Ringen: Deutsche Meisterschaften Erneuter Titelgewinn und ein „chaotischer“ Weg bis zu Olympia
Der Weilimdorfer Ringer Lucas Lazogianis ist bei den deutschen Meisterschaften nicht zu schlagen und gewinnt erneut in der Klasse bis 97 Kilogramm.
Der Weilimdorfer Ringer Lucas Lazogianis ist bei den deutschen Meisterschaften nicht zu schlagen und gewinnt erneut in der Klasse bis 97 Kilogramm.
Lucas Lazogianis vor elf Uhr zu erreichen, ist in diesen Tagen schwierig. Er hat die Woche über frei, das Handy auf lautlos gestellt und nutzt die Zeit zum ausgiebigen Schläfchen – verdientermaßen. Der 22-jährige Ringer der SG Weilimdorf verteidigte am vergangenen Wochenende in Heidelberg seinen deutschen Meistertitel mit Erfolg. Er war bei den Männern in der Gewichtsklasse bis 97 Kilogramm im griechisch-römischen Stil erneut der Beste.
Und beim Blick aufs Tableau könnte man meinen: nahezu mühelos. Seine Gegner Peter Öhler (VfK Mühlenbach) und Emil Thiele (SV Braunsbedra) besiegte er vorzeitig durch technische Überlegenheit, und den Ex-Vaihinger Ilja Klasner (SV Fellbach) beförderte er im Halbfinale auf die Schultern. Der alte und neue deutsche Meister widerspricht aber: Er habe im Vorfeld schon damit gerechnet, diese Kämpfe zu gewinnen. Doch Spaziergänge seien es keineswegs gewesen, berichtet Lazogianis.
Das Finale gegen Anton Vieweg (RV Eichenkranz-Lugau) ging dann tatsächlich über die volle Distanz – der Schwabe mit griechischen Wurzeln siegte mit 3:1 nach Punkten. Kein einfacher Mattengang für die beiden Finalisten. Sie kennen sich schon seit der Jugendnationalmannschaft, sind Kumpels. „Ich habe Anton schon zu Hause in Leipzig besucht, er war schon in Weilimdorf“, sagt der Sportsoldat Lazogianis, der in Heidelberg nebenbei Betriebswirtschaftslehre studiert. Die gegenseitige Sympathie könne für die sechs Minuten auf der Matte ausgeblendet werden, das Problem sei aber ein anderes: „Sportlich kennen wie uns in- und auswendig, somit sind Überraschungsmomente schwer.“
Als Überraschung würde der Nord-Stuttgarter, der in Einzelwettbewerben für seinen Heimatverein, in der Mannschaftsrunde künftig aber für den ASV Schorndorf startet, die Teilnahme bei Olympia 2024 in Paris ansehen. Das sei sein Traum und sein Ziel, der Weg dorthin aber noch ein weiter. Die Qualifikationsbedingungen sind nämlich hart. Der erneute DM-Titel sowie EM-Bronze in diesem April spielen als Teilnahmekriterium eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist das Abschneiden bei den Weltmeisterschaften im September in Belgrad oder bei zwei kontinentalen Turnieren entscheidend. „Eine Medaille bei der WM oder ein Platz unter den ersten Zwei bei den Turnieren sind für Paris wohl erforderlich“, weiß Lazogianis.
Nicht die einzige Hürde für den Weilimdorfer. Sein jetziger erneuter nationaler Coup ist nicht gleichbedeutend mit der WM-Teilnahme. Auch für diese Titelkämpfe muss er sich erst noch qualifizieren.
Sollte sich Lazogianis das Ticket für Belgrad sichern, wäre es seine zweite Teilnahme an den Weltspielen. An das Vorjahr, ebenfalls in der serbischen Hauptstadt, hat er schlechte Erinnerungen. „Nach dem ersten Kampf war Schluss.“ Jedoch: „Nun bin ich deutlich fitter.“ Würde dem Weilimdorfer die Medaille und damit die Olympia-Norm gelingen, ist davon auszugehen, dass er wieder einige Tage lang nicht vor elf Uhr erreichbar sein wird.