Riesenrad „City Star“ im Kreis Böblingen Star des Flugfelds zieht weiter

Am Sonntag dreht das Riesenrad hier die letzten Runden – vorerst. Foto: Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofitsch

Ausgedreht: Das mobile Riesenrad City Star verlässt den Kreis Böblingen. Die Veranstalter sind mit dem dreimonatigen Gastspiel zufrieden. Eine Verlängerung kam allerdings nicht in Betracht.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Nach ziemlich genau drei Monaten auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen macht sich die Familie Göbel mit ihrem „City Star“ bald wieder auf den Weg. „Wir haben es hier auf dem Flugfeld als sehr schön erlebt“, sagt Sebastian Göbel von der Betreiberfamilie. Rund 12 000 Runden hat das größte mobile Riesenrad Europas in dieser Zeit auf dem Festplatz vollendet. Etwa 50 000 zahlende Gäste sind dabei dem Himmel ein Stück näher gekommen.

 

Die Attraktion habe „den Puls der Zeit getroffen“, resümiert Lilly Scholz von der Agentur Eventstifter, die den Einsatz des City Stars vor Ort betreut und koordiniert hat. „Wir waren am Anfang sehr zufrieden“, sagt auch Göbel. Es habe einen großen Andrang auf die Pop-up-Attraktion gegeben. So sei man optimistisch gewesen, Familien zu Ostern eine Möglichkeit geben zu können, die Feiertage draußen zu verbringen. Dafür wurde auch eine Kirmes aufgebaut.

Kirmes war ein Erfolg

„Leider war das Wetter zu diesem Zeitpunkt nicht ganz auf unserer Seite“, so Scholz. Sturm und Regenschauer überschatteten einen Teil der zehn Tage, die der Rummel auf dem Festplatz blieb. „An den stürmischen Tagen haben wir mal eine halbe oder Dreiviertelstunde den Betrieb eingestellt“, sagt Göbel. „Das Riesenrad ist aber so konzipiert, dass es auch bei Sturm stabil ist.“ Trotz des schlechten Wetters kamen rund 60 000 Gäste. Das seien sehr gute Zahlen für eine Kirmes, „die es so davor noch nicht gab“, sagt Scholz.

Voll besetzt waren alle 48 Gondeln nicht durchgehend, dies sei aber auch höchstens beim regelmäßigen Aufenthalt in London der Fall. „Meist hatten wir 16 Gondeln in Betrieb“, sagt Göbel. Bei großem Andrang könnten aber schnell Gondeln dazu geschaltet werden, um die Wartezeiten gering zu halten.

Speisen in luftiger Höhe

Über die folgenden Wochen hätten die Besucherströme sich etwas ausgedünnt – offenbar hatte der Reiz des Neuen nachgelassen. „Aber in den vergangenen zwei Wochen hat der Trend wieder nach oben gezeigt“, sagt Göbel. „Viele Leute haben noch die letzte Gelegenheit genutzt, die Umgebung und ihre Heimat von oben zu betrachten.“

Ein Highlight waren sowohl für die Agentur als auch für die Schausteller die Dinnerveranstaltungen, die es jeden Mittwoch gab. In luftiger Höhe von 70 Metern am Scheitelpunkt wurden wahlweise schwäbische, italienische oder feine Drei-Gänge-Menüs angeboten. Auch Weinproben mit Weinen aus der Region konnten die Gäste im City Star erleben. Beides sei sehr gut angenommen worden, die Ticketverkäufe seien stetig gestiegen. „Die letzten drei Dinner waren komplett ausverkauft“, sagt Göbel.

Azubi-Speeddating im Riesenrad

Ein besonderes Event war auch der Helfertag, bei dem Rettungs- und Pflegekräfte sowie andere ehrenamtliche Helfer Ende April freie Fahrt im Riesenrad hatten. An die 1000 Leute nutzten das Angebot – das resultierende Gruppenfoto mit den Teilnehmenden in ihren Uniformen konnte sich sehen lassen. Auch Politiker, Influencer und ausländische Kunden zählen die Schausteller auf – und besondere Aktionen: Dazu zählt das Azubi-Speeddating im Riesenrad, das von der Südwest Media Network GmbH für Böblingen und Leonberg (SWMN) organisiert wurde. Sechs Stunden lang hatten Schülerinnen und Schüler die Chance, mit Vertretern von Unternehmen aus der Region ins Gespräch zu kommen und sich mit etwas Glück einen Ausbildungsplatz zu sichern.

Auch eine Fahndungsaktion spezieller Art hat es gegeben: Ein Gast aus Luxemburg hatte in einer Gondel eine Tasche mit all seinen Wertgegenständen liegen lassen. Über Ecken konnte er den Kontakt herstellen und seine Sachen wieder in Empfang nehmen.

Abbau dauert fast eine Woche

Nach der letzten Runde am Sonntagabend ist aber erst einmal Schluss. Von Hand werden dann bereits die ersten Teile abgeschraubt und für den Transport verstaut. Der Abbau braucht viel Personal – zwölf Leute müssen mit anpacken. Gerade gibt es aber viele Baustellen. Aus diesem Grund könnten die Arbeiten fast zwei Wochen dauern, sagt Scholz. Zuerst werden die Deko-Elemente und der Eingangsbereich mit den zwei Kassenhäuschen demontiert. Anschließend werden die 48 Gondeln auf insgesamt sieben Sattelauflieger geladen.

An den folgenden Tagen sind die 24 Speichen dran. Sie werden nacheinander mit Seilwinden abgelassen. „Das kann man sich vorstellen, wie eine Pizza, die nach und nach weniger wird“, sagt Scholz. Dann wird die Mastkonstruktion mittels Hydraulik automatisch abgelassen. Danach werden die Schrauben der sechs Trailer, die die Basis für das Riesenrad bilden, gelöst. Anschließend werden alle Auflieger an die Zugmaschinen angehängt. Die Arbeiten sind voraussichtlich spätestens Ende Juni abgeschlossen.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Eine Rückkehr in den Kreis Böblingen könne man sich definitiv vorstellen, sagt Sebastian Göbel. „Wir hatten hier eine gute Zeit. Man merkt, dass es noch kein alter Stadtteil ist“, sagt er über das Flugfeld. Mit den Gastronomien und dem See habe man ein schönes Flair im Quartier. „Aber wir kommen nicht unbedingt im nächsten Jahr wieder, es soll ja etwas Besonderes bleiben.“

Für den City Star geht es dann erst einmal zurück nach Worms. Die Familie Göbel fährt mit einem ihrer anderen sieben Riesenräder weiter zum nächsten Festplatz.

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