Risikogruppe in der Coronavirus-Pandemie Warum die Kontaktsperre so wichtig ist

Von Götz Schultheiss 

Kenth und Jacqueline Joite aus Steinenbronn gehören beide zur Risikogruppe in der Corona-Pandemie. Ein Fernsehbeitrag über die beiden will dafür sensibilisieren, wie wichtig die Kontaktsperre ist.

Sie durchleben die Corona-Krise mit Bangen: Kenth und Jacqueline Joite. Foto: privat
Sie durchleben die Corona-Krise mit Bangen: Kenth und Jacqueline Joite. Foto: privat

Steinenbronn - Das Steinenbronner Ehepaar Kenth und Jacqueline Joite erlebt die Corona-Pandemie mit ganz besonderem Bangen. Die beiden Schwerkranken gehören zur Risikogruppe. Sie sind fassungslos, wenn sie Menschen sehen, die das Kontaktverbot missachten. „Vom Balkon aus sehen wir auf Spiel- und Sportplätze. Dort treffen sich Jugendliche und Familien, als gäbe es die Gefahr nicht“, sagt Kenth Joite. Bei einem Spaziergang mit dem Hund habe er gesehen, dass Kinder in den Kindergarten eingedrungen seien, um auf dem Klettergerüst zu spielen: „So etwas geht doch jetzt gar nicht.“

Wegen eines angeborenen Herzfehlers lebt Joite mit nur einer Herzkammer. Seine Frau leidet unter der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Vor ein paar Jahren sollte Joite ein Spenderherz erhalten. Er hatte große Hoffnung, ein normales Leben führen zu können, aber die Operation wurde in letzter Minute abgesagt, weil die Gefahr zu groß war, dass er dabei verbluten könnte. Seine Frau, die er in der Steinenbronner Kirche geheiratet hat, hatte er vor einigen Jahren auf einer Rehabilitation kennengelernt.

Nun begleitet ein Fernsehteam des SWR das Paar durch den Alltag mit der Kontaktsperre, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig das Verbot für die Risikogruppe ist. Um nicht mit dem Coronavirus angesteckt zu werden, hat das Ehepaar seine sozialen Kontakte unterbrochen. „Die Einkäufe erledigen Freunde und Verwandte, wir gehen ab und zu mit dem Hund spazieren“, sagt Kenth Joite, dem die Ärzte nach der Geburt die maximale Lebenserwartung von zwei Jahren prophezeit hatten und der in diesem Jahr 30 wird.

Die Interviews wurden aus großer Distanz geführt

Auch der SWR hat keinen Zutritt zur Wohnung der Steinenbronner: „Das Team ist ins Haus gekommen und hat gefilmt, wie mein Schwiegervater die Einkäufe für uns vor der Wohnungstür abgestellt hat.“ Bei Außenaufnahmen seien die Interviews aus großer Distanz geführt worden. „Mit dem Beitrag wollen wir die Leute wachrütteln, damit sie zu Hause bleiben und sich an die Regeln halten, weil es Leute wie uns gibt, für die das brutal wichtig ist“, sagt Joite.

„Die Anwesenheit unseres Teams ist von einigen Bürgern kritisch aufgenommen worden“, sagt die SWR-Redakteurin Kerstin Raddatz. „Zwei Passanten haben sogar verärgert reagiert. Sie wollten nicht einsehen, dass wir den Film drehen, um Leute dazu zu bewegen, in ihren Wohnungen zu bleiben.“ Auf Kenth Joite sei das Landesschau-Team durch einen Artikel unserer Zeitung gekommen. „Wir haben mit ihm gedreht, auch als er geheiratet und nachdem er einen Schlaganfall und eine schwere Lungenoperation überstanden hat“, sagt Raddatz.

Von der Umsicht des SWR-Teams bei den jüngsten Dreharbeiten ist Kenth Joite angetan: „Jeder hat sich vorbildlich an alle Sicherheitsregeln gehalten.“ Durch die Kontaktsperre wird der 29-Jährige zu seinem eigenen Kameramann. Mit Handy-Videos zeichnet er auf, wie seine Frau und er während der Krise in den eigenen vier Wänden agieren. Die Aufnahmen schickt er dem Sender. Dort schneidet das Team sie in den Landesschau-Beitrag, der wohl nach Ostern, voraussichtlich am Mittwoch, gesendet wird. Verschiebungen seien aufgrund der aktuellen Ereignisse aber möglich, sagt Kerstin Raddatz.




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