Rheintalbahn bei Rastatt Tunnel-Bohrmaschine wird einbetoniert

Von fal/dpa 

Nach dem Absacken der Rheintalbahn bei Rastatt wird das 18 Millionen Euro teure Gerät vorerst aufgegeben. Es hagelt Kritik an der Bahn.

Zur Stabilisierung der abgesackten Bahntrasse wird der Tunnel darunter mit Beton verfüllt. Foto: dpa
Zur Stabilisierung der abgesackten Bahntrasse wird der Tunnel darunter mit Beton verfüllt. Foto: dpa

Rastatt - Der beschädigte Tunnelabschnitt unter der abgesackten Rheintalbahn im badischen Rastatt soll bis Freitag auf 150 Metern Länge mit Beton gefüllt werden. Zunächst war nur von 50 Metern Länge die Rede gewesen. Bis zum Montag seien 6000 von geplanten 10 500 Kubikmetern Beton in die Röhre eingefüllt worden, sagte der Arbeitsgebietsleiter der Deutschen Bahn, Jürgen Kölmel, bei einer Baustellenbesichtigung am Montag. Die Gesamtmenge entspricht rund 1300 Betonmischer-Lastwagen.

Die 18 Millionen Euro teure und 90 Meter lange Tunnelvortriebmaschine wird komplett mit einbetoniert. Anschließend sollen die Gleise wieder hergestellt werden. Was genau etwa 40 Meter hinter dem Schneidrad der Tunnelbohrmaschine passiert ist, kann Kölmel nicht sagen. Immer wieder verweist er auf Untersuchungen, die erst angestellt werden müssten. Wo der Boden einbrach, war die Röhre bereits mit Betonringen ausgekleidet. Kann das Bohrgerät später geborgen werden? „Welchen Zustand die Maschine hat, kann man sich vorstellen“, sagt der Fachmann und wehrt weitere Fragen ab.

Es ist offen, wann die Strecke wieder freigegeben wird

Wenn der Beton in der Röhre trocken ist – was nach Kölmels Aussage schnell geht – könne mit der Wiederherstellung der Gleise begonnen werden. Wann wieder Züge fahren sollen, ist aber unklar. Der ursprünglich von der Bahn genannte Termin des 26. August ist jedenfalls obsolet. Dass die Züge wieder fahren, sei die erste Priorität, hat die Bahn immer wieder betont. Es werde rund um die Uhr gearbeitet.

Kein Wunder, denn auf dem gesperrten Abschnitt zwischen Rastatt und Baden-Bahren fahren normalerweise bis zu 200 Güterzüge pro Tag. Dazu in dichter Folge Regional- und Fernzüge mit Tausenden Passagieren. Der wirtschaftliche Schaden für die Bahn scheint in jedem Fall riesig. Wie und wann der Tunnel für die Neubaustrecke der Rheintalbahn überhaupt fertiggestellt werden kann, ist eine Frage, die Bahnsprecher und -manager am liebsten noch gar nicht hören möchten.

Am 12. August waren Wasser und Erdreich in die Röhre knapp fünf Meter unter der Bahntrasse eingedrungen, die Gleise sackten ab. Seitdem ist die wichtigste Nord-Süd-Schienenstrecke Mitteleuropas zwischen Rastatt und Baden-Baden gekappt. Nur ein Ersatzverkehr mit Bussen läuft.

Kritik kommt von den Grünen und vom VCD

Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) besucht an diesem Mittwoch die Unglücksstelle und informiert sich über den Stand der Arbeiten. Die Fraktion der Grünen im Landtag hat am Montag harsche Kritik an der Bundesregierung geübt. Der Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz sagte: „Es rächt sich, dass die Bundesregierung den Ausbau der Schienenwege in Baden-Württemberg viel zu lange viel zu sehr vernachlässigt hat. Man stelle sich vor, es gäbe im Straßenfernverkehr nicht eine einzige Umfahrung der A 5 – undenkbar.“ Im Zugverkehr sei dies Realität. Deshalb müsse mehr Geld in den Schienenverkehr fließen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bezeichnete das Absacken des Tunnels als Desaster. Der VCD-Bundesvorsitzende Wasilis von Rauch wirft der Bahn eine schlechte Planung beim Neubau und Mangelwirtschaft auf bestehenden Strecken vor: „Die Bahn hat keine Alternativen für einen Unfall geplant, alternative Strecken sind geschlossen oder nicht nutzbar, weil es noch mehr Baustellen gab.“