Rezeptpflichtige Arzneien Apotheker warnen vor Lieferengpässen

Laut der Apothekervereinigung ABDA sind beispielsweise  auch Medikamente gegen Depressionen, Epilepsie oder Parkinson  von Lieferengpässen betroffen. (Symbolfoto) Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Laut der Apothekervereinigung ABDA sind beispielsweise auch Medikamente gegen Depressionen, Epilepsie oder Parkinson von Lieferengpässen betroffen. (Symbolfoto) Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Erneut haben Apotheker in Deutschland vor Lieferengpässen bei rezeptpflichtigen Arzneien gewarnt. Im ersten Halbjahr sei die Zahl der nicht verfügbaren Mittel auf 12,1 Millionen Packungen gestiegen.

Berlin - Apotheker warnen vor Lieferengpässen bei rezeptpflichtigen Arzneien in Deutschland. Im ersten Halbjahr sei die Zahl der nicht verfügbaren Mittel, die Krankenkassen per Rabattvertrag für ihre Versicherten vorgesehen hatten, auf 12,1 Millionen Packungen gestiegen. Das seien 68 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und fast so viele wie 2017 und 2018 zusammen, teilte die Apothekervereinigung ABDA am Montag in Berlin mit.

„Nicht nur Blutdrucksenker, Magensäureblocker oder Schmerzmittel, sondern auch Medikamente gegen Depressionen, Epilepsie oder Parkinson sind von Lieferengpässen betroffen“, sagt ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold vor einer Fachkonferenz zu dem Thema an diesem Dienstag.

Oft alternative Medikamente zur Behandlung

Apotheker warnen seit langem vor Lieferengpässen bei Arzneien. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sieht aber keinen Grund für Alarmstimmung. Die Bonner Behörde beobachtet derzeit 245 Lieferengpässe - bei mehr als 101 000 „verkehrsfähigen Arzneimitteln“ in ihrem Zuständigkeitsbereich. Zwar gebe es einen stetigen Anstieg der Meldungen zu Lieferengpässen, allerdings seien die Kriterien 2017 umfassend geändert worden, sodass es neue Grundlagen für Meldungen gebe. Auch sei ein Lieferengpass noch lange kein Versorgungsengpass, dass es oft alternative Medikamente zur Behandlung gebe.

Die ABDA betonte, um die Produktion in Europa zu stärken, brauche es einen europäischen Ansatz. „Wie sensibel die Arzneimittelversorgung auf Produktionsausfälle, Exportstopps oder Logistikprobleme in Asien reagiert, hat uns die erste Welle der Corona-Pandemie gezeigt“, sagte ABDA-Vizepräsident Arnold. Die neue Arzneistrategie der Europäischen Kommission sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Die EU-Kommission Lücken will nach der Corona-Pandemie Lücken in der europäischen Arzneimittelversorgung schließen. Zugleich sollen neue Medikamente möglichst für alle Bürger zugänglich und erschwinglich bleiben. Die Arzneimittelbehörde EMA soll unter anderem Engpässe künftig frühzeitig aufdecken und gegensteuern.

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