Revolverheld in Stuttgart „Danke, dass ihr die Katze im Sack gekauft habt“
Die Deutschrockband Revolverheld hat sich clever neu erfunden und am Montagabend das Wizemann bis zum letzten Platz gefüllt.
Die Deutschrockband Revolverheld hat sich clever neu erfunden und am Montagabend das Wizemann bis zum letzten Platz gefüllt.
„Die Welt ist heute eine andere. Die Musikwelt ist eine andere. Weshalb also als Band nicht mal wieder etwas anderes machen?“ – so werben Revolverheld für ihre Tour, für ihr neues Album. All das klingt sehr nach einem neuen Jahr, nach ehernen Vorsätzen. Werden Revolverheld, vor rund 20 Jahren die Newcomer der Deutschrockszene, ihren Ansprüchen gerecht? Am Montagabend kann man sich davon ein Bild machen, im Wizemann.
Dort trifft man zunächst einmal, lange nach Öffnung der Halle noch, auf eine Warteschlange von enormer Länge. Mit einem Paradebeispiel der Selbstneuerfindung gelingt es der Band, das Wizemann mit 1300 Gästen bis zum letzten Platz zu füllen. Revolverheld starteten ihre Tour am 3. Januar in Bremen, mit nicht minder großem Erfolg. In Stuttgart geben sie das sechste Konzert der kleinen Tour, drei weitere werden folgen.
Die Tickets sind hochpreisig: 78 Euro bezahlte man im Wizemann. Darin enthalten: Das neue Album der Band als Vinyl, CD, Download, verpackt in einer Revolverheld-Tragetasche. Ein Album, das, wie die Musiker versprechen, tatsächlich nur bei diesen Konzerten zu haben sein wird, das niemals ins Streaming, niemals auf die bekannten Plattformen kommen soll. Ein Album, das also keiner der nicht wenig zahlenden Konzertgäste zuvor gehört hat. „Danke“, ruft Johannes Strate, Sänger von Revolverheld, in den Saal hinaus, „dass ihr die Katze im Sack gekauft habt!“
Und Revolverheld geben sich sehr große Mühe, diesen Sack mit etwas zu füllen, das man von ihnen so nicht erwartet hat. „Die Schmuseband hat jetzt eine ernsthafte Platte gemacht“, nimmt Strate die Meinungsbildung des Publikums vorweg. Tatsächlich stellten die Musiker sich zu diesem Zweck auf eigene Beine, gründeten ihr eigenes Label, änderten ihren Sound.
Johannes Strate, die Gitarristen Kristoffer Hünecke und Niels Kristian Hansen, der Schlagzeuger Jakob Sinn, die Kernbesetzung von Revolverheld, sind mit der Musik der 1990er Jahre groß geworden. Das Logo das sie ihrem Album „R / H / 1“ gegeben haben, erinnert deutlich an das Logo einer Industrial-Band aus dieser Zeit, ihre Gitarren klingen nun tiefer, wuchtiger, vom Keyboard laufen schwere, dunkle, synthetische Bässe in die Musik ein, Johannes Strate krümmt sich am Mikrofon und singt: „Ich bin im Krieg mit mir selbst“.
Mit auf der Bühne ist Chris Rodriguez, seit mehr als zehn Jahren bewährter Revolverheld-Bassist; die Keyboards kommen von Philipp Schwär, eine Gaststimme auf dem Album stammt von Mimi Müller-Westernhagen. Die neuen Revolverheld spielen sich konsequent durch ihr neues Album und sind dabei doch irgendwie auch die Alten.
Songs wie „Generation Rock“ von 2005 lockern früh schon das Material auf, und schließlich, nach 80 Minuten, hat die Band „R / H / 1“ komplett gespielt und nimmt sich nun die Zeit, eine Cover-Version von Stromae, „Alors On Danse“ abzufeiern, nebst eignen Oldies. An Selbstbewusstsein gebrach es Revolverheld nie – nun machen sie, was sie wollen, und ihre Fans lieben sie dafür.