Rheintalbahn Bahn meldet: Züge rollen wieder

Von Stefan Jehle 

Der Neustart nach dem Tunneleinsturz bei Rastatt hat geklappt. Seit Mitternacht läuft der Verkehr auf der Rheintalbahn wieder rund und weitgehend pünktlich. Doch für die Bahn gibt es neuen Ärger in Form einer Strafanzeige.

Der erste TGV rast im gewohnten Tempo über die frisch reparierte Havariestelle bei Rastatt. Foto: Jehle
Der erste TGV rast im gewohnten Tempo über die frisch reparierte Havariestelle bei Rastatt. Foto: Jehle

Karlsruhe - Nach siebenwöchiger Sperrung rollen seit den frühen Morgenstunden des heutigen Montags wieder durchgängig die Züge auf der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel. Kurz nach Mitternacht war der erste Zug über die neu verlegten Gleise bei der Havarie-Stelle in Rastatt gerollt. Um pünktlich 7.32 Uhr verließ auch der erste grenzüberschreitend verkehrende TGV den Karlsruher Hauptbahnhof in Richtung Süden. Der Gegenzug aus Straßburg war kurz zuvor eingerollt.

Auch der durchgehende Güterverkehr auf der Trasse lief am Montag wieder an. Die für den gesamten europäischen Bahnverkehr bedeutsame Nord-Süd-Verbindung war seit dem 12. August gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn sollen auch fast alle Personenzüge wieder nach Plan fahren. Die Zuganzeigetafeln an den Bahnhöfen in der Region versprachen am Vormittag fast durchgängig pünktliche Ankunfts- und Abfahrtszeiten. So rollte etwa kurz nach sieben Uhr auch der ICE über Basel in das schweizerische Chur fast pünktlich vom Gleis. Die von Konstanz her kommende Schwarzwaldbahn kam kurz vor acht Uhr in Karlsruhe an. Rastatt, das zeitweilig als Umsteigestelle diente, wird nun wieder das, was es vor dem Absacken der Gleise war: ein Durchgangsbahnhof.

S-Bahn-Fahrer müssen noch in den Bus

Fahrgäste der Stadtbahnen im S- und Regionalbahnverkehr der Karlsruher Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) müssen aber noch zwei Tage Geduld haben. Die AVG hatte in der vergangenen Woche angekündigt, ein durchgehendes und reguläres Fahrplanangebot auf den Strecken nach Baden-Baden, Bühl und Achern erst ab Mittwoch wieder anzubieten. Deshalb müsse die AVG bis einschließlich Dienstag „das aktuelle Betriebskonzept aufrechterhalten“. Offensichtlich hatten sich die Betreiber der Stadtbahnen auf die ursprünglich anvisierte Wiederinbetriebnahme der Strecke am 7.Oktober eingestellt.

Betroffene Fahrgäste der Linien S7 und S71 müssen deshalb – wie in den vergangenen Wochen – noch zwei Tage länger in Rastatt, sowie in der Gegenrichtung ab Baden-Baden, auf Ersatzbusse umsteigen. Allerdings dürfen die Kunden mit Nahverkehrs- und KVV-Verbundtickets bis einschließlich 6. Oktober ohne Aufpreis die Fernzüge auf dem Abschnitt zwischen Karlsruhe und Offenburg nutzen.

Bahn dankt den Anwohnern

Der Bahnverkehr „verlaufe seit Betriebsstart um 0.01 Uhr reibungslos“, teilte die Bahn am Montagmorgen mit. „Die mehrwöchige Sperrung war eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten, die wir vor allem durch die engagierte Zusammenarbeit gut gemeistert haben. Unseren Kunden möchten wir ausdrücklich für ihr Verständnis und ihre Geduld danken“, sagte Sven Hantel, der baden-württembergische Konzernbevollmächtigte der DB.

Auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Baden-Baden sind täglich bis zu 30 000 Reisende unterwegs, die während der Sperrung in Busse umsteigen mussten und damit rund eine Stunde länger unterwegs waren. Insgesamt fuhren die Busse jeden Tag bis zu 450 Mal zwischen Rastatt und Baden-Baden und zurück. In Rastatt halfen nach Angaben der Bahn 60 zusätzliche Mitarbeiter den Reisenden beim Umsteigen und verteilten neben Wasser auch 400 000 Reisegutscheine im Wert von je 10 Euro.

Am Mittwoch läuft wieder das volle Programm

Um den Anwohnern im Rastatter Stadtteil Niederbühl für ihre Geduld und ihr Verständnis zu danken – die Bauarbeiten zur Verfüllung des eingestürzten Neubautunnels liefen rund um die Uhr – lud die Bahn für den Montagabend zu einer Anwohnerveranstaltung ein.

Für den kommenden Mittwoch, dem Tag nach dem Feiertag, erwartet die Deutsche Bahn bereits wieder eine „Spitzenauslastung“. 175 Güterverkehrszüge seien angemeldet worden, sagte ein Sprecher der Bahn. Viele dieser Verkehre werden von privaten Güterverkehrsunternehmen abgewickelt. Mit dem Wiederanrollen der Güterzüge enden die umfangreichen Umleitungsverkehre der letzten Wochen auf den – in vielen Fällen kurzfristig ermöglichten – Alternativstrecken. Die Bahn legt zudem Wert auf die Feststellung, dass mit Wiederinbetriebnahme der Trasse bei Rastatt an den Gleisen der Rheintalbahn im Bereich der Tunnelbaustelle auch wieder Sensoren und Messeinrichtungen installiert wurden, die „lückenlos und rund um die Uhr die Lage der Gleise über der Tunnelröhre“ überwachen sollen. Diese Sensoren hatten den Einsturz des Tunnels gemeldet, bevor der nächste Zug über die darüber liegende Bestandstrecke gefahren wäre.

Neue Sperrungen im Schwarzwald

Für Fahrgäste der Schwarzwaldbahn von Offenburg, über Sankt Georgen und Villingen-Schwenningen in Richtung Konstanz hat die Bahn am Wochenende allerdings bereits wieder neue Einschränkungen angekündigt: zwischen Offenburg (ab der Haltestelle Kreisschulzentrum) und Hausach im Kinzigtal wird die Strecke wegen Gleiserneuerungsarbeiten und Arbeiten an den Oberleitungen erneut gesperrt. Zwischen dem 9. Oktober und dem 19.November wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Strafanzeige gegen die Bahn

Unterdessen liegt seit dem Wochenende eine Strafanzeige gegen Verantwortliche der Deutschen Bahn vor. Wegen einer „unglaublichen Fahrlässigkeit der Verantwortlichen“ sei man bei Rastatt „um Haaresbreite an einer großen Eisenbahnkatastrophe mit dramatischen Folgen“ vorbeigeschrammt, teilte ein Sprecher von Stuttgart 21 mit. Denn entgegen anfänglichem Leugnen und Herunterspielen der Bahn hätten am 12. August zwischen 10.47 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem die Gleisabsenkung mit der Tunnel-Havarie registriert wurde, und 11.03 Uhr, als die Strecke gesperrt wurde, sehr wohl noch mehrere Züge die Unfallstelle passiert.

Die Strafanzeige wegen eines „gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr nach Paragraf 315 Strafgesetzbuch“ eingereicht hat der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S21, Rechtsanwalt Eisenhart von Loeper, zusammen mit dem pensionierten Richter am Landgericht Dieter Reicherter sowie dem Verkehrsexperten Winfried Wolf. Diese richte sich gegen die Verantwortlichen der Deutschen Bahn, allen voran den Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla, und Mitverantwortliche der beteiligten Baufirmen, heißt es in einer Mitteilung.