Ringer Frank Stäbler nach seinem Rückschlag „Es befinden sich so viele Fragezeichen in meinem Kopf“
Die EM hätte für Frank Stäbler schlechter nicht laufen können. Nun stellt der Ringer mit Blick auf die Olympischen Spiele alles auf den Prüfstand.
Die EM hätte für Frank Stäbler schlechter nicht laufen können. Nun stellt der Ringer mit Blick auf die Olympischen Spiele alles auf den Prüfstand.
Stuttgart - Sein Plan sah vor, vier fünf Kämpfe zu bestreiten, im Idealfall eine Medaille mitzunehmen und den Fokus danach voller Selbstbewusstsein auf die Olympischen Spiele in Tokio zu richten. Doch für Ringerass Frank Stäbler aus Musberg kam bei der EM in Polen alles ganz anders. Wie er mit dem Rückschlag umgeht, erklärt der 31-Jährige im Interview.
Herr Stäbler, sind Sie schon wieder in Deutschland?
Ich bin gerade in Stuttgart gelandet, leider mit einem leichten Koffer ohne Medaille.
Der Plan war ein völlig anderer?
Klar, die EM sollte der erfolgreiche Härtetest für die Olympischen Spiele werden. Jetzt muss ich diesen ungewohnten Schockmoment verdauen. Ich habe an Hunderten von Wettkämpfen teilgenommen – und erst zum dritten Mal in meinem Leben bin ich bei einem Turnier ausgeschieden.
Nach nur einem Kampf gegen Selcuk Can – woran lag’s?
Die Leistung war da, aber das Ergebnis passte nicht. Ich bin gegen diesen wirklich starken Türken auf einen Schwunggriff reingefallen, habe den Bruchteil einer Sekunde verschlafen, war nicht reaktionsschnell genug und bin auf der Schulter gelandet. Das hat mich aus dem Konzept gebracht.
Und jetzt?
Weiß ich, als einer der in den vergangenen zehn Jahren konstantesten Ringer der Welt, und wissen auch die Medien, dass ich keine Maschine bin, dass Gewinnen im Sport keine Selbstverständlichkeit ist. Zum anderen muss ich mit Blick auf die Olympischen Spiele alles neu sortieren. Die Ausgangsposition ist sehr schwierig, weil ich gerne den Schwung und die Euphorie einer erfolgreichen Generalprobe mit nach Tokio genommen hätte. Doch nun befinden sich so viele Fragezeichen in meinem Kopf.
Was wollen Sie an Ihrer Strategie konkret überdenken?
Eigentlich war geplant, dass ich bei der EM vier, fünf Kämpfe absolviere, im Idealfall eine Medaille mitnehme und mich dann voll auf Olympia konzentriere. Jetzt muss ich mich mit meinem Trainer und meinem Ernährungsberater zusammensetzen und – obwohl es mein Körper eigentlich nicht mehr hergibt – überlegen, ob ich nicht doch noch Wettkampfpraxis brauche, etwa bei Grand-Prix-Wettkämpfen in Polen und Spanien fünf, sechs Wochen vor Olympia.
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Ist nicht der Kopf das größere Problem?
Klar, die mentale Schiene wird die wichtigste sein. Mit so einem Rückschlag in das wichtigste Turnier meines Lebens zu starten, erschwert einiges – auch mit Blick auf die Tortur des Abnehmens. Eine solche Herausforderung stellte sich mir noch nie. Aber eines steht fest: Auch wenn jetzt alles gegen mich spricht – ich werde den Glauben bis zur letzten Sekunde nicht verlieren. Der Traum lebt weiter.