Risiko für Infektion Lungenwürmer – unterschätzte Gefahr für Katzen?

Von Regine Warth und  

Für Hunde ist ein bestimmter Lungenwurm eine tödliche Gefahr. Auch Katzen können sich durch solche Parasiten infizieren. Wie Besitzer einen Befall erkennen – und was sich dagegen tun lässt.

Bestimmte Lungenwürmer können Katzen befallen – vor allem solche, die viel im Freien sind. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Bestimmte Lungenwürmer können Katzen befallen – vor allem solche, die viel im Freien sind. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Stuttgart/Ludwigsburg - In Baden-Würrtemberg breitet sich ein Lungenwurm für Hunde aus. Experten sprechen von einer sich stark ausbreitenden Infektionskrankheit. Doch besteht diese Gefahr auch für Katzen? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Werden Katzen von Lungenwürmer befallen?

Ja. Nach Angaben des Chemischen Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) kommen Infektionen bei Katzen mit Lungenwürmern weltweit vor. Am häufigsten ist der Katzenlungenwurm, Aelurostrongylus abstrusus. In Deutschland konnten anhand von Post-mortem-Untersuchungen je nach Region Infektionsraten zwischen 10 bis 15 Prozent festgestellt werden, heißt es in der Fachzeitschrift „Kleintier konkret“. Weitere Lungenwürmer, die seltener auftreten, sind die Arten Oslerus Rrostratus, Capillaria aerophilia und Vertreter der Gattung Troglostrongylus. Letzterer ist nach Einschätzung von Tierärzten des Idexx Labors durchaus eine „neue Bedrohung“: Dieser Wurm besiedelt bei Wildkatzen Luftröhre und Bronchien und kann „dort, wo echte Wildkatzen vorkommen, auf die Hauskatzen übergehen“, sagt Nikola Pantchev, Fachtierarzt für Parasitologie am Indexx Labor Ludwigsburg.

Wie gefährlich sind die Parasiten für Katzen?

Zumindest der häufigste Vertreter der Katzenlungenwürmer, der Aelurostrongylus abstrusus, ist nach Expertenmeinung für Katzen nicht sonderlich gefährlich: Laut dem CVUA verlaufen die meisten Infektionen symptomlos oder sehr milde. Typische Anzeichen sind laut Fachtierarzt Nikola Pantchev Husten, Atemnot, Nasenausfluss und Mundatmung. Auch zu Gewichtsverlust, Leistungsabfall und einem verzögerten Wachstum bei befallenen jungen Katzen kann es kommen.

Lesen Sie hier (Plus): Lungenwurm breitet sich aus – tödliche Gefahr für Hunde

Problematisch ist zudem: „Bei infizierten Katzen kann es zu einer sogenannten Sekundärinfektion kommen“, sagt Christoph Ganal vom Bundesverband praktizierender Tierärzte. Durch den Befall wird die Lunge beschädigt, woraufhin sich eine bakterielle Infektion einnisten kann. So habe etwa eine Studie aus den USA gezeigt, dass von dem Wurm befallene Katzen während einer Narkose häufig starben, sagt Pantchev – weil die Tiere durch den Befall der Lunge nicht genug Sauerstoff hatten.

Wie infizieren sich Katzen mit dem Parasiten?

Da die Katze der Endwirt für den Parasiten ist, beginnt dort auch der Lebenszyklus des Lungenwurms: Geschlechtsreife Würmer legen im Lungengewebe der Katze ihre Eier ab. Die geschlüpften Larven wandern in die Luftröhre, werden von der Katze ausgehustet oder geschluckt und mit dem Kot ausgeschieden. In der Umwelt suchen sich die Larven dann einen Zwischenwirt – meist sind es Schnecken – in denen sie sich weiterentwickeln können. Andere Tiere wie Vögel, Amphibien oder Nager fressen die infizierten Schnecken und werden wiederum von den Katzen gefressen. Die Larven verlassen den Darm der Katze und wandern in die Lunge.

Verbreitet sich der Lungenwurm?

Analysen des Idexx Labors in Ludwigsburg zeigten, dass 5,6 Prozent der dort analysierten Kotproben von Katzen positiv ausfallen – also einen Befall aufzeigen. „Ob es hier analog zum Lungenwurm beim Hund zur Ausbreitung in Deutschland kommt ist derzeit nicht bekannt“, sagt Nikola Pantchev, Fachtierarzt für Parasitologie.

Die Infektionsraten unterscheiden sich in Deutschland also je nach Region. „Insgesamt scheinen sich deutschland- und europaweit Lungenwurminfektionen bei Katzen zu häufen“, heißt es in der Zeitschrift kleintier konkret. Möglich sei das etwa aufgrund von einer Verbreitung der Zwischen- und Endwirte. Auch die zunehmende Reiseaktivität von Haustieren und Tierhaltern könnte dazu führen, dass Parasiten in neue Regionen vordringen. Doch auch die Tierärzte sind heute wohl aufmerksamer – und ziehen diese Möglichkeit bei entsprechenden Symptomen häufiger in Betracht.

Wie lässt sich ein Befall diagnostizieren?

Indem Katzenbesitzer den Kot ihres Tieres einsammeln – und zwar über drei Tage hinweg, rät der Tierarzt Christoph Ganal, der eine Tierklinik in Weingarten betreibt. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, den Rachen abzutupfen. Das Röntgenbild kann dem Tierarzt in schweren Fällen bereits Hinweise auf eine Lungenwurminfektion geben.

Wie werden betroffene Katzen therapiert?

Es gibt wirksame Entwurmungsmittel, die in Deutschland zugelassen sind. Laut Tierarzt Ganal gibt es unter anderem ein sogenanntes Spot-on-Mittel – also eine Lösung, die auf die Katzenhaut aufgetropft wird und sich von dort über die gesamte Körperoberfläche verteilt. Eine weitere Möglichkeit sind Tabletten. Es gibt auch Möglichkeiten, die Katze vor einem Befall zu schützen, sagt der Tierarzt Ganal: Indem ihr monatlich ein Antiparasitikum, nämlich sogenannte makrozyklische Laktone, verabreicht werden.

Sind die Würmer für Menschen gefährlich?

Nein. Nach Angaben der Experten des CVUA stellen die Parasiten weder für Menschen noch für andere Haustiere eine Gefahr dar.

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