Riesige PV-Anlage für Oberstenfelder Freibad Pikant: Bürgermeisterin schert bei Abstimmung aus

Den Parkplatz vor dem Bad wird man im nächsten Jahr kaum wiedererkennen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Die Parkplätze am Oberstenfelder Freibad sollen mit einer PV-Anlage überspannt werden. Ausgerechnet die Bürgermeisterin der Partnerkommune Beilstein, die das Freibad mitbetreibt, stimmte gegen die Beschlussvorlage.

Der Zweckverband des Mineralfreibads in Oberstenfeld strebt schon lange an, die Freizeitanlage in Sachen ökologische Energieversorgung fit für die Zukunft zu machen. Dafür sind im Verwaltungsrat nun endgültig die Weichen gestellt worden. Das Gremium, in dem Vertreter der Verbandskommunen Oberstenfeld und Beilstein sitzen, hat sich dafür ausgesprochen, eine Photovoltaikanlage auf dem Parkplatz des Freibads in Oberstenfeld zu installieren und die Arbeiten dafür zu vergeben. Allerdings ging die Entscheidung nicht geräuschlos über die Bühne. Zwei Vertreter aus Beilstein stimmten gegen die Beschlussvorlage. Pikant daran ist, dass das Nein ausgerechnet von der Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld und ihrem Stellvertreter Oliver Kämpf kam.

 

„Mit meiner Stimme dagegen habe ich für eine ausgereiftere Planung des im Grunde sehr guten Projekts gestimmt“, erklärt Barbara Schoenfeld. „Das Vorhaben, die Energiekosten des Freibads durch Installation und Betrieb einer Photovoltaikanlage zu senken und diese Energie auch aus erneuerbaren Energien zu produzieren, ist sehr zu begrüßen“ und werde von der Stadt Beilstein unterstützt, betont sie. „Leider lagen uns in Beilstein im Vorfeld diverse Berechnungen und planerische Überlegungen in der gewünschten entscheidungsreifen Detailtiefe nicht vor, die dann aber im weiteren Verlauf der Sitzung nachgereicht wurden“, erklärt Schoenfeld.

Deshalb habe sie zunächst auch beantragt, den Tagesordnungspunkt zu vertagen und erst im Herbst zu behandeln. Für diesen Vorstoß fand sich in der Runde allerdings keine Mehrheit, sodass über das Thema wie angedacht abgestimmt wurde.

Bedenken an Rechtmäßigkeit

Hinter vorgehaltener Hand werden zudem Bedenken geäußert, ob es tatsächlich rechtmäßig war, einen Punkt mit solchen finanziellen Dimensionen unmittelbar nach den Kommunalwahlen und noch vor den konstituierenden Sitzungen der neuen Gemeinderäte beschließen zu lassen. Aus Beilstein wird beispielsweise lediglich ein Bruchteil der Mitglieder des aktuellen Verwaltungsrats überhaupt wieder im Gemeinderat vertreten sein.

Das Landratsamt Ludwigsburg sieht in dieser Konstellation aber kein Problem. „In der Zeit nach der Kommunalwahl und noch vor der Konstituierung des neuen Gemeinderats darf der ,alte Gemeinderat’ Entscheidungen treffen, die entweder nicht von wesentlicher Bedeutung für die Gemeinde sind oder die zeitlich dringend und somit unaufschiebbar sind“, erläutert die Pressesprecherin Franziska Schuster. Letzteres sei hier der Fall. „Eine Beschlussfassung erst im September hätte Fördermittel, die für dieses Projekt bereits bewilligt sind, gefährden können, da die Fristvorgabe mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht hätte eingehalten werden können“, konstatiert sie.

Bürgermeister sagt: Investition wirft Gewinn ab

Konkret geht es um 200 000 Euro, die das Land zuschieße, wie Markus Kleemann, Bürgermeister von Oberstenfeld, sagt. Rund eine Million Euro koste die Konstruktion insgesamt. Unterm Strich werfe die PV-Anlage aber sogar einen Gewinn für die Zweckverbands-Kommunen Beilstein und Oberstenfeld ab, sagt er. Die Module produzierten mehr Strom, als das Bad verbrauche. Der Überschuss werde eingespeist. Durch Einsparungen über den selbst produzierten Strom und die Einspeisevergütung mache man ein Plus, wenn man die Ausgaben für Zinsen und Tilgung für den Kredit gegenüberstelle.

Die PV-Anlage habe eine Leistung von 470 Kilowatt-Peak. Die Module sollen über den Stellflächen montiert werden, die Zufahrtsgassen frei von einer Überbauung bleiben. Zugleich sollen vier E-Ladesäulen mit jeweils zwei Anschlusspunkten installiert werden. Der Strom dafür werde ebenfalls von dem Modulen vom Dach abgezweigt, sagt Kleemann. Überdies wolle man Schränke aufbauen, in denen Akkus von E-Bikes verstaut und geladen werden können. Außerdem werde die Fahrradabstellanlage modernisiert. Das Ziel sei, vor allem auch Elektro-Räder sicher abschließen zu können. Die Umsetzung von all dem wird nach dem Ende der noch bis September laufenden Saison starten. „Wir wollen einen Großteil der Arbeiten bis zur Freibaderöffnung am 1. Mai abschließen“, sagt Kleemann.

Bund verweigert Zuschuss

Ursprünglich hatte das Projekt noch größere Dimensionen annehmen sollen, so war angedacht, auch die Dächer des Sanitärbereichs, des Kiosks und der Kasse mit Modulen zu bestücken. Im April habe man aber eine Absage vom Bund für ein Förderprogramm kassiert, auf das man sich beworben hatte, sagt Kleemann. „Wir haben deshalb eine kleinere Lösung entwickelt. Dieses Vorgehen war zuvor im Gremium auch so beschlossen worden“, sagt er. „Meine Kollegin in Beilstein wurde beständig und auch vor der Sitzung mit Informationen dazu versorgt. Im Nachhinein wäre es aber vielleicht besser gewesen, auch alle Verwaltungsräte auf direktem Wege regelmäßig auf den gleichen Kenntnisstand zu bringen“, erklärt Kleemann, der es „schade findet, dass Frau Schoenfeld am Schluss gegen das Projekt gestimmt hat“. Aber natürlich dürfe „jeder abstimmen, wie er mag“.

Wärmepumpe fürs Freibad Hoheneck

Umstellung
Auf eine nachhaltige Energieversorgung wollen auch die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) beim Freibad in Hoheneck umstellen. Aktuell werde dort der gesamte Wärmebedarf über Erdgas gestillt, teilen die SWLB mit. Fürs nächste Jahr sei die Inbetriebnahme einer hauseigenen Wärmepumpe geplant.

Notfallversorgung
Über die Pumpe werde künftig 85 Prozent der Wärme regenerativ erzeugt, der Rest weiterhin über Erdgas, „um im Notfall – zum Beispiel bei extremer Kälte – die Versorgungssicherheit über eine andere Wärmequelle gewährleisten zu können“. Die Pumpe selbst soll zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt werden.

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