Risiken für die Weltwirtschaft IWF warnt vor Schulden in Rekordhöhe

Von  

Trotz der Niedrigzinspolitik der Notenbanken ist in vielen Ländern die Verschuldung gestiegen. Mit der Normalisierung der Geldpolitik könnte das zum Problem werden.

Finanzminister Olaf Scholz bereitet die wachsende Verschuldung auf der Welt Unbehagen. Foto: dpa
Finanzminister Olaf Scholz bereitet die wachsende Verschuldung auf der Welt Unbehagen. Foto: dpa

Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in der steigenden Verschuldung in vielen Ländern ein Risiko für die wirtschaftliche Stabilität. Wie aus dem IWF-Weltwirtschaftsbericht hervorgeht, befinden sich die privaten und öffentlichen Schulden in vielen Ländern auf Rekordniveau. „Verglichen mit dem Stand vor zehn Jahren haben heute viele Länder einen höheren Schuldenstand“, heißt es in dem Bericht. Das mache die Volkswirtschaften anfälliger.

Zinsanstieg trifft stark verschuldete Staaten

Der Währungsfonds sieht in der hohen Verschuldung auch deshalb ein Risiko, weil er von einer Normalisierung der Geldpolitik ausgeht. Die US-Notenbank erhöhte bereits die Leitzinsen, was in den Vereinigten Staaten zu steigenden Kapitalmarktzinsen führt. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte das Ende des billionenschweren Anleihekaufprogramms an. Steigen die Zinsen, bedeutet das für die Staaten, dass sie mehr Mittel für den Schuldendienst ausgeben müssen. Das erhöht nach dem Bericht die Krisenanfälligkeit der Weltwirtschaft. Darüber werden die Mitgliedsstaaten und Notenbankchefs auf der am Donnerstag beginnenden Herbsttagung von IWF und Weltbank auf der indonesischen Insel Bali beraten.

Die Bundesregierung hält die Warnungen des IWF für angemessen. Das Schuldenniveau gebe Anlass zur Sorge, hieß es in Regierungskreisen. Nicht nur in Industrie- und Schwellenländern steige die Verschuldung, sondern auch in Entwicklungsländern. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) will bei dem IWF-Treffen dafür werben, die Anstrengungen zum Schuldenabbau zu vergrößern. Es sei notwendig, dass die Industrie- und Schwellenländer über genügend „Feuerkraft“ in Krisenzeiten verfügten, hieß es in Regierungskreisen.

Deutschland gehört zu den Ländern mit einer vergleichsweise moderaten Staatsverschuldung. Nach Berechnungen des IWF wird Deutschland in diesem Jahr die Obergrenze des Maastricht-Vertrags unterschreiten, wonach der Schuldenstand eines Eurolandes bei höchstens 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen darf. Diese Latte wird von einigen Euroländern seit Langem gerissen. Frankreich weist einen Schuldenstand von 97 Prozent des BIP aus, in Italien sind es 130 Prozent. Experten sehen ab einer Verschuldungsquote von 90 Prozent des BIP die Schuldentragfähigkeit in Gefahr.

Hohe Verschuldung im Euroraum

Alarmierend sind die Zahlen nicht nur in Europa, sondern auch in Übersee. In den USA liegt die Schuldenquote bei 106 Prozent des BIP, in Japan sind es 238 Prozent. Die Bundesregierung sieht auch für die Entwicklungsländer Stabilitätsrisiken. Die Verschuldung in den ärmsten Staaten sei inzwischen höher als im Jahr 1980. Das ist bemerkenswert, denn die Industrieländer erließen den Entwicklungsländern in den achtziger und neunziger Jahren Schulden.

Der IWF fordert die Mitgliedsländer auf, finanzielle Puffer für den nächsten Wirtschaftsabschwung aufzubauen. Die Volkswirte der Washingtoner Finanzinstitution sehen zwar keine Anzeichen für einen Konjunktureinbruch. Das globale Wachstum bleibe mit 3,7 Prozent in diesem und im kommenden Jahr hoch. Dennoch korrigierte der IWF die Prognose leicht nach unten. Im Frühjahr hatte der Fonds noch mit einem globalen Wachstum von jeweils 3,9 Prozent gerechnet.

Hauptgrund für den leichten Dämpfer ist der Handelskonflikt, den die USA mit vielen ihrer Partner austragen. Er führt zu einer Zurückhaltung bei den Investitionen. Es mache sich zunehmend Unsicherheit über die US-Handelspolitik breit. Außerdem belastet das mögliche Scheitern der Brexit-Verhandlungen das Geschäftsklima. Schließlich drückten auch die Turbulenzen in Schwellenländern wie der Türkei und Argentinien auf die Stimmung.

Der IWF korrigierte seine Vorhersage für Deutschland spürbar nach unten. Die deutsche Wirtschaft werde 2018 und 2019 nur noch um 1,9 Prozent wachsen – das sind 0,3 und 0,2 Punkte weniger als zuvor erwartet. Frühindikatoren aus der Automobilwirtschaft deuteten darauf hin, dass die Geschäfte der Hersteller nicht mehr so gut liefen. Der Währungsfonds forderte Deutschland auf, mehr zu investieren und den Handelsbilanzüberschuss abzubauen.

Obwohl der Konjunkturmotor in den Vereinigten Staaten brummt, sieht der IWF auch dort Bremsspuren. Er rechnet damit, dass das US-Wachstum von 2,9 Prozent in diesem Jahr auf 2,5 Prozent im nächsten Jahr sinkt. Damit ist der IWF von den optimistischen Prognosen des US-Präsidenten weit entfernt. Der IWF rät dazu, die robuste US-Konjunktur nicht weiter zu stützen. Die US-Steuerreform und wachsende Staatsausgaben unterstützten zwar kurzfristig den Aufschwung. Sie führten aber gleichzeitig zu einem ungesunden Anstieg des Budgetdefizits. Damit vergrößere die US-Regierung das Ungleichgewicht.