Riesen-Bauprojekt im Kreis Böblingen Minister bringt 53 Millionen Euro mit zum Klinik-Richtfest

Kommt ein Richtkranz geflogen: Der Rohbau des neuen Krankenhauses ist fast fertig. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Musik, gute Laune und viel Geld: Auf dem Flugfeld wird die Vollendung des Rohbaus gefeiert. Trotz aller Freude und Zuversicht gibt es auch einige ungeklärte Fragen.

Draußen brennt die Sonne, aber der Rohbau des Flugfeldklinikums ist angenehm klimatisiert. Im Eingangsbereich, dort, wo ab dem Jahr 2026 Patienten und Mitarbeitende durch die Lobby gehen und mit den Aufzügen fahren sollen, sind etliche lange Bierbänke und Tische aufgestellt. Es ist ein Tag zum Feiern. Hunderte Menschen, die sich auf der Großbaustelle an der Calwer Straße in Böblingen versammelt haben, feiern ein doppeltes Richtfest. Für das zukünftige gemeinsame Krankenhaus der Städte Böblingen und Sindelfingen sowie das benachbarte Verwaltungshochhaus.

 

Reicht der Platz?

Manch ein Beobachter wird sich in den vergangenen Tagen die Frage gestellt haben, ob die Flugfeldklinik nicht am Tage ihres Richtfestes bereits ein Fall für die Erweiterung ist. Wie berichtet, plant der Klinikverbund Südwest, die Krankenhauslandschaft im Kreis Böblingen umzubauen. Die Flugfeldklinik würde demnach aufgewertet zu einem Haus der Maximalversorgung auf Uniklinik-Niveau. Dies würde wohl bedeuten, dass künftig auch eine neurochirurgische Abteilung dort Platz finden müsste. Entsprechende Betten, Kapazitäten im OP-Saal und eine notwendige Ambulanz sieht das derzeitige Raumprogramm allerdings nicht vor.

Landrat stellt volle Ausstattung in Aussicht

Auf Anfrage erklärt das Landratsamt als Träger der Flugfeldklinik, dass das aktuelle Konzept mit derzeit etwas mehr als 700 Betten nicht verändert werden soll. Allerdings betont Kreis-Sprecherin Simone Hotz, dass die Empfehlungen der externen Gutachter noch vom Landkreis und den Gremien des Klinikverbundes beraten und beschlossen werden müssten. Mit einer endgültigen Entscheidung wird noch in diesem Jahr gerechnet. Dann erst stehen die Leitlinien für die Zukunft der Kliniken im Landkreis fest.

Landrat Roland Bernhard (parteilos) deutete in seiner Festrede jedoch an, dass ihn das Fehlen der Neurochirurgie und einer Neuroradiologie durchaus beschäftigt. Idealerweise sollten alle Disziplinen vertreten sein. Auf dem Gelände der Flugfeldklinik existiert noch eine freie Fläche, die den Plänen zufolge für eine Erweiterung in der Zukunft vorgehalten werden soll.

Kassensturz im Herbst

Dennoch: Das Feiern stand an diesem Tag im Vordergrund. Ein Foodtruck mit roten Würsten und Maultaschen, Getränke, und eine Herrenberger Trommelgruppe, die mitreißend mit Besen, Eimern und Metallfässern musizierte, umrahmten das Richtfest, dessen Ehrengast Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) war. Schließlich überbrachte er ein gewaltiges finanzielles Geschenk: 53 Millionen Euro Förderung aus Landesmitteln sprach er dem Flugfeldklinikum zu – und zwar zusätzlich zu den bereits bewilligten 226 Millionen Euro.

Wie teuer das Multimillionenprojekt letzten Endes wird, das können die Verantwortlichen derzeit gar nicht so genau sagen. 70 Prozent der Vergaben seien bereits getätigt, so Landrat Bernhard. Im Herbst werde man dann erneut einen Kassensturz machen. Nach dem letzten Stand kostet das Flugfeldklinikum 621 Millionen Euro. Es wird wohl mehr werden.

Jetzt beginnt der Innenausbau

Mit Blick auf das vor wenigen Tagen vorgestellten Eckpunktepapiers zur Krankenhausreform und dem jüngst präsentierten Gutachten zu den Standorten des Klinikverbunds Südwest gab sich dessen Geschäftsführer Alexander Schmidtke zuversichtlich. „Unsere Medizinkonzeption antizipiert das Eckpunktepapier“, sagt er. Er verstehe sehr wohl, dass Entscheidungen, die die Gesundheitsvorsorge beträfen, emotional aufgeladen seien. „Ärger und Ängste sind da völlig normal.“ Wichtig sei, dass noch nichts beschlossen sei. Man werde sich in den kommenden Wochen in verschiedenen Gremien und auch mit den Mitarbeitenden mit den Empfehlungen der Gutachter auseinandersetzen und auch versuchen, eigene Ideen einzuarbeiten.

Für das Flugfeldklinikum ist das noch Zukunftsmusik. Bis dort einmal jährlich rund 35 000 stationäre und 120 000 ambulante sowie 60 000 Notfallpatienten behandelt werden können, muss noch eine Menge passieren. Der Rohbau ist abgeschlossen. „Der Tanz der Kräne geht langsam zu Ende“, wie es der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) ausdrückte. Nun geht es an den Innenausbau. Bei ihrem doppelten Richtspruch beschworen Vertreter der beteiligten Baufirmen – Leonhard Weiss für das Klinikum und Georg Reisch für das benachbarte Verwaltungsgebäude – den lieben Gott und stießen unter den beiden Richtkronen auf das größte Bauprojekt an, das der Landkreis Böblingen wohl je gesehen hat.

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