Der Ersatzverkehr läuft, auch der Güterverkehr soll umgeleitet werden. Jetzt arbeiten Experten daran, den Tunnel unterhalb der abgesackten Schienen bei Rastatt zu stabilisieren. Die Lösung scheint Beton zu sein.

Karlsruhe/Rastatt - Experten von Bahn und Bauunternehmen bereiten die Stabilisierung des Tunnels in Rastatt vor, über dem ein Abschnitt der Rheintalbahn abgesackt ist. Die wahrscheinlichste Lösung ist nach Angaben der Bahn Beton. Der Tunnel soll auf 50 Metern Länge komplett ausgefüllt werden. Das bedeutet aber auch, die teure Tunnelbohrmaschine, ein 90 Meter langes High-Tech-Gerät, wäre verloren. Sie kann nicht geborgen werden.

Wann und wie es dann unter der Erde weitergeht, konnte der Bahn-Bevollmächtigte für Baden-Württemberg, Sven Hantel, am Dienstag noch nicht sagen. Über der Erde könnte dann aber die Strecke wieder instandgesetzt werden. Wann wieder Züge über den Abschnitt der wichtigen europäischen Nord-Süd-Verbindung zwischen Rotterdam und Genua fahren können, ist unklar. Der zunächst angepeilte Termin 26. August stehe in Frage.

Mögliche Einbußen beim Tourismus

Die Stadt Baden-Baden fordert von der Bahn, dass der Zugverkehr zeitnah wieder regulär verläuft. Wegen der Ferienzeit könne es unter anderem zu Einbußen beim Tourismus kommen. „Knapp ein Fünftel unserer Touristen kommt mit der Bahn nach Baden-Baden. Es ist zu befürchten, dass der eine oder andere jetzt nicht kommt“, sagte Stadtsprecher Roland Seiter der „Heilbronner Stimme“ und dem „Mannheimer Morgen“ (Mittwoch). Zudem gebe es mehrere Tausend Ein- und Auspendler, die diese Strecke nutzen würden.

Die Rastatter SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek forderte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, sich einzubringen. „Es ist keine Aufgabe, die vor Ort gelöst werden kann. Es wird Zeit, dass sich der zuständige Bundesverkehrsminister der Sache annimmt und eine Lösung für die betroffenen Menschen findet“, sagte sie den beiden Zeitungen. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker aus Rastatt forderte ein schnelles Handeln der Bahn.

Der vereiste Boden sollte wasserundurchlässig sein

Die Bahn baut seit Jahren in einem Großprojekt die Rheintalbahn aus. Um das badische Rastatt vom Lärm zu entlasten, soll ein knapp 4300 Meter langer Tunnel mit zwei getrennten Röhren unter der Stadt durchführen. Der Schaden ist am Samstag dort aufgetreten, wo der Tunnel die alte Bahnstrecke kreuzt. Dabei gibt es nur wenige Meter Erde zwischen Tunnel und Oberfläche. Um das unterirdische Bohren zu ermöglichen, wurde der Boden vereist. Damit sollte er fest und wasserundurchlässig werden.

Der Schienenersatzverkehr für Reisende auf dem unterbrochenen Streckenabschnitt zwischen Rastatt und Baden-Baden funktioniere inzwischen gut, sagte Hantel. Schwieriger sei es im Güterverkehr. Es gebe bis zu 170 Anfragen für Güterzüge auf der Strecke täglich. Jetzt sollen Ausweichstrecken in Deutschland, Frankreich und der Schweiz angeboten werden. Güterzüge stauten sich nach Bahnangaben überall auf der Strecke von Rotterdam bis Genua. Die Bahn rechnet damit, dass Spediteure Verkehr vorübergehend auf die Straße verlagern.

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