Riechstörung Wenn Schokolade wie Pappe schmeckt

Von Christine Amrhein 

Riechstörungen kommen in der Praxis überraschend häufig vor. Wenn man nichts mehr riecht, kann das auch ziemlich gefährlich werden.

Den Geruch von Frühlingsblumen können Menschen mit einer Riechstörung nicht mehr wahrnehmen. Foto: dpa
Den Geruch von Frühlingsblumen können Menschen mit einer Riechstörung nicht mehr wahrnehmen. Foto: dpa

Stuttgart - Meistens belehrt uns erst der Verlust über den Wert der Dinge", schrieb Arthur Schopenhauer. Im Fall des Geruchssinns trifft dieser Satz ins Schwarze: Erst wenn er nicht mehr da ist, wird vielen bewusst, was sie verloren haben. Plötzlich fehlt der Geruch von Frühlingsblumen und Herbstlaub, der Duft von frischen Brötchen, der vertraute Geruch des Partners. Gerüche, die Erinnerungen an alte Zeiten weckten, existieren nicht mehr, und Braten, Gemüse und Kuchen schmecken gleichermaßen fade - denn ein Großteil ihres Aromas kommt durch Geruchsstoffe zustande.

Riechstörungen kommen in der Praxis überraschend häufig vor. "Studien zeigen, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung gar nichts riechen, weitere 15 bis 20 Prozent haben ein Riechproblem", sagt Thomas Hummel, Leiter des Arbeitsbereichs Riechen und Schmecken an der Universitäts-HNO-Klinik Dresden. "Dies kann bedeuten, dass sie Gerüche vermindert oder verändert wahrnehmen oder Gerüche riechen, die gar nicht da sind."

Riechstörungen können gefährlich sein

Charakteristisch ist auch, dass die Riechfähigkeit im höheren Alter abnimmt - bei Männern deutlicher als bei Frauen. So ist von 50 Jahren an etwa jeder Vierte und vom 70. Lebensjahr an etwa jeder Zweite von einer Riechstörung betroffen. Allerdings kann der Geruchssinn auch abrupt und in jungen Jahren verloren gehen, und manche Menschen kommen sogar ohne die Fähigkeit zu riechen auf die Welt.

"Riechstörungen führen häufig zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität", sagt Richard Costanzo, Riechexperte an der US-amerikanischen Virginia-Commonwealth-Universität in Richmond. Sie können auch gefährlich sein: "Die Betroffenen nehmen zum Beispiel Brand- oder Gasgeruch und verdorbene Lebensmittel nicht mehr wahr." Und Menschen in Berufen, in denen es auf eine gute Nase ankommt - zum Beispiel Köche oder Feuerwehrleute - sind gezwungen, sich nach einem anderen Job umzusehen.