Ringen: SV Fellbach Krafttraining selbst beim Grillen
Drei Nachwuchsringer des SV Fellbach, Kevin Karl, 14, Noel Lozancic, 13, und Timur Demir, 13, sind bei den nationalen Meisterschaften der B-Jugendlichen im griechisch-römischen Stil am Start.
Drei Nachwuchsringer des SV Fellbach, Kevin Karl, 14, Noel Lozancic, 13, und Timur Demir, 13, sind bei den nationalen Meisterschaften der B-Jugendlichen im griechisch-römischen Stil am Start.
Fellbach - Wenn an diesem Freitag in Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern die nationalen Titelkämpfe der B-Jugendlichen im Ringen der Stilart griechisch-römisch beginnen, ist der SV Fellbach gleich mit drei jungen Griffkünstlern vertreten. Von keinem anderen württembergischen Verein konnten sich mehr Ringer qualifizieren. Diese Tatsache spricht recht eindeutig für die gute Nachwuchsarbeit, für die zuvorderst die Trainer Yasar Demir und Tariel Shavadze verantwortlich zeichnen.
Kevin Karl, 14, Noel Lozancic, 13, und Timur Demir, 13, gehen in der Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald durchaus mit einer gewissen Erwartungshaltung auf die Matten. „Alle drei haben Chancen auf eine Medaille“, sagt Tariel Shavadze, der vielfache georgische Meister, der beim SV Fellbach für das Ringen im griechisch-römischen Stil zuständig ist. Zuvorderst von Kevin Karl erhofft Tariel Shavadze Großtaten: „Ich erwarte Gold, ohne dass er einen Punkt abgibt.“
Nun ist es mit optimistischen Prognosen für die eigenen Athleten mitunter so eine Sache. Aber wer sich mit dem sportlichen Werdegang von Kevin Karl etwas näher beschäftigt, muss den Schorndorfer in Torgelow zu den Favoriten zählen. Bis ins Jahr 2019 muss zurückblättern, wer eine Niederlage des Realschülers entdecken will. Im Finale der Tallinn Open, einem der größten Jugendturniere Europas, unterlag er seinerzeit erst im Finale dem Russen Ivan Ivanchuk. Zuletzt, wobei das coronabedingt der 26. September 2020 war, sicherte sich Kevin Karl bei der zehnten Auflage des stark besetzten Strelasund-Pokals in Stralsund nicht nur den Sieg in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm, sondern zugleich den Sonderpokal als bester Techniker des gesamten Turniers.
Dass die nationalen Titelkämpfe des vergangenen Jahres coronabedingt ausgefallen sind, hat Kevin Karl schwer enttäuscht. Jetzt indes ist der Realschüler für seinen Auftritt in der Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm umso besser vorbereitet. Dazu hat Amiran Shavadze, der Neffe von Tariel Shavadze, einen gehörigen Teil beigetragen. Der ehemalige Bundesliga-Ringer, im Vorjahr Europameisterschaftsdritter, hat zwei Monate lang mit Kevin Karl trainiert und ihm nicht nur technisch, sondern auch taktisch wertvolle Hinweise gegeben. Sogar in Buoch, beim sommerlichen Grillfest der SVF-Griffkünstler, stählte sich das Duo vor dem Griff zur gegrillten Wurst an den Geräten des dortigen Waldsportplatzes.
Bei den deutschen Meisterschaften will sich Kevin Karl gegen sechs Konkurrenten um die Goldmedaille durchsetzen, darunter ist auch der Lokalmatador Elias Heydrich vom SAV Torgelow. Keinen von ihnen kennt der 14-jährige Ringkämpfer vom SV Fellbach persönlich, was auch daran liegt, dass er erst kürzlich in die Gewichtsklasse bis 68 Kilogramm aufgerückt ist.
Nicht nur als Trainer, sondern auch als Vater ist Yasar Demir am Wochenende gefordert. Sein Sohn Timur tritt in der Klasse bis 52 Kilogramm gegen 18 Konkurrenten zu seiner Premiere bei nationalen Titelkämpfen an. „Timur ist sehr gut vorbereitet“, sagt Tariel Shavadze. Den Sommerurlaub hat das Vater-Sohn-Gespann zum intensiven Konditionstraining genutzt. Zudem hat der Bietigheimer, der vor einer Woche seinen 13. Geburtstag feierte, mit Kevin Karl Lehrgänge in der Ukraine und in Tschechien besucht.
In Tschechien war auch Noel Lozancic mit von der Partie. Der Jugendliche aus Stuttgart-Münster hat sich ebenso wie seine beiden Vereinsgefährten über zwei Auswahllehrgänge für seine ersten nationalen Titelkämpfe qualifiziert. Er startet im 14 Ringer starken Feld der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm und hat sich zuletzt nicht nur technisch, sondern auch athletisch stark verbessert. Auch er hofft am Sonntag, also am Finaltag, noch im Wettbewerb zu sein. Körperlich dürfte er mit seinen 71 Kilogramm gegen einige schwergewichtigere Opponenten Nachteile haben, aber Tariel Shavadze hat sich gegen ein starkes Abtrainieren entschieden, um seinen Schützling zu schonen. Eine Medaille traut er ihm dennoch zu.