.

Außerdem wurden dem Verein weitere 100 000 Euro – verteilt auf die Zeit von Jahresmitte 2021 bis 2023 – zugebilligt. Damit soll die Stelle eines IT-Mitarbeiters bezahlt werden. Die Stadtverwaltung hätte diese Stelle gern bis Ende 2024 festgeschrieben, doch eine Mehrheit im Gemeinderat befand, dass dafür die finanzielle Lage der Stadt zu prekär sei.

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