Bei der Premiere von „Hallo Spencer - Der Film“ steht Drehbuchautor Jan Böhmermann (rechts) zusammen mit dem Puppenerfinder Winfried Debertin (links) und den Schauspielern Achim Hall (zweiter von links) und Rainer Bock im Arri-Kino. Foto: picture alliance/dpa/Stefan Puchner
Schauspieler Achim Hall, bekannt als die Stimme der Spencer-Klappmaulpuppe aus den 80er-Jahren, hat in der neuen TV-Produktion „Hallo Spencer – Der Film“ von Jan Böhmermann eine Rolle übernommen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Gaby Weiß
09.12.2024 - 18:00 Uhr
Nicht nur in Deutschland, in vielen Ländern der Welt kennt man Achim Hall aus der Kindersendung „Hallo Spencer“, die in den 80er-Jahren im Fernsehen lief: Dort führte der Schauspieler die Spencer-Klappmaulpuppe mit der braun-karierten Schiebermütze und begrüßte das Publikum mit dem immer gleichen Spruch: „Hallo, liebe Leute, von A bis Z, von eins bis hundert, von Norden bis Süden, von Osten bis Westen, da bin ich wieder, euer lieber guter alter Spencer!“ In Esslingen, wo der Schauspieler, Regisseur, TV-Puppenspieler und Sprecher seit vielen Jahren in der Altstadt lebt, kennt man ihn aus zahlreichen Rollen an der Württembergischen Landesbühne. Jetzt hat der mittlerweile 83-Jährige eine Rolle in der neuen Produktion „Hallo Spencer – Der Film“ übernommen. Die Medien-Satire aus der Feder von TV-Entertainer Jan Böhmermann ist ab Freitag, 13. Dezember, in der Mediathek zu sehen.
Böhmermann ist ein großer Fan von „Hallo Spencer“
Als regelmäßiger Hörer von Böhmermanns Podcast wusste Achim Hall, dass der Satiriker ein großer Fan der Klappmaulpuppen-Sendung ist. Als Böhmermann einen nicht ganz ernst gemeinten Beitrag über Spencers neues Dasein als Verschwörungstheorien verbreitender Querdenker sendete, konnte Achim Hall das nicht auf der Puppe sitzen lassen. Gemeinsam mit Winfried Debertin, dem Schöpfer der Spencer-Puppen, veröffentlichte er auf YouTube ein launiges Dementi: „Spencer lebt, und zwar keineswegs, um aus einem Kellerloch heraus Fake-News zu produzieren.“ Daraufhin besuchte Böhmermann Winfried Debertin, der schon lange den Gedanken hegte, einen Spencer-Spielfilm zu machen. Was Böhmermann anpackt, hat Hand und Fuß: Er verfasste als Spencer-Hommage ein Drehbuch, das die Lebensgeschichte von Winfried Debertin als Mediensatire erzählt. Er übernahm mit seiner Firma die Produktion, er engagierte renommierte Schauspieler und lud das alte Puppenspieler-Team zum Mitmachen ein.
Der Kontakt zu Achim Hall war schnell wiederhergestellt, nachdem Halls Esslinger Schauspiel-Kollegin Elif Veyisoglu an die Podcast-Redaktion geschrieben hatte: „Wenn Sie genau wissen wollen, wo Spencer ist: Der steht mit mir zusammen an der Württembergischen Landesbühne auf der Bühne.“ Nachdem Achim Hall das Drehbuch gelesen hatte, musste er sich seine Zusage nicht lange überlegen. Zumal Spencer und Konsorten nicht etwa 3D-animiert oder computergestützt wieder zum Leben erweckt werden sollten, sondern, so Hall, „in guter alter Puppenspieler-Handarbeit“.
Jan Böhmermann ist großer Fan von „Hallo Spencer“ Foto: dpa/Stefan Puchner
Allerdings traute sich Achim Hall nicht mehr zu, die Spencer-Puppe auch zu führen: „Wenn die Puppen gemeinsam mit realen Darstellern spielen, ist das körperlich sehr anstrengend. Dann muss sich der Puppenspieler immer zusammenkauern, um nicht im Bild zu sein.“ Er gibt zu, dass es ihm nicht ganz leicht fiel, „seinen“ Spencer von jemand anderem gespielt zu sehen: „Wir sind mit den Puppen verwachsen. Ich habe manchmal geguckt, ob ich schon einen gelben Spencer-Flaum auf dem Arm habe“, erzählt er lachend.
Achim Hall hat oft Rollen für das Marionettentheater Lima eingesprochen
Aber natürlich kommt der Film-Spencer nicht ohne Achim Halls charakteristische Stimme aus: „Die Stimme transportiert die Gefühle, über die Stimme wird die Puppe lebendig. Und die Spencer-Stimme hat ihre Spuren in meiner Naturstimme hinterlassen“, weiß Achim Hall, der oft auch Rollen für das Esslinger Marionettentheater Lima eingesprochen hat.
Für Achim Hall wurde zusätzlich extra eine kleine Schauspielrolle ins Drehbuch geschrieben. So besucht er als Puppenspieler Wolf Bosch den Puppenbauer und seine Schützlinge. Zwei Nächte wurden die Szenen in Hamburg in einem riesigen Requisitenlager gedreht: „Von abends um sieben bis morgens um vier, denn tagsüber wurde dort ja gearbeitet“, berichtet Achim Hall, der von der Arbeit der Schauspieler begeistert war: „Das sind phänomenal gute Kollegen. Sie waren bezaubert von den Puppen und haben mit Kinderaugen gestaunt. Und sie sind darstellerisch in die Vollen gegangen.“
Hall ist auch voll des Lobes für Jan Böhmermann: „Er hat eine sehr freundliche, zugewandte Art, mit den Menschen am Filmset umzugehen. Es war schön, wie er den Geist der damaligen Filmfamilie wieder zum Leben erweckt hat. Wir waren ein eingeschworenes Team. Dreharbeiten waren damals wie ein Familientreffen, wir haben das Studio auf den Kopf gestellt und tolle Partys gefeiert.“
Seit der Film im Juli auf dem Filmfest zu sehen war, ist die Begeisterung für Spencer bei vielen wieder neu entflammt. „Ich kam in München aus dem Autogramme-Schreiben und Selfies-Machen gar nicht mehr raus und musste dutzende Male Spencers Begrüßung sprechen“, erinnert er sich. Auch bei der Retro Convention in Braunschweig standen die Spencer-Fans Schlange: „Da brachten Männer ihre Videokassetten von früher zum Signieren mit. Für viele ist der Film eine nostalgische Begegnung mit der eigenen Kindheit. Die Sendung hat viele sozialisiert: Das vorbildliche Zusammenleben im Spencerdorf mit einem Bürgermeister, der immer angewiesen war auf Rat und Tat seiner Dorfgemeinschaft.“
Wann ist der Film zu sehen?
Der Schauspieler Achim Hall, Jahrgang 1941, hat Kunstgeschichte, Philosophie, Pädagogik und Theaterwissenschaften studiert und Ausbildungen zum Schauspieler und TV-Puppenspieler absolviert. Er hat das Münchner Off-Theater TIK gegründet und als Schauspieler an Bühnen in Tübingen, München, Düsseldorf, Hamburg und Esslingen gearbeitet. Fürs Fernsehen hat er die Puppenfigur Spencer und den Rumpel in der deutschen Ausgabe der Sesamstraße gesprochen.
Die TV-Serie Von 1979 bis 2001 wurde im NDR die Reihe „Hallo Spencer“ mit 275 Folgen und 16 Sonderausgaben produziert – als deutsche Antwort auf die erfolgreiche amerikanische Sesamstraße. Achim Hall war die charakteristische Stimme von Spencer, der als Moderator durch die Sendung führte. Als Puppenspieler war Achim Hall für Spencers Kopf und Klappmaul zuständig, Spencers Hände führte Jürgen Meuter.
Der Film „Hallo Spencer – Der Film“ (Drehbuch Jan Böhmermann, Elias Hauck und Tim Wolff, Regie Timo Schierhorn) ist ein Märchen über den Medienwandel. Der Spencer-Puppenbauer lebt in einer ehemaligen Dorfdisco, die abgerissen werden soll. Um sein Lebenswerk zu retten, braucht er zehn Millionen Euro und eine gute Idee. Der Film ist ab dem 13. Dezember, 10 Uhr, in der ZDF-Mediathek zu sehen. Am 25. Dezember wird er um 20.15 Uhr auf ZDFneo, am 27. Dezember um 23.50 Uhr im ZDF gezeigt.