Im dritten Anlauf hat sie den Sprung aus der Schublade geschafft: Der Rohbau der neuen Riedwiesensporthalle von Renningen ist inzwischen unübersehbar. Neben der Rankbachhalle ragt er empor. Der Baufortschritt ist nun sogar so weit, dass die Stadt am Freitag das Richtfest feiern konnte.
Den Bürgermeister von Renningen, Wolfgang Faißt (Freie Wähler), begleitet das Thema schon so lange, wie er Bürgermeister ist. Das ist nun 24 Jahre her. Etwa genauso lang fordern Vertreter von Vereinen und Schulen die Halle, weil der Platz in den übrigen Sportstätten nicht ausreicht. „2002/2003 haben wir einen ersten Anlauf unternommen, doch dann kam eine Wirtschaftskrise“, erinnert er sich. „Wir haben die Halle also erst mal in die Schublade gepackt.“ Etwas fünf Jahre später folgte der nächste Versuch. „Doch dann kam die Weltwirtschaftskrise.“ Und die Pläne für die Halle wurden wieder auf die Wartebank geschoben. „2017/2018 haben wir einen erneuten Griff in besagte Schublade getan und die Halle in Angriff genommen – nicht wissend, dass wir in die dritte Krise geraten werden.“
Die Kosten schießen früh durch die Decke
Gemeint sind selbstverständlich die Coronapandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Lieferketten waren unterbrochen, die Preise stiegen immer weiter. Aus den ursprünglich angedachten zehn Millionen Euro für die Sporthalle wurden schnell 13 Millionen, ein Ende war nicht in Sicht. Die Unsicherheit, wie teuer das Projekt noch werden könnte, wuchs. Bedenken, die es bereits vorher gab – immerhin hat Renningen bereits drei Sporthallen und noch genügend Großprojekte auf dem Schirm –, ebenso.
„Im Juni 2022 haben wir darüber diskutiert, ob wir es uns leisten können, die Halle ein drittes Mal aufzuschieben“, erzählt Wolfgang Faißt. „Wir kamen aber zu dem Ergebnis: Schon die vergangenen Male ist es immer teurer geworden, und wenn wir es noch mal verschieben, wird es nur noch teurer.“ Hinzukam, dass bei einem längeren Aufschub die Gefahr bestanden hätte, dass die 1,2 Millionen Euro, die bis dahin bereits in das Projekt geflossen waren, umsonst ausgegeben worden wären. „Augen zu und durch“, lautete also die Devise. „Mittlerweile sind wir bei mehr als 15 Millionen Euro angelangt“, konstatiert der Bürgermeister. Nur der guten finanziellen Lage der Stadt Renningen ist es zu verdanken, dass die Kostensteigerungen, die auch die anderen Großbaustellen der Stadt betrifft, bisher ohne eine Neuverschuldung geschultert werden konnten.
„Renningen etabliert sich als Sportstadt“
Aus Sicht des Bürgermeisters war die Entscheidung des Gemeinderats dennoch eine weitsichtige. Denn der Bedarf an Sportstätten sei immer weiter gestiegen. Mittlerweile siedelt Renningen sein nächstes großes Baugebiet Schnallenäcker III auf, in dem weitere 1000 Einwohner eine neue Heimat finden sollen. „Renningen etabliert sich mit dieser Halle als zukunftsfähige Sportstadt“, so Faißt. „Bewegung für Kinder und Erwachsene wird meines Erachtens immer wichtiger.“
Abseits der Preissteigerungen läuft es an der Sporthallenbaustelle rund. „Wie ich gehört habe, ist das sogar unsere am besten laufende Baustelle“, ergänzt Faißt schmunzelnd. Nach dem Rückbau des einstigen Kleinspielfeldes begannen in der zweiten Jahreshälfte 2022 die Rohbauarbeiten – „mit dem Setzen von über 200 Rammpfählen“. Der Rohbau stand Ende 2023 bereits in voller Größe da, es folgten Holz- und Dacharbeiten. „Für die 36 Meter langen Holzbinder mussten wir sogar Straßenschilder abbauen, um die Anlieferung zu gewährleisten.“
Die Fertigstellung ist für die zweite Jahreshälfte 2025 geplant. Dann soll die 73 Meter lange und 43 Meter breite Vierfeldhalle Platz für alle Ballsportarten bieten. Hinzu kommt neben den üblichen Umkleiden außerdem ein großes Foyer, ein Besucherbereich, eine Galerie für Zuschauer und eine Dachterrasse. Das Besondere an der Turnhalle wird sein: Die Turngeräte bleiben stehen und müssen nicht jedes Mal ab- und aufgebaut werden. „Man muss also nicht mehr die halbe Sportstunde damit verbringen“, so Faißt. Geplant wurde die Halle vom Büro Drei Architekten aus Stuttgart.