Review zu „The Batman“ Wie gut ist der neue Film mit Robert Pattinson?

Zoë Kravitz als Selina Kyle aka Catwoman und Robert Pattinson als Batman Foto: Warner Bros./Jonathan Olley

Gotham City ist noch immer dem Untergang geweiht, die schwarze Fledermaus kämpft für Gerechtigkeit: Der neue „Batman“-Film von Matt Reeves startet in den Kinos. Bruce Wayne spielt diesmal Robert Pattinson – kann der „Twilight“-Star überzeugen?

Stuttgart - „Sie denken, ich verstecke mich im Schatten. Aber ich bin der Schatten“, raunt die Titelfigur zu Beginn von Matt Reeves „The Batman“ aus dem Off. Wenn der Fledermausmann nach seinem nächtlichen Dienst als Verbrechensbekämpfer Anzug und Maske ablegt, sieht er tatsächlich aus wie ein Schatten seiner selbst: eine mehr als aristokratische Blässe, Augenringe, in die der schwarze Eyeliner tief eingesickert ist, und ein Blick, der sich nie wieder an das Tageslicht gewöhnen wird. Der Superheld ist nach eigenem Bekunden zum Nachttier mutiert. Da trifft es sich gut, dass in Gotham City nie die Sonne scheint. Der dunkle Herbsthimmel hängt tief über dem urbanen Moloch und regnet sich auf dessen Bewohner aus.

 

Die Stadt mag dem Untergang geweiht sein, aber „Batman“-Filme wird es – zumindest nach dem Willen der Rechteinhaber – bis zum Ende aller Zeiten geben. Seit Tim Burton 1989 „Batman“ mit Michael Keaton in der Titelrolle und Jack Nicholson als Bösewicht Joker auf die ganz große Leinwand holte, hat jede Generation ihr eigenes Fledermaus-Spektakel hervorgebracht.

Während sich George Clooney noch bis heute für seinen Auftritt als Superheld in Joel Schumachers „Batman & Robin“ (1997) schämt, setzte Christopher Nolan mit seiner „Dark Knight“-Trilogie, die fest in der Ära Bush und dem Trauma des Nine-Eleven verankert war, neue Maßstäbe. Danach ging es mit Ben Affleck in Zack Snyders digitaler Zerstörungsorgie „Batman v Superman“ (2016) und Auftritten in „Justice League“ (2017) bergab. Und so haben die Warner-Studios, noch bevor Snyders angedrohte Fortsetzung in diesem Jahr erscheint, ein Relaunch des „Batman“-Stoffs durchgewinkt.

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„The Batman“ erfindet die Comicvorlage nicht neu

Regisseur Matt Reeves hat bereits mit „Planet der Affen: Revolution“ (2014) bewiesen, dass er innerhalb der Franchise-Industrie intelligente und vielschichtige Blockbuster auf die Beine stellen kann. Sein „The Batman“ erfindet die Comicvorlage nicht neu, verleiht dem kommerziellen Wiederbelebungsprojekt jedoch definitiv eine eigene künstlerische Handschrift. Reeves inszeniert seine Version konsequent als finsteren Film Noir, in dem Straßenlaternen, Autoscheinwerfer und Taschenlampen die Hauptlichtquellen zu sein scheinen. Wenn Robert Pattinson im schwarzen Outfit aus dem Dunkeln hervortritt, wird er nie zur heroischen Lichtgestalt, sondern bleibt stets ein Teil der düsteren Welt von Gotham City.

Was die Handlung angeht, setzt Reeves, der das Drehbuch zusammen mit Peter Craig („The Unforgivable“) verfasst hat, auf einen klassischen Serienkiller-Plot. Der Gegenspieler Batmans ist ein selbst ernannter Gerechtigkeitskämpfer (Paul Dano), der sich durch die korrupte Elite der Stadt mordet. Kurz vor seiner potenziellen Wiederwahl wird der Bürgermeister von Gotham City zum ersten Opfer. Der Mörder hinterlässt bei jeder Folgetat chiffrierte Nachrichten und Rätsel, die immer tiefer in den kriminellen Sumpf der Stadt führen. Ähnlich wie in David Finchers „Seven“ steht Batman und dem loyalen Cop James Gordon (immer ein Gewinn: Jeffrey Wright) ein manischer Täter gegenüber, der den Ermittlern stets einen Schritt voraus ist.

Kann Robert Pattinson überzeugen?

Mit einer eigenen Agenda ermittelt in der Unterwelt Selina (Zoë Kravitz) alias Catwoman gegen den machtvollen Mobster Carmine Falcone (John Turturro), die den abgebrühten Fledermausmann gelegentlich emotional aus der Reserve lockt – auch wenn die Annäherung aufgrund der ledernen Ganzkörperkostümierung nie über einen sanften Kuss auf dem Hochhausdach hinausgeht. Kravitz ist herausragend in der Rolle, der man noch mehr Gewicht gewünscht hätte, und bringt mit ihrem lodernden Charisma die Leinwand souverän zum Erglühen.

Aber auch Pattinson, der sich nie vollständig aus dem „Twilight“-Gefängnis herausgekämpft hat, macht hier eine gute Figur. Wenn er die Batman-Maske ablegt, spielt er den schwerreichen Bruce Wayne als tief vereinsamten Rächer, der als Waise aufgewachsen nun auch seine Familiengeschichte und das eigene Selbstbild neu überarbeiten muss. Dieser therapeutische Zugang ins Superheldengemüt ist keine grundlegend neue Idee, gibt „The Batman“ jedoch die notwendige emotionale Tiefe, mit der auch die Omnipotenzfantasien des Genres unterminiert werden.

Denn wie schon in Nolans „Dark Knight“-Trilogie liegt mit dem Fledermausmann auch immer die Seele der amerikanischen Gesellschaft auf dem Obduktionstisch. Der Serienkiller, der sich mit seinen Morden gegen die Verlogenheit eines politischen Systems wendet und dabei eine sich radikalisierende Anhängerschaft aufbaut, reflektiert die antidemokratischen Tendenzen im Lande, die sich mit der Abwahl Trumps nicht in Luft aufgelöst haben.

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Vor allem aber ist „The Batman“ ein sehr gut gemachter Film: Bis in die Nebenrollen hinein bestens besetzt, herausragende Kameraarbeit besonders in den Actionszenen, ein atmosphärisch dichtes Setdesign, ausgefeilte Lichtdramaturgie und ein wunderbar schwelender Musik-Score bestimmen das cineastische Erlebnis, das über drei Stunden nie in epische Posen verfällt.

The Batman. USA 2022, 175 Minuten. Regie: Matt Reeves. Mit Robert Pattinson, Zoë Kravitz und Jeffrey Wright. Ab 12 Jahren.

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