Riedseeschule in Stuttgart-Möhringen Weil Krabbeltiere es wild lieben

Von  

„Lass es blühen! – Gemeinsam für Insektenvielfalt“ – so heißt die neue Initiative der Stadt Stuttgart, der Evangelischen Landeskirche und weiterer Partner. Wir klären, warum ein Schulgarten eine Zuflucht für Insekten und ein wichtiges Element in einer Ganztagsschule ist.

Die Mädchen und Jungen der Riedseeschule haben am Mittwochvormittag zusammen mit OB Fritz Kuhn (im Hintergrund Mitte) eine Blumenwiese gesät. Foto: Alexandra Kratz
Die Mädchen und Jungen der Riedseeschule haben am Mittwochvormittag zusammen mit OB Fritz Kuhn (im Hintergrund Mitte) eine Blumenwiese gesät. Foto: Alexandra Kratz

Möhringen - Vereinzelt fallen Regentropfen in den kleinen Tümpel im Schulgarten der Riedseeschule. Langsam ziehen sie immer größere Kreise. Bäume und Büsche blühen, Vögel zwitschern in den Ästen. Es ist ein kleines Idyll, das da versteckt hinter dem großen Komplex an der Sigmaringer Straße liegt. Alles sieht ein bisschen verwildert aus. Klar, das Frühjahr hat ja auch gerade erst begonnen. Und wie geleckt soll der Schulgarten der Riedseeschule auch gar nicht sein. Ganz im Gegenteil, denn gerade dort, wo es ein bisschen wüst aussieht, fühlen sich Insekten und viele andere kleine Tiere wohl. Sie wollen keinen englischen Rasen, sondern brauchen bunte Wiesen mit vielen Pflanzenarten, die von manchem Gärtner als Unkraut verunglimpft werden. Verblühte Pflanzen, abgestorbenes Holz und Steinhaufen dienen ihnen als Nist- und Überwinterungsplätze.

Das alles wissen die Kinder der Garten-AG der Riedseeschule schon längst. Denn sie sind regelmäßig in ihrem Schulgarten zugange. Angeleitet werden sie dabei von Barbara Stengel. Es gehe darum, dass die Kinder die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt erleben können und die Zusammenhänge erkennen, sagt die Lehrerin. Und sie sollen lernen, dass Natur Pflege und Unterstützung brauche, dass auch der Mensch abhängig sei von der Natur und darum, Verantwortung für diese zu übernehmen, sagte Stengel. Zudem ist der Schulgarten ein wichtiges Element im Ganztagskonzept der Schule. Beim Buddeln in der Erde würden alle Sinne der Kinder geschult, sagt Stengel. Gleichzeitig sei es eine Erholungs-, Bewegungs- und Freizeitphase. „Hinterher sind die Kinder meist ausgeglichener“, so ihre Erfahrung. Die Riedseeschule ist eine von vier Pilotschulen, die sich an dem städtischen Projekt „Naturzeiten im Ganztag“ beteiligt. Künftig sollen noch mehr das Thema Natur in ihre Ganztagsbetreuung integrieren.

Das Ziel ist es, auf das Insektensterben aufmerksam zu machen

Am Mittwochvormittag packten auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn und die Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs im Schulgarten an der Sigmaringer Straße mit an. Gemeinsam mit den Mädchen und Jungen säten sie eine eigens zusammengestellte Blumensamenmischung. Der offizielle Termin war der Auftakt zu der Initiative „Lass es blühen! – Gemeinsam für Insektenvielfalt“ der Stadt Stuttgart, der Evangelischen Landeskirche und weiterer Partner. Das Ziel ist es, auf das Insektensterben aufmerksam zu machen. Es gehe nicht nur um den Verlust einiger bunter Schmetterlinge am Blumenkasten. „Unser aller Lebensgrundlage hängt davon ab“, erklärte Kuhn den Kindern. Insekten seien Nahrung für andere Tiere, sie bestäuben Pflanzen, sorgen für fruchtbare Böden und tragen zur Reinigung der Gewässer bei.

Sonderthemen