Ringen: SG Weilimdorf Den Spieß gedreht: Lisa Laible feiert deutschen Meistertitel
Die 18-Jährige besiegt in Hagen erstmals ihre große Dauerrivalin. Folgt für sie nun die tolle Zugabe? Zwei weitere Stuttgart/Filder-Athleten gewinnen Bronze.
Die 18-Jährige besiegt in Hagen erstmals ihre große Dauerrivalin. Folgt für sie nun die tolle Zugabe? Zwei weitere Stuttgart/Filder-Athleten gewinnen Bronze.
Die zweite Überraschung des Tages gab es am Abend. Als Lisa Laible und ihre Begleiter nach gut vierstündiger Autobahnfahrt wieder zuhause eintrafen, wartete dort bereits eine jubelnde Fandelegation ihres Vereins. Den unerwarteten ersten Teil hatte die 18-Jährige dagegen selbst beigesteuert. Ja, es ist Wirklichkeit: Platz eins, Gold! Die Ringerin der SG Weilimdorf ist deutsche Meisterin. Im westfälischen Hagen hat sie bei den Freistil-Titelkämpfen der Altersklasse U 20 den bisher größten Erfolg ihrer Karriere perfekt gemacht. Vielleicht sogar mehr: Hoffen darf Laible hiernach noch auf eine tolle Zugabe.
Die nächsten Termine sind im Kalender jedenfalls bereits dick markiert. An diesem Mittwoch Abreise ins Trainingslager nach Schweden, dann in zwei Wochen Antalya, Türkei, wo die Würfel fallen werden. Die für dort große Frage: Bucht Laible obendrein das Ticket für die EM? Jene findet im Juli im nordmazedonischen Skopje statt und ist spätestens seit diesem Sonntag ein realistisches Ziel. Das Problem: Es gibt pro Gewichtsklasse nur einen deutschen Startplatz. An der türkischen Riviera wird sich weisen, wer den Bundestrainer letztlich mehr überzeugt: Laible oder ihre Dauerrivalin der 59-Kilogramm-Kategorie, die Saarländerin Franziska Blaumeiser. Mit jener kam es auch auch im aktuellen Wettbewerb wieder zum Duell.
Der Unterschied: Bisher hatte Laible in allen vier direkten Begegnungen den Kürzeren gezogen – diesmal nicht. Diesmal drehte sie den Spieß um. Dabei ließ sie sich in einer Neuauflage des letztjährigen Finalkampfs auch durch einen 0:3-Pausenrückstand nicht entmutigen. Am Ende stand nach einer Aufholjagd ein 8:6 und damit die Revanche. Das Erfolgsrezept? „Der Support von meinem Bruder hat den Ausschlag gegeben“, sagt Laible. Der Erwähnte, Vorname Lukas, feuerte am Mattenrand kräftig an, wobei Ringen bei den Laibles überhaupt Familiensache ist. Alle drei Kids sind in der gleichen Sportart unterwegs, die älteren Brüder Lukas und Paul als Teil des künftigen Weilimdorfer Bundesliga-Teams. Und der Papa Markus fungiert beim Club an der Solitudestraße als sportlicher Leiter.
Die an Edelmetall gemessen Erfolgreichste ist aber das Küken, Lisa. Insgesamt kommt sie nun auf bereits fünf Medaillen bei deutschen Meisterschaften. Einmal Bronze, dreimal Silber, jetzt erstmals Gold. Es ist der greifbare Lohn für den betriebenen Aufwand. Was offiziell als Freizeitbeschäftigung läuft, ist tatsächlich Leistungssport. „Schon sehr stressig“ sei es, berichtet die 18-Jährige mit Blick auf sieben bis acht Trainingseinheiten pro Woche. Mal Kraftraum, mal Laufstrecke, mal Matte. Montags geht es immer zum Stützpunktprogramm nach Kornwestheim. In Weilimdorf spult sie ihr Pensum unter den Vorgaben der dortigen Vereinstrainer Behar Rohleder und Kemal Demir ab. Und, nicht zu vergessen: Nicht nur nebenbei studiert Laible ja auch noch. An der PH Ludwigsburg geht sie im Fach Grundschullehramt demnächst ins zweite Semester. Aber wer wollte klagen? Das momentan alles andere Überragende baumelt seit Sonntag glänzend um ihren Hals.
Eher bleiern fühlte sich dagegen die bronzene Plakette des Vereinskollegen Anton Buchholz an. Er war bei der parallel im thüringischen Zella-Mehlis ausgetragenen Griechisch-römisch-Konkurrenz als großer Favorit am Start – und wurde am Ende eben nur Dritter, so wie schon in seinen beiden vergangenen U-20-Jahren. Die Niederlage, die ihn in der 82er-Klasse die Titelchancen kostete, kassierte Buchholz gegen den späteren neuen Meister, den zwei Jahre jüngeren Aalener Bogomir Eismont (2:4). Einmal nicht aufgepasst, ein Durchdreher. Und so blieb nur noch der Kampf um Platz drei, den der Weilimdorfer dann gegen den Nürnberger Luis Brandl klar für sich entschied (10:0).
Für den KSV Musberg schließlich gewann der Freistilmann Alpay Eser ebenfalls Bronze – in seinem Fall wiederum ein Topresultat. Drei Wochen nach seinem Titelcoup bei den U-17-Junioren traf der Youngster in seiner 125-Kilo-Klasse diesmal ausschließlich auf deutlich ältere Konkurrenz. Seine Bilanz: zwei Siege, zwei Niederlagen.
Auch für Buchholz und Eser steht nun noch die EM-Frage an. Die Nominierungen dürften spätestens in der zweiten April-Hälfte erfolgen. In Esers Fall würde der Weg schon im Mai nach Samokov in Bulgarien führen.