„Damit haben wir es sogar besser erwischt als sonst. Denn so konnten wir in den Schulferien durchtrainieren“, sagt der sportliche Leiter Markus Laible und lacht. In dieser Hinsicht also gute Voraussetzungen für die am Wochenende beginnende Mannschaftsrunde. Die spannenden Fragen sind: womöglich sogar so gut, dass das Ringermärchen nun weitergeht? Rockt das Überraschungsteam des vergangenen Jahrs auch diesmal seine Liga?
„Finanziell wäre das ein Gewaltakt geworden“
Zur Erinnerung: Zuletzt haben die Weilimdorfer auf ihrem Karriereweg gefühlt weniger die Treppenstufen als den Raketenantrieb genommen. 2022 Meister in der Oberliga, 2023 Meister in der Regionalliga. Und hätten die Abteilungsverantwortlichen dann nicht selbst die Bremse gezogen, hätte Stuttgart nun gar einen Zweitligisten. Aber diese Nummer wurde Laible und den Seinen dann etwas zu groß, hätten sie sich mit dem gleich nächsten Aufstieg doch in eine Zwickmühle begeben. „Finanziell wäre das ein Gewaltakt geworden“, sagt Laible. Und aus sportlicher Sicht ein Unternehmen, das es erfordert hätte, sich von der bisherigen Philosophie zu verabschieden. Zu einem guten Teil auf Eigengewächse zu setzen, wäre kaum mehr gegangen. Es sei denn, man hätte in Kauf genommen, nicht konkurrenzfähig zu sein.
Also stand am Ende der Verzicht, auch wenn es, wie Laible einräumt, nicht jedem so einfach zu vermitteln war. „Der ein oder andere hätte schon gern eine Liga höher gerungen“, sagt der Sportchef. Stattdessen auf ein Neues gegen die bekannten Gegner – mit einem Laible in gehabter Manier. Zur Spezies der Sprücheklopfer und Säbelrassler hat der 49-Jährige noch nie gehört. Bei ihm war es schon immer mehr ein „Ball flach halten“. Wenn er als Saisonziel abermals allein den Klassenverbleib nennt, dann wirkt es auf den ersten Blick wie die Bewerbung um einen erneuten, allerdings alternativen Meistertitel – nämlich jenen im Tiefstapeln. Bei genauerem Hinschauen gibt es neben aller zweckmäßigen Zurückhaltung aber durchaus auch einen berechtigten Hintergrund.
Nervenkitzel scheint erneut garantiert
Zur Wahrheit des letztjährigen Höhenflugs gehört eben auch, dass es in der Mehrzahl der Begegnungen eine ganz enge Kiste war. Zwischen Mannschaftssieg und Mannschaftsniederlage lag oft nicht mehr als eine einzelne Mattenaktion. Wer kann schon garantieren, dass das ausschlaggebende Quäntchen erneut stets auf der eigenen Seite sein wird und nicht umgekehrt? Fest steht für Laible jedenfalls, nachdem er am Reißbrett schon einmal die ersten Kämpfe durchgerechnet hat: „Es wird erneut sehr oft sehr knapp.“ Mithin Fortsetzung der Samstagabend-Krimizeit. Reichlich Nervenkitzel vermutlich auch in dieser Saison.
Gewöhnen müssen sich die Fans im Wettkampf-Hexenkessel Lindenbachhalle, wo die Weilimdorfer in Ligaduellen seit September 2022 ungeschlagen sind, dabei an ein paar neue Gesichter. Drei Stammkräfte haben den Verein verlassen. Ahmet Kabal, weil er wollte. Alexej Nagorniy, weil er eher sollte. Und Alexander Zentgraf, nachdem es in seinem Fall dann ein bisschen blöd gelaufen ist.
Warum drei Stammkräfte gegangen sind
Die Situation im Detail: Der Allrounder Kabal hat sich für das laut Laible lukrativere Angebot vom Staffelrivalen Ketsch entschieden. Ersetzen sollen ihn in der 61-Kilogramm-Klasse der von einer Knöchelverletzung genesene Balazs Racz (Freistil) sowie der aus Baienfurt verpflichtete Luca Moosmann (griechisch-römisch). Nagorniy derweil wurde zum Verhängnis, dass sein Club in der 86-Kilogramm-Kategorie für das zurückgekehrte Toptalent Anton Buchholz Platz schaffen wollte – auch er einer der Jungen aus der eigenen Schmiede. Zentgraf wiederum tat erst seinen Wechselwillen kund, wäre schließlich doch geblieben, aber zu spät. Da war die Tür dann bereits zu. Die Weilimdorfer hatten in Moritz Wahl aus Fellbach schon einen anderen engagiert. Allemal trösten mag sich Zentgraf damit, dass er mittlerweile gar noch bei einem Bundesligisten untergekommen ist, in Heilbronn.
Vier Ungarn für zwei Ausländerplätze
Hinzugerechnet die beiden ungarischen Neuzugänge Karoly Barath (17) und Adam Pohilec (23), sieht Laible sein Team so aufgestellt, „dass wir schon gewinnen werden können“. „Abgeschlachtet“, so seine Prognose, „werden wir sicher nicht.“ Insgesamt beläuft sich die Zahl der Kaderoptionen für die beiden Ausländerplätze nun auf vier, allesamt aus Ungarn. Wobei einer davon freilich gesetzt ist: Csaba Vida, klar. Er war in einem ansonsten recht ausgeglichenen Aufgebot der herausragende Punktegarant, und er soll auch weiterhin sein. Vidas Weilimdorf-Bilanz, seit er 2019 an der Solitudestraße eingestiegen ist: 49 Kämpfe, 49 Siege.
Rechtzeitig zum Auftakt an diesem Samstag zuhause gegen den KSV Tennenbronn (20 Uhr) fliegt der 27-Jährige ein. Ob es dann erneut Feuer unterm Hallendach gibt, man wird sehen. Diesmal aber bitte, so viel ist sicher, nur in bildlich gesprochener Form.
Eckdaten
Zugänge
Luca Moosmann (KG Baienfurt), Karoly Barath, Adam Pohilec (beide aus Ungarn), Moritz Wahl, Paul Wahl (beide SV Fellbach), Anton Buchholz (TSV Herbrechtingen), Aren Dzhulakian (eigene Jugend).
Abgänge
Alexej Nagorniy (SC Korb), Ahmet Kabal (KSV Ketsch), Alexander Zentgraf (Red Devils Heilbronn), Yannik Hanke, Leon Dolinger (beide eigene zweite Mannschaft), Mateusz Ropiak (Ziel unbekannt).
Kader
57 kg: Aren Dzhulakian; 57/61 kg: Karoly Barath, Luca Moosmann; 61/66 kg: Balazs Racz; 66/71 kg: Felix Bohn, Paul Laible; 71 kg/75 kg: Florian Bohn, Feim Gashi, Adam Pohilec; 75 kg: Ion Plamadeala, Moritz Wahl; 80/86 kg: Anton Buchholz, Lukas Laible, Csaba Vida; 86 kg: Kevin Fauser; 98/130 kg: Hikmet Akyol, Paul Wahl, Kim Werkle; 130 kg: Max Hubl, Artur Rohleder.
Trainer
Kemal Demir (seit 2009) und Behar Rohleder (seit 2014).
Wettkampfstätte
Lindenbachhalle (Solitudestraße 243, 70499 Stuttgart).
Saisonziel
Klassenverbleib (Platzierung in der vergangenen Saison: 1.).
Meistertipp
RG Hausen-Zell.