Ringen um S-21-Bahnknoten Stuttgart Riskantes Spiel des forschen Staatssekretärs

Steffen Bilger ist Vekehrsstaatssekretär in Berlin – 2018 hat Minister Andreas Scheuer (rechts) ihn verpflichtet. Foto: BMVI/Hans-Peter Koenig

Steffen Bilger verspricht dem Land einen Gäubahn-Tunnel beim Flughafen, an den noch nicht alle Beteiligten und Beobachter glauben. Wenn er das Versprechen nicht hält, kann er einpacken, meint Josef Schunder im Kommentar.

Stuttgart - Steffen Bilger muss sich seiner Sache ja sicher sein. Wie könnte er sonst in einer Pressemitteilung als Ludwigsburger Bundestagsabgeordneter jetzt schon vermelden, dass die Gäubahnzüge am Flughafen in einen Tunnel kommen? Obwohl am Dienstag bei der Besiegelung des Schienenpakts im Bundesverkehrsministerium in dem Punkt noch vieles vage blieb?

 

Der Staatssekretär hat nicht weniger gemacht, als der Region und dem ganzen Bundesland ein enorm teures Schienenprojekt zu versprechen. Er hat sich weit vorgewagt. Und er wird wohl selbst wissen, dass seine Glaubwürdigkeit künftig keinen Pfifferling mehr wert wäre, wenn er das Versprechen nicht halten könnte. Und er wird außerdem wissen, dass eine Fertigstellung irgendwann in fernster Zukunft niemandem reichen würde. 2030, wenn die Züge im Deutschlandtakt fahren sollen, möchte man den Tunnel haben.

Der forsche Staatssekretär und seine CDU-Mitstreiter sehen sich unverkennbar auf einem guten Weg, den bei ihnen zutiefst ungeliebten Landesverkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen in die Defensive zu drängen, was den Kampf um die Deutungshoheit über das Streitprojekt Stuttgart 21 angeht. Und in der Tat scheint Hermann eine Art von Schleudertrauma davongetragen zu haben. Jedenfalls begrüßt er das Projekt, das vom Bunde kommt, einmal – und das andere Mal verbindet er damit Zeitverzögerung, Mehrkosten und eine ungelöste Finanzierung. Einmal bekundet er Mitwisserschaft, dann wieder hört man aus seinem Ministerium, man könne zu den Details für die Planung einer durchweg besseren Gäubahnstrecke nichts sagen. Dagegen besteht in der CDU offenbar die Hoffnung, die Finanzierungsfrage vergleichsweise einfach in den Griff zu kriegen.

Wagt die CDU den nächsten Schritt?

Der Beobachter lernt daraus, dass das fröhliche Hickhack zwischen den Koalitionsparteien im Land weitergeht. Und jenes um Stuttgart 21 auch. Nach dem Scharmützel um die Schienen beim Flughafen wird sich demnächst auch das Ringen um einen Ergänzungsbahnhof für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof verstärken. Dann wird spannend sein, ob die CDU bei der möglichst heimlichen Korrektur des Bahnprojektes den nächsten Schritt wagt – nach der Verbesserung des Schienen-Nordzulaufs zum Hauptbahnhof sowie der Pläne für die Wendlinger Kurve und die Gäubahn. Das wären der Weiterbetrieb der Panoramastrecke der Gäubahn in Stuttgart, ihre Anbindung sowie der Anschluss der S-Bahn-Gleise vom Norden an den Hauptbahnhof. Das wäre, kurz gesagt, ein richtiger Ergänzungsbahnhof und eine Absicherung für den Fall, dass die S-Bahn-Stammstrecke blockiert ist. Alle sollten das noch einmal bedenken – und sich abregen. Wer was irgendwann anregte, ob es frühere S-21-Befürworter oder S-21-Gegner waren, ist für die meisten Menschen ohnehin kaum mehr durchschaubar – und auch nicht mehr so erheblich. Jetzt kommt es eigentlich nur noch darauf an, zusammen das Beste aus dem Bahnknoten Stuttgart zu machen.

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