Richtfest in Bad Cannstatt St. Peter in neuem Glanz – Gemeinde freut sich auf den Neuanfang

Von Saskia Drechsel 

Die Kirche St. Peter in Bad Cannstatt war Anfang der 70er Jahre gebaut worden. Aus energetischen Gründen musste sie abgerissen werden. Nun ist im Neubau Richtfest gefeiert worden.

Der Rohbau der neuen Kirche St. Peter steht. Das wurde beim Richtfest gebührend gefeiert. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der Rohbau der neuen Kirche St. Peter steht. Das wurde beim Richtfest gebührend gefeiert. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - St. Peter neu – so nennen Gemeindemitglieder den Rohbau auf dem Memberg in Bad Cannstatt. Sie alle können es kaum erwarten, ihre neue Kirche mit Gemeindezentrum zu nutzen. Am Dienstagnachmittag wurde Richtfest auf der Baustelle an der Winterbacher Straße gefeiert. In gut einem Jahr sollen in dem Neubau die ersten Gottesdienste stattfinden.

„Der Neubau ist ein Leuchtturmprojekt für die Diözese Rottenburg-Stuttgart und ein Neustart für unsere Gemeinde“, sagt Pfarrer Martin Knee, schließlich sei St. Peter im Moment der einzige Kirchenneubau in der Diözese. Jahrelang hatte man im Vorfeld beraten und sich schlussendlich für einen Neubau entschieden. Das größte Problem der alten Kirche St. Peter, fertiggestellt im Winter 1972, war von Beginn an die mangelhafte Isolierung. „Von vornherein war klar, in der alten Kirche ist es chronisch zu kalt, und sie ist nicht zu heizen. Die Kosten sind explodiert. Gegen 2020 hätten wir den Laden schließen müssen“, weiß Knee. Das große Engagement der Gemeindemitglieder machte das Bauprojekt erst möglich, das nicht nur den Neubau der Kirche, sondern die ursprünglich getrennte Kindertagesstätte mit umfasst. Die Investitionskosten belaufen sich auf insgesamt 6,3 Millionen Euro, von denen die Gemeinde rund 1,4 Millionen Euro selbst aufbringen muss. „Es war ein schwerer Schritt, aber die alte Kirche hat nicht mehr der Zeit entsprochen“, sagt Manfred Wörle, der Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates St. Peter.

Altbau energetisch unzureichend

Seit vierzig Jahren ist Birgitta Ziehm schon Teil der Gemeinde. Sie wohnt gleich nebenan und verfolgt den Baufortschritt täglich. „Hinter uns liegt eine Durststrecke. Nach dem Abriss ist auf dem Gelände eine ganze Weile nichts passiert. Seit gebaut wird, kann man sich die Dimension des Vorhabens besser vorstellen“, sagt Ziehm. Nicht einfach ist es in dieser Zeit, die Gemeinde zusammenzuhalten. In der Argonnenstraße wurden Räumlichkeiten angemietet, in denen regelmäßig ein Gottesdienst stattfindet, dennoch fehlt etwas. „Ich freue mich schon darauf, wenn die neue Kirche mit Leben gefüllt ist“, so das Gemeindemitglied.

Ende Januar 2019 hofft Pfarrer Knee einen ersten Gottesdienst feiern zu können. Zurzeit läuft der Bau nach Plan und wurde noch von keinen Zwischenfällen behindert. Die Bauleitung hat das Stuttgarter Architekturbüro Kamm inne und will „ein Haus für Leib und Seele schaffen“, so der Architekt Stefan Kamm. Auch wenn es der Rohbau nur schwer erahnen lässt – bald sollen eine Empore und eine Galerie für eine gelungene Atmosphäre sorgen. Der Gebäudekomplex enthält nicht nur die Kirche, sondern ein integriertes Gemeindezentrum, eine größere Kindertagesstätte und das Pfarrbüro. Betritt man den Eingangsbereich, führt ein Flur nach links in die Kindertagesstätte, der nach rechts in den Kirchenraum. „Wir versprechen uns eine besondere Atmosphäre und ein gegenseitiges Befruchten mit der Kindertagesstätte nebenan“, sagt Manfred Wörle. Zuvor war man jahrelang nur nebeneinander auf dem Gelände, nun sind Kindertagesstätte und Kirche unter einem Dach.

Alte Mosaike werden erhalten

Zweihundertfünfzig Menschen werden in der Kirche Platz finden, die Kapazität kann für bis zu fünfhundert Besucher erweitert werden. Ein Laubengang wird das Haus umschließen, helle Ziegel bilden die Fassade, es ragt bis zu zehn Meter empor. Ein kleiner Turm ist vorgesehen. „Wie er genau aussehen soll, da befinden wir uns gerade noch im Entstehungsprozess und binden alle Beteiligten mit ein“, sagt Architekt Kamm. In der Planung hat er viel Wert auf die Multifunktionalität des Gebäudes gelegt. In Erinnerung an die alte Kirche sollen darin enthaltene Mosaike auch St. Peter neu schmücken.

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