Renninger Senioren sehen sich Christoph  41 genauer an. Das Interesse am Rettungshubschrauber und der Station Leonberg ist groß.

Ob der Rettungshubschrauber an diesem Morgen überhaupt da sein wird, bleibt bis zuletzt spannend, als sich rund 20 Interessierte am Samstag am Krankenhaus treffen. Der Stadtseniorenrat Renningen hat zu einer Besichtigung eingeladen. „Die Nachfrage war sehr groß“, sagt die Vorsitzende Ute Geiger, „aber wir mussten die Teilnehmerzahl begrenzen.“

Rettungshubschrauber gilt hier als unabdingbar

Die Besucherinnen und Besucher haben Glück: Christoph 41 ist nicht auf einem seiner jährlich rund 1200 Einsätze unterwegs, sondern steht an seinem seit 36 Jahren angestammten Platz beim Krankenhaus, in unmittelbarer Nähe zur neuen zentralen Notaufnahme. Dort begrüßt der Stationsleiter der DRF Luftrettung, Dirk Gockeler, die Gäste und zeigt ihnen die Maschine mit ihrer umfangreichen Ausstattung zur Rettung von Menschenleben. Die Fragen der Besucher zu Technik und Funktionsweise beantworten auch der Pilot Rouven Glaser und der Notarzt Jochen Kegreiß.

Ute Geiger kommt direkt auf das zuletzt häufig mit dem seit 1986 in Leonberg stationierten Helikopter verbundene Thema zu sprechen, nämlich, dass dessen Verbleib in Leonberg gefährdet ist. Als Ergebnis eines vom Innenministerium des Landes in Auftrag gegebenen Gutachtens soll Christoph 41 in den Bereich Tübingen-Reutlingen verlegt werden. „Der Rettungshubschrauber ist zur Notfallrettung in unserem dichten Ballungsraum unabdingbar“, betont die langjährige Betriebsratsvorsitzende am Kreiskrankenhaus, seit Kurzem im Ruhestand.

Elementares Angebot der Lebensrettung

Dies sei nicht nur für die ältere Generation bei medizinischen Notfällen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wichtig, sondern auch bei Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten auf den Autobahnen direkt vor Ort oder für den schnellen Transport eines Patienten in eine Spezialklinik. Für die frühere Krankenhaus-Mitarbeiterin ist es unverständlich, dass die Politik angesichts der Bedeutung des Christoph 41 eine solche Entscheidung treffen will. „Eigentlich müsste man erwarten, dass ein so elementares Angebot für die Lebensrettung der Bevölkerung in unseren Zeiten verdichtet statt ausgedünnt wird.“

Dirk Gockeler, der das Neutralitätsgebot der DRF-Mitarbeiter als Auftragnehmer in dieser Frage betont, arbeitet seit 25 Jahren bei der DRF. „Die Regierung will ja nichts Schlechtes“, meinte der Notfallsanitäter. Die Gemengelage sei komplex, deswegen sei es gut, dass eine neutrale Seite drauf schaue, wie man die Situation im gesamten Land verbessern kann. Das gelte auch für die Intention, dass überall gleich schnell Hilfe durch Rettungshubschrauber zur Verfügung steht. Die Politik müsse die Sachargumente abwägen und die beste Entscheidung für die Region hier, aber auch für ganz Baden-Württemberg treffen.

Lärm am potenziellen neuen Standort großes Thema

Dass für den Standort Leonberg eine ganze Reihe von Argumenten spricht, wird rasch deutlich: So ist der durch die Einsätze der „fliegenden Intensivstation“ verursachte Fluglärm am seit 1986 bestehenden Standort kein Thema. Gestartet wird in der Regel über weitläufige unbebaute Flächen Richtung Westen. Bis der Helikopter über Rutesheim oder Höfingen ist, habe er schon an Höhe gewonnen, erklärt Gockeler auf Nachfrage. Hingegen hat das Thema Lärm den Gemeinderat am potenziellen Standort in Wannweil bei Reutlingen umgetrieben. Vor Kurzem stimmte das Gremium gegen eine Ansiedlung.

Der 250 Kilometer schnelle Rettungshubschrauber fliegt von 7 Uhr bis Sonnenuntergang zu Notfalleinsätzen in zehn Landkreise im Umkreis von 50 bis 70 Kilometern. „Doch je näher, desto mehr Einsätze haben wir“, schildert der Stationsleiter. „Allein gestern waren die Rettungswagen von Leonberg und Ditzingen alle unterwegs“, erzählt er. „Da sind wir nach Höfingen zu einem Noteinsatz geflogen.“ Die Gebäude der DRF am Krankenhaus stehen tipptopp da, wird bei einem Rundgang deutlich. Der Sozialtrakt und die Tankanlage sind relativ neu. Hier seien für die nächsten Jahrzehnte keine großen Investitionen nötig, so Dirk Gockeler.

Plädoyer für Christoph 41 in Leonberg

Für die Besucher gibt es keinen Zweifel: Der Rettungshubschrauber muss bleiben. „Ich bin ganz klar dafür, dass der Standort bestehen bleibt. Er ist vom Umfeld her ideal, auch durch die Nähe zu den Autobahnen“, sagt Heidi Konz, die in Renningen einen Pflegedienst betreibt. Oft sei schnelle Hilfe erforderlich, weiß sie aus ihrer Tätigkeit. Die Öffentlichkeit sollte noch mehr zusammenstehen. „Wir hatten das Thema ja schon einmal mit dem Krankenhaus Leonberg“, erinnert sie. „Wir geben in diesem Land so viel Geld für anderes aus“, meint Angelika Lembeck. Wenn nötig, solle man am anderen Ort neu bauen. Hier in Leonberg sei doch schon die gesamte Infrastruktur vorhanden.

Das sieht auch Christl Steegmüller so, die für die CDU im Renninger Gemeinderat war. Sie hält den jetzigen Standort für ideal. Die Leonberger CDU-Stadträtin Elke Staubach hat ebenfalls eine klare Meinung und spricht in dieser Sache quasi für den gesamten Gemeinderat: „Wir sagen eindeutig, der Hubschrauber muss hierbleiben.“ Es habe früher Diskussionen gegeben, ob man auf den angrenzenden Grünflächen Wohnbebauung machen könne. „Aber wir haben immer nein gesagt, das steht nicht zur Disposition.“

Bei der Frage, wie die Lokalpolitiker Einfluss auf die Landespolitiker ihrer Partei in dieser Sache nehmen könnten, antwortet Elke Staubach zurückhaltend: „Wir können schon Hinweise an unsere Landtagsabgeordneten geben. Aber das Gutachten wurde von Grün-Schwarz vergeben. Das ist nicht so einfach.“