Das war dann auch auf der Matte zu sehen. Unter den Augen der ehemaligen Weltmeister Frank Stäbler und Thomas Zander gewannen fokussierte Weilimdorfer sechs der zehn Einzelkämpfe. Spektakulär machte es vor allem erneut der Ungar Csaba Vida, der seine persönliche Saisonbilanz auf 14:0 Siege ausbaute. Der Topscorer der Gäste fertigte in der 86-Kilogramm-Klasse seinen Kontrahenten Yousif Alnisani mit technischer Überlegenheit ab. Unter anderem punktete er mit einem Angriff per Rückwärtsrolle, durch welchen beide Ringer über die Bande in den Zuschauerrängen landeten.
Lukas Laible macht alles klar
Bereits nach dem neunten Kampf stand der Weilimdorfer Mannschaftserfolg fest und war somit der erste Abschlussplatz in der Tabelle eingetütet. Ein anderer Leistungsträger des Spitzenreiters, Lukas Laible, fand sich dabei in einem hart umkämpften Griechisch-römisch-Duell der 75-Kilogramm-Klasse wieder. André Ehrmann, einer der Verbliebenen aus Musbergs einstiger Bundesliga-Garde, hielt wacker dagegen – und verlor am Ende knapp mit 1:2. Damit baute Laible die Weilimdorfer Gesamtführung uneinholbar aus.
Als die Schlussglocke dieses Kampfes ertönte, war kein Halten mehr bei den Gästen. Die Beteiligten fielen sich in die Arme, die mitgereisten Fans wedelten mit ihren Schals und stimmten Gesänge an. „Die Fans sind grandios. Ich glaube, wir haben die besten Fans der Liga“, schwärmte Demir. „Auswärts denkt man manchmal, wir sind im Heimkampf, wie auch heute.“ Insgesamt war die Stimmung in der Halle eines Meisterkampfes würdig. Die grüne Weilimdorfer Ecke sorgte für lautstarke Unterstützung. Aber auch die Musberger stimmten Fangesänge an und machten samt Trommeln ordentlich Radau.
Musberger feiern ebenfalls
Trotz der Niederlage des eigenen Teams hatten auch sie etwas zu feiern: Nach vier Jahren im Ausweichquartier in Leinfelden konnte der KSV Musberg erstmals wieder in der heimischen Halle am Turnerweg antreten, nachdem diese neu errichtet worden ist. „Deswegen war es für uns etwas Besonderes“, sagte der Gastgeber-Trainer Markus Scheibner. „Die Atmosphäre war wirklich gigantisch. Ich hatte vom ersten bis zum letzten Kampf Gänsehaut.“ Die Sportstätte platzte mit mehreren Hundert Zuschauern aus allen Nähten.
Was den rein sportlichen Teil betrifft, sah Scheibner „Werbung für das Ringen.“ Ausschlaggebend für die Musberger Niederlage war in seinen Augen, dass sein 66-Kilo-Mann Valentin Lupu krankheitsbedingt abgesagt hatte, somit Andreas Böpple als Ersatz stilartfremd antreten musste und gegen Felix Bohn mit 1:5 verlor. Zudem sei der Kampf zwischen seinem Schützling Cornel Predoiu und Weilimdorfs Ahmet Kabal (2:6) entscheidend gewesen. Letztgenannter feierte seinen Sieg mit einem Flickflack über die Matten. Ein Symbolbild dafür, dass bei den Nord-Stuttgartern in dieser Saison vieles stimmte.
Dass die Weilimdorfer ihrerseits vier Punkte unerwartet abgaben, weil laut Demir sein Akteur Paul Laible gegen den Youngster Julian Kellermann „die ersten Minuten verschlief“? Es fiel schließlich nicht ins Gewicht. „Die anderen haben es dann ausgebügelt“, lobt Demir.
Teamkollegen gleichen Schwächen aus
Diese Qualität sei überhaupt der Schlüssel zum Erfolg in der laufenden Saison gewesen. Erwischte einer einmal einen schwächeren Tag, fingen die Mannschaftskameraden dies auf. Lediglich ihren ersten Saisonkampf Anfang September gegen den Aufsteiger TSV Herbrechtingen verlor die SG Weilimdorf (10:15), seither sind für die Mannschaft 13 Siege und zwei Unentschieden gefolgt. Vor dem abschließenden Oberliga-Wettbewerbstag 2022 am nächsten Samstag, an dem die Weilimdorfer selbst frei haben, beträgt der Vorsprung auf den Tabellenzweiten KG Dewangen/Fachsenfeld nun drei Zähler. Das ist vom Verfolger nicht mehr einzuholen. „Die Jungs werden lange feiern, denke ich“, sagte Demir.
Statistik zum Kampf
KSV Musberg – SG Weilimdorf: 55 kg (griechisch-römisch): Jordi Bauer – Hanke 2:18-Überlegenheitsniederlage (Gesamt: 0:4); 130 kg (Freistil): Marcinkiewicz – Hubl 16:0-Überlegenheitssieg (4:4); 61 kg (Fr.): Predoiu – Kabal 2:6-Punktniederlage (4:6); 98 kg (gr.-r.): Stefan Stäbler – Werkle 4:3-Punktsieg (5:6); 66 kg (gr.-r.): Böpple – Bohn 1:5-Punktniederlage (5:8); 86 kg (Fr.): Alnisani – Vida 0:16-Überlegenheitsniederlage (5:12); 71 kg (Fr.): Kellermann – Paul Laible 15:0-Überlegenheitssieg (9:12); 80 kg (gr.-r.): Robin Bauer – Nagorniy 0:2-Punktniederlage (9:13); 75 kg (gr.-r.): Ehrmann – Lukas Laible 1:2-Punktniederlage (9:14); 75 kg (Fr.): Moise – Jakob 8:0-Punktsieg (12:14).