Ringen: SV Fellbach „Die Oberliga erfordert ein hohes Niveau“

Seit vielen Jahren Sportlicher Leiter der Fellbacher Ringer: Thomas Heumann Foto: Michael Käfer

Thomas Heumann von der Ringerabteilung des SV Fellbach spricht über die Beweggründe der Fusion mit dem SC Korb, über die Bereinigung der Ligen und das Ziel der ersten Mannschaft.

Im zweiten Anlauf hat die Fusion der Fellbacher Ringer-Ligateams mit dem SC Korb geklappt. Thomas Heumann, der Sportliche Leiter der Ringer des SVF, spricht über aktuelle Veränderungen und die Aussichten der „Rems-Löwen“ für die am 5. September in der Verbandsliga und am 11. September in der Oberliga beginnenden Saison.

 

Die Oberliga ist nun die dritthöchste Liga

Herr Heumann, wie fühlt man sich als Sportlicher Leiter einer Mannschaft, die von einer Saison zur nächsten gleich um zwei Ligen aufgestiegen ist?

Naja, das ist natürlich schon super, aber man muss es auch wieder relativieren. Der Aufstieg hat natürlich am grünen Tisch nach einer Bereinigung der Ligen stattgefunden. Und ja, ich denke schon, dass eine Bereinigung der Ligen (unter anderem wurde die Zweite Bundesliga gestrichen; Anmerkung der Redaktion) schon lange überfällig war. Ich denke, dass der Ringkampfsport daraus Vorteile ziehen kann. Das betrifft insbesondere die Themen Attraktivität und Zuschauer. Und auch bei der Bereitschaft, eigene Ringer bei den Vereinen zum Einsatz zu bringen, sind wir da ein Stück vorangekommen.

Wie beurteilen Sie denn die Tatsache, dass es keine Zweite Bundesliga mehr gibt und die Oberliga, in der die erste Mannschaft der Rems-Löwen aktiv sein wird, hinter der Regionalliga zur dritthöchsten Liga wurde?

Leistungsmäßig ist die Oberliga schon sehr, sehr stark. Das haben wir in den vielen Jahren, in denen der SV Fellbach in der Oberliga aktiv war, hautnah miterlebt. Alle, die aus der Oberliga in die nächsthöhere Liga aufgestiegen sind, haben dort immer gute Plätze erreicht. Aus dieser Sicht ist dieser Umbau nötig geworden und ich glaube, dass der Sport auch leistungsmäßig für Zuschauer und Sportler noch attraktiver wird.

Welche Auswirkungen erwarten Sie konkret für den SV Fellbach?

Der SV Fellbach wird sich mit seinen jungen Ringern erst etablieren müssen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass von der Oberliga an bei den Sportlern und insbesondere bei den jungen Sportlern schon ein sehr hohes Niveau erforderlich ist.

Und um diesem Niveau gerecht zu werden, haben sich die Ringer des SV Fellbach ja mit dem SC Korb zu einer Kampfgemeinschaft, den Rems-Löwen, zusammengeschlossen. Warum ist das erst im zweiten Anlauf gelungen?

Beim ersten Mal ist es wirklich erst kurz vor Schluss gescheitert. Aber ich denke, dass beide Vereine erkannt haben, dass die Notwendigkeit, gemeinsam stark zu sein, groß geworden ist, um eigene Talente, eigene Sportler zu fördern. Vor allem auch, damit die jungen Sportler in der für sie richtigen Liga ringen können. Und dass wir insgesamt in der Mannschaftsgestaltung mit den drei Teams in der Oberliga, der Verbandsliga und in der Landesklasse viel, viel flexibler sind.

Was waren darüber hinaus die wesentlichen Gründe, die zur Kampfgemeinschaft Rems-Löwen geführt haben?

Allem voran – wie wir es seit 20 Jahren hochhalten – ist es uns wichtig, dass unsere Sportler in Fellbach die richtige sportliche Heimat haben. Das gilt auch dann, wenn sie sehr gut sind und auch noch als deutscher Jugend- oder Juniorenmeister in Fellbach beziehungsweise bei der Kampfgemeinschaft in der richtigen Liga kämpfen können. Ich glaube, dass es auch in dieser Hinsicht ein weiterer Schritt ist, für die jungen Athleten attraktiv zu bleiben, die in Fellbach das Ringen gelernt haben. Die weiteren Vorteile sind vielschichtig. Allen voran sind dies die Trainingsmöglichkeiten sowie die Flexibilität bei der Hallensituation im Training. Was sich in Fellbach als sehr schwierig erwiesen hat, ist, dass wir in den höheren Ligen keine geeignete Halle für die Wettkämpfe haben. (Bisher fanden die Kämpfe in der Silcherhalle statt, was nicht mehr zulässig ist; Anmerkung der Redaktion.)

Stolz auf Kevin Karls Entwicklung

Mit dem Weggang von Kevin Karl, nun auch mit dem Einzelstartrecht zum Erstligisten ASV Schorndorf, hat der SV Fellbach zum Jahreswechsel sein vielleicht größtes Ringertalent verloren. Wie sehr schmerzt das?

Kevin ist unbestritten ein tolles Talent und ein toller junger Sportler. Aus meiner Sicht ist er allerdings etwas zu früh in die höchste Liga gewechselt. Aber auch da wünschen wir ihm für die weitere Entwicklung natürlich alles Gute und viel Erfolg in der Zukunft. Wir vom SV Fellbach unterstützen das. Wenn ein Sportler alle Voraussetzungen hat, um in den höheren Ligen kämpfen zu können, dann erfüllt uns das eher mit Stolz als mit Schmerz, denn dann ist es der richtige Weg für den jungen Sportler.

Am 11. September beginnt die neue Saison der KG Rems-Löwen mit dem Auswärtskampf beim AC Röhlingen. Welche Erwartungen haben Sie an den Rundenstart in der Oberliga?

In der Oberliga wird es so sein, dass die besonders guten Fellbacher Talente hin und wieder zum Einsatz kommen werden. Die Verbandsliga ist eine Liga, in der wir uns wohlfühlen. Wir werden ja beide Ligen und dann auch noch die Landesklasse bespielen. Die Zielsetzung in der Oberliga ist sicherlich, dass wir da wirklich vorn mitringen können. Wie weit vorn genau, hängt natürlich immer auch von den Gegnern ab. Diese sind gerade dabei, sich ebenfalls gut aufzustellen, denn der Konkurrenzkampf ist natürlich groß. Final kann man das erst beurteilen, wenn klar ist, wie stark die einzelnen Mannschaften aufgestellt sind.

Ein Platz unter den besten drei Teams ist das Ziel

Gibt es externe Verstärkungen für das Team?

Wir haben mit den Verstärkungen erst einmal langsam getan. Sowohl die Korber Ringer als auch die Fellbacher Ringer haben jetzt ihre Kader abgeglichen. Da ist die gute Situation entstanden, dass wir sehr starke Mannschaften stellen können. Derzeit gibt es deshalb keine Neuverpflichtungen.

Noch einmal konkret gefragt: Wo steht das Oberliga-Team Ihrer Prognose nach am Rundenende?

Klares Ziel ist tatsächlich, dass wir unter den ersten drei Mannschaften in der Oberliga landen.

Leidenschaft von Kindesbeinen an

Sport Thomas Heumann ist seit vielen Jahren der Sportliche Leiter der Ringermannschaften des SV Fellbach. Für den inzwischen 62-Jährigen ist der Ringkampfsport seit Kindesbeinen an eine echte Leidenschaft. Als Kämpfer gewann er mehrere internationale Turniere und sicherte sich bei deutschen Jugendmeisterschaften dreimal die Silbermedaille. Ein Großteil seiner Familie ist mit dem Ringen verbunden. So war sein Sohn Aron Heumann ebenfalls auf der Ringermatte für den SV Fellbach erfolgreich und wurde 2016 Fellbacher Sport-Ass des Jahres. Thomas Heumanns Schwester Christine Heumann war bis vor wenigen Wochen die Leiterin der Fellbacher Ringerabteilung. Zusammen mit seinem Bruder Jörg Heumann, einst zweifacher Amateur-Welt- und Europameister sowie Vizeweltmeister bei den Profis im Rock’n Roll, wurde er 2007 vom SV Fellbach mit dem Wanderpreis „Sportliches Vorbild“ ausgezeichnet.

Beruf Im Hauptberuf leitete der Diplom-Betriebswirt und Gartenbaumeister das von ihm 1990 gegründete Garten- und Landschaftsbauunternehmen, das sich mit der Planung und Ausführung von Außenanlagen beschäftigt und seinen Sitz in Weinstadt-Beutelsbach hat. Seit dem vergangenen Jahr hat hier sein Sohn Aron Heumann die Hauptverantwortung. kae

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