Rettungsoffensive gegen das Ertrinken Notrufsäulen an Badeseen

Knopfdruck genügt: Christian Lang (Steiger-Stiftung, links) und Armin Flohr (DLRG) testen die neue Notrufsäule am Max-Eyth-See Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
Knopfdruck genügt: Christian Lang (Steiger-Stiftung, links) und Armin Flohr (DLRG) testen die neue Notrufsäule am Max-Eyth-See Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Die DLRG und die Björn-Steiger-Stiftung wollen noch in diesem Jahr 100 Notrufsäulen an Badeseen aufstellen – so soll die Zahl der Unfälle gesenkt werden.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart/Winnenden - Seit Langem baut die Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) ihre Notrufsäulen zurück, die zu Tausenden entlang der Straßen aufgestellt waren – jeder hat heute ein Handy im Auto liegen, die Säulen werden nicht mehr gebraucht. Doch jetzt geht die Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) den umgekehrten Weg: An Badeseen sollen Hunderte von Säulen neu installiert werden; die erste ist am Dienstag symbolisch am Max-Eyth-See in Stuttgart in Betrieb genommen worden.

„Viele lassen ihr Handy aus Angst vor Diebstahl im Auto, wenn sie zum Baden gehen“, sagt Christian Lang von der Björn-Steiger-Stiftung. An Badeseen entfernt im Wald sei außerdem oft der Empfang nicht gut. Und manchmal seien die Menschen bei einem Notfall schlicht in Panik, so dass ihnen ihre eigene PIN für das Handy nicht einfalle. An den Säulen muss man dagegen nur einen Knopf drücken und ist sofort mit der Rettungsleitstelle verbunden. Das Gerät übermittelt zudem den Standort per GPS an die Leitstelle; selbst wenn man sich nicht auskennt, wissen die Rettungskräfte also, wohin sie müssen. Die Björn-Steiger-Stiftung und die DLRG sind deshalb von dem Projekt sehr überzeugt.

Für 25 Standorte können sich Kommunen noch bewerben

In der kommenden Woche kommt eine Notrufsäule am Badesee in Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis) hinzu, in der übernächsten Woche soll am Bodensee, entweder in Friedrichshafen oder in Sipplingen, ein Gerät installiert werden. 30 Standorte stünden bereits fest, 45 weitere seien reserviert – bei den übrigen 25 könnten sich Städte und Gemeinden aber noch bewerben, sagt der Projektleiter Andreas Mihm. Schon bald sollen auch über Baden-Württemberg hinaus Säulen aufgestellt werden; mit Orten an der Nord- und der Ostsee sei man im Gespräch. Finanziert werden die Säulen von der Björn-Steiger-Stiftung. Die Kosten liegen über die gesamte zehnjährige Lebensdauer hinweg bei etwa 4000 Euro pro Stück.

Armin Flohr, der Präsident der DLRG in Württemberg, will die Geräte vor allem an Brennpunkten aufstellen. Im vergangenen Jahr sind in Baden-Württemberg 62 Menschen ertrunken, so viele wie schon lange nicht mehr, davon 52 in Seen und Flüssen. Brennpunkte, das sind für Flohr unbewachte Bagger- und Naturseen, aber auch lange Uferabschnitte am Bodensee. Da die Säulen per Solarzelle in Betrieb gehalten werden und kein Erdkabel benötigen, können sie auch an sehr entlegenen Stellen aufgestellt werden.

Einsatz nicht nur bei Badeunfällen, sondern auch im Winter

Die Organisatoren denken bei möglichen Alarmierungen auch nicht nur an Badeunfälle – Taucher gingen oft früh am Tag und an einsamen Orten ihrem Hobby nach; im Winter könnten die Säulen Leben retten, wenn Schlittschuhläufer in das Eis einbrechen. Künftig sollen die Notrufsäulen auch mit Defibrillatoren für Laien ausgestattet werden. Und sie sollen schnellstmöglich verknüpft werden mit den Einsatzkräften der DLRG und mit „mobilen Rettern“. Das sind nach einem Konzept der Björn-Steiger-Stiftung Menschen mit Rettungsausbildung, etwa Krankenschwestern oder Feuerwehrleute; diese registrieren sich bei einer App und werden als Erste alarmiert, wenn sie sich bei einem Notfall zufällig in der Nähe befinden. Baden-Württemberg ist dafür aber keine Pilotregion; hier gibt es die mobilen Retter noch nicht.

Nur die erste Notrufsäule am Max-Eyth-See, direkt vor dem Sitz der DLRG Württemberg, wäre, selbst nach Ansicht des DLRG-Chefs Armin Flohr, nicht unbedingt notwendig gewesen. Denn die Stadt Stuttgart betreibt schon seit Langem eigene Säulen, die zwar technisch veraltet seien, aber funktionierten. „Wenn wir mal einen Mangel an Säulen haben, ist diese hier deshalb die erste, die wir wieder abbauen“, meinte Armin Flohr lachend.

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