Krimikolumne

Richard Stark: „The Hunter“ Zur Not allein gegen die Mafia

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Zwei Dutzend Parker-Romane hat der Schriftsteller Donald E. Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark verfasst. Den allerersten davon – „The Hunter“ – bringt der Zsolnay Verlag in einer neuen Übersetzung heraus. Ein Muss.

Ein Kerl wie ein Baum: Lee Marvin spielte seinerzeit  die Hauptrolle in der „Hunter“-Verfilmung. Foto: Warner Home Video /MGM
Ein Kerl wie ein Baum: Lee Marvin spielte seinerzeit die Hauptrolle in der „Hunter“-Verfilmung. Foto: Warner Home Video /MGM

Stuttgart - Schon allein das Cover ist eine Wucht. Ein Mann, schräg von hinten, groß, breitschultrig, schlechte Körperhaltung, eine Waffe in der Hand. Unverkennbar: Lee Marvin. Der hat 1967 in der „Hunter“-Verfilmung „Point Blank“ von John Boorman den Parker verkörpert. Und was diese entschlossene, virile, unbeugsame Figur optisch verspricht, hält auch der Inhalt. Klar. Parker, der namenlose Berufsverbrecher von Richard Stark alias Donald E. Westlake gehört zu den Ikonen des Genres.

Verglichen mit den späteren Parker-Romanen ist „The Hunter“ rauer, kerniger, gewalttätiger. Arbeitet Stark mit zunehmender Routine das Motiv „Profi scheitert, weil er mit Laien zusammenarbeiten muss“ fast bis an die Grenze zur Groteske aus, so ist im 1962 erschienenen Erstling die Kollegenschar im Rahmen des üblichen Berufsrisikos eine miese Bande.

Von der Ehefrau angeschossen

Hier wie dort sieht sich Parker aber um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Seine Frau hat in „The Hunter“ hinter seinem Rücken gemeinsame Sache mit einem Komplizen gemacht und in tödlicher Absicht sogar auf ihn geschossen. Parker kommt knapp davon, versehrt zwar und mit einer absurden Gefängnisstrafe wegen Landstreicherei. Doch jetzt schwört er Rache. Und er will im Grunde nur haben, was er sich erworben hat.

Dafür greift unser Held in diesem Band sehr viel schneller zur Waffe als in späteren Romanen. Nicht nur, um zu überzeugen, sondern auch um umstandslos zu töten. Dass er, der Einzelgänger und Gelegenheitskumpan, dabei die ganze Mafia provoziert, ist ihm egal. Helden von diesem Kaliber werden heute gar nicht mehr hergestellt.

Der verstolperte Verdienst

Doch seine ganze Umsicht und seine ganze Courage bewahren Parker nicht davor, am Ende seinen Verdienst zu verstolpern. So leicht lässt Richard Stark ihn – und uns Leser – nicht davonkommen. So sieht sich der Profi gezwungen, unverzüglich mit seiner Hände Arbeit Ersatz zu beschaffen.

Fortsetzungen – wie aller Parker-Fans wissen – folgten dann. Zum Glück.

Richard Stark: The Hunter. Roman. Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. 192 Seiten, Paul Zsolnay Verlag, 17,90 Euro, auch als E-Book; die Verfilmung unter dem Titel „Point Blank“ gibt es als Blu-ray bei Warner Home Video.