Stuttgart Überfüllte S-Bahn wirft Fragen zu Rettungsplan auf

Von Wolf-Dieter Obst 

Ein völlig überfüllter Zug mit drei ohnmächtigen Fahrgästen: Der Zwischenfall mit einer S-Bahn der Linie S 2 ist ungewöhnlich – zumal die Bahn dann für die Rettungskräfte umgeleitet wurde. Doch wohin weicht eine S-Bahn aus, wenn der Tiefbahnhof Stuttgart 21 in Betrieb ist?

S-Bahn wohin? Ein Notfall in einem Zug kann schnell die Stammstrecke blockieren. Foto: Leif Piechowski
S-Bahn wohin? Ein Notfall in einem Zug kann schnell die Stammstrecke blockieren. Foto: Leif Piechowski

Stuttgart - Der ungewöhnliche Fall mit einer überfüllten S-Bahn, die wegen mehrerer gesundheitlicher Notfälle in den oberirdischen Hauptbahnhof umgeleitet werden musste, hat nun Fragen nach dem künftigen Rettungskonzept aufgeworfen. Nach der Fertigstellung des S-21-Tiefbahnhofs, so Kritiker, kann der S-Bahn-Verkehr weder auf oberirdische Gleise noch auf die Gäubahntrasse umgeleitet werden. Die gibt es dann nämlich nicht mehr. „Bei Notarzteinsätzen wird die S-Bahn-Strecke auf der Stammstrecke dann eben blockiert sein“, bestätigt der Stuttgarter Feuerwehrchef Frank Knödler.

Eine völlig überfüllte S-Bahn der Linie S 2 war am Dienstag gegen 7.45 Uhr auf dem Weg von Bad Cannstatt zum Hauptbahnhof zum Notfall geworden. Im morgendlichen Berufsverkehr standen die Fahrgäste so dicht gedrängt, dass eine 60-jährige Frau und zwei 43 und 55 Jahre alte Männer wegen Kreislaufproblemen ohnmächtig wurden. Der Langzug, der aus drei Einheiten besteht und so etwa 1000 Fahrgäste fassen kann, wurde in den oberirdischen Teil des Hauptbahnhofs umgeleitet. Der Vorteil: der Rettungsdienst konnte besser anfahren, die S-Bahn-Gleise blieben auf der Tunnelstrecke zwischen Hauptbahnhof und der Haltestelle Universität in Vaihingen frei.

Notarzteinsätze dauern unterschiedlich lange

Mit Stuttgart 21 entfällt diese Möglichkeit. „Die betroffene S-Bahn muss dann im Tunnel der Stammstrecke bleiben“, sagt Feuerwehrchef Knödler. Dabei werden freilich alle Linien blockiert – mit Verspätungen oder gar Ausfällen für Fahrgäste an den Endhaltestellen. Einziger Trost: „So ein Notarzteinsatz dauert in der Regel nicht lange“, sagt Knödler.

Kommt drauf an: Ein Notarzteinsatz in Feuerbach, der am 10. Januar drei S-Bahnen und drei Regionalzüge blockierte, dauerte laut Störungsmelder von 8.20 bis 9.13 Uhr. Die ärztliche Versorgung eines S-Bahn-Fahrgastes am 3. Januar am Halt Feuersee dauerte dagegen nur von 17.14 bis 17.22 Uhr, ein Notfall am 25. Dezember 2016 an der Haltestelle Universität blockierte die Strecke von 19.15 bis 19.25 Uhr. Warum die S-Bahn am Dienstag völlig überfüllt war, dafür hat die Bahn AG keine Erklärung. Es habe keine Vorgänge gegeben, die besonders viele Fahrgäste auf diese eine S-Bahn konzentriert hätten.

Sonderthemen