Revival der Musikkassette Das Tape ist tot, es lebe das Tape

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Nach der Schallplatte könnte die Kassette das nächste analoge Speichermedium werden, das eine Renaissance erfährt – ganz entgegen dem überwältigenden Trend zum Digitalen. Liebhaber gehen zuletzt verstärkt zurück zum Tape. Und der Mainstream?

Nicht nur als Ausstecherle-Form, sondern auch ganz klassisch als Medium für Musik ist die Musikkassette in letzter Zeit wieder gefragt. Foto: Cookie Cutter
Nicht nur als Ausstecherle-Form, sondern auch ganz klassisch als Medium für Musik ist die Musikkassette in letzter Zeit wieder gefragt. Foto: Cookie Cutter

Stuttgart - Dass die Schallplatte wieder in ist, dürften inzwischen auch Menschen mitbekommen haben, die noch nie über den perfekten Klang für eine Aufnahme gestritten haben und Vinyl für das einzig selig machende Material halten, auf dem man Musik speichern kann. Zu dem breiten Schallplatten-Revival scheint sich ein zweiter Retro-Trend zu gesellen: die Rückkehr der Musikkassette, die im August 1963 das Licht der Welt erblickte.

Wobei Rückkehr vielleicht das falsche Wort ist. Die Kassette war ja nie weg. Sie schien nur veraltet, auf dem absteigenden Ast angesichts klanglich weit überlegener Alternativen wie (anfangs) der CD und später den etwa im MP3-Format codierten Digitalkopien. Ja, es ist wahrlich eine Mühe, Musik auf Kassetten zu kopieren. Und erst das Abspielen! Man muss spulen, das Tape vielleicht auf die B-Seite drehen, Bandsalat droht. Und der Sound ist vielleicht speziell, sicher aber nicht lupenrein und perfekt. Außerdem haben Kassetten nur eine begrenzte Lebensdauer.

Wegen all dieser Nachteile dürfte es den wenigsten schwergefallen sein, sich von den einst allgegenwärtigen Tapes zu verabschieden. Aus Kassettenspielern wurden CD-Player oder Autoradios mit USB-Anschluss. An der Supermarktkasse greift man spontan eh lieber zu Kaugummis als zu Magnetbändern; auch hier sind die Kassetten mittlerweile verschwunden. So richtig praktisch zu lagern waren sie ohnehin noch nie.

Echter, wärmer, „Do it yourself!“

Doch all die Dinge, die einst gegen die Kassette sprachen, sprechen jetzt irgendwie auch wieder für sie. Analog? Ist viel „echter“ als die flüchtige Digitalkopie; außerdem hat der Kauf einer Kassette etwas sehr Traditionelles, vielleicht auch Nostalgisches an sich, was die zunehmend von MP3s verdrängte, aber immer noch allgegenwärtige CD zumindest derzeit nicht zu bieten hat.

Auch das unhandliche Format muss kein Nachteil sein: Die Kassette lässt sich dafür sehr individuell gestalten, und man fällt als Kassettenhörer auf. Letzter Punkt: der Klang. Er steht Bands aus dem Punk- und Lo-Fi, generell aus dem „Do it yourself“-Sektor viel besser zu Gesicht als CDs; auf erstklassige Klangqualität legen diese Musiker ohnehin keinen Wert.